Besuch aus der Kinderrepublik Benposta
Zum Begleitprogramm
des 2. Nürnberger Friedenslaufs
Naim
Balikavlayan und Christine Burmann
Endlich ist
es soweit: Nach der rund einjährigen Vorbereitungszeit des
2. Nürnberger Friedenslaufs konnte nun das Begleitprogramm
mit zahlreichen Veranstaltungen rund um die Themen 'Ziviler Friedensdienst',
'Gewaltfreie Konfliktbearbeitung' & 'Menschenrechte' starten.
Das Begleitprogramm richtet sich sowohl in Schulveranstalungen
direkt an Schülerinnen und Schüler, als auch in Abendveranstaltungen
an die interessierte Öffentlichkeit. Den Auftakt unserer
Veranstaltungsreihe bildete das Konzert der Jugendlichen aus der
Kinderrepublik Benposta in Bogotá. Insgesamt 15 VertreterInnen
von Benposta aus der kolumbianischen Hauptstadt brachten uns im
Laufe ihres Besuches zum Ausdruck, welche Bedeutung für sie
der Frieden trägt.
In
einer Zeit, in welcher der gesellschaftliche Frieden in Spanien
überschattet wurde von der Militärdiktatur unter General
Francisco Franco, war es der galizische Priester Jesus C. Silva
Mendez, der Akzente für den Frieden setzen wollte. 1957 gründete
er deswegen einen Zirkus aus 15 Jugendlichen, im Spanischen Circo
de los Muchachos, welcher im Laufe seiner Veranstaltungen
die Zuschauer ihre Alltagsprobleme vergessen lassen wollte. Der
hiermit verbundene Erfolg übertrug sich auch nach Kolumbien,
wo in den frühen Siebzigern der Circo de los Muchachos zum
ersten Mal auftrat. Ein Erfolg besonders deswegen, weil die Zuschauer
die Möglichkeit bekamen, zu sehen und zu begreifen, was die
Botschaft der Zirkusgemeinschaft war: Den Alltag vergessen und
in einem alternativen Miteinander Räume für Leben in
Hoffnung zu schaffen. Diese Botschaft wurde später zum Leitspruch
der Organisation Benposta, welche sich aus dem Circo de los Muchachos
herausentwickelte.
Als wir vom Nürnberger Menschenrechtszentrum am besagten
Montag Morgen unsere Besucher von Benposta in Empfang nahmen,
wusste eigentlich noch keiner so ganz genau, was uns in der Folgezeit
erwarten würde.
Unsere kolumbianischen Freunde waren zuvor im Rahmen ihres insgesamt
vierwöchigen Aufenthaltes in Deutschland und Spanien in den
Städten Rheine und München gewesen. Sichtlich ein wenig
angeschlagen von den ersten Eindrücken im fremden Deutschland
und den Veranstaltungen, an denen sie teilgenommen hatten, durften
wir sie schließlich in Nürnberg willkommen heißen.
Die Grenzen der anfänglichen Fremdheit wurden schnell durch
die offene und freundliche Art der Benpostaner behoben
und das erst recht, als wir alle bei einem gemütlichen Miteinander
zu Mittag aßen. Dem gemeinsamen Essen folgte ein kleiner
Stadtrundgang und ein Besuch der Nürnberger Burg.
Um
19:30 begann dann ein interessanter und lebendiger Abend. Lebendig
deswegen, weil uns die Gruppe von Benposta, bestehend aus
deren Kindern, Jugendlichen und drei ihrer Betreuer, ihre Musik
und Tänze vorstellten. Die Musik hatte ihre positive Wirkung
erzielt: Viele der Zuschauer bewegten sich von ihren Plätzen,
um zu den Rhythmen Kolumbiens das Tanzbein zu schwingen. Die Vorstellung
war durch und durch mitreißend und impresionante.
Beeindruckend und interessant war der anschließende Vortrag,
in dem wir erfahren konnten, worum es bei Benposta hauptsächlich
geht.
Benposta ist der Versuch, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit
zu geben, innerhalb einer Gemeinschaft Demokratie zu leben. Sie
besuchen die Schule, machen Berufsausbildungen und werden zusätzlich
in unterschiedlichen Bereichen, wie Musik und Tanz ausgebildet.
Was es dabei bedeutet, Verantwortung zu tragen, lernen sie dadurch,
dass sie den Tagesablauf mehr oder weniger eigenverantwortlich
gestalten müssen - angefangen bei der Vorbereitung der Mahlzeiten,
bishin zur Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens, das Versorgen
der Tiere, Ordnung in den Gemeinschaftsräumen und Zimmern
zu halten und einander Unterstützung zu geben. Benposta ist
eine Republik aus Kindern und Jugendlichen, die sich selbst regieren.
Ihr dringendes Anliegen ist es, auf die Rechte von Kindern und
Jugendlichen aufmerksam zu machen. Dies tun sie über ihre
Musik- und Tanzvorstellungen. Wie wichtig dies ist, wissen die
BewohnerInnen Benpostas aus eigenen Erfahrungen. Sie haben nahezu
alle Gewalterfahrungen, Erfahrungen als KindersoldatInnen oder
ein Leben auf der Straße hinter sich. In den kolumbianischen
Städten Bogotá, Montería und Villavicencio
leben mittlerweile etwa 3000 Kinder in solchen Gemeinschaftsprojekten.
Mit dabei in Nürnberg war auch der Bürgermeister
der jüngeren Kinder, der uns im Vortrag schilderte, wie
denn sein Regierungsprogramm ausgesehen hätte und wie er
selbst Benposta wahr nimmt. Dabei wurde deutlich, wie wichtig
den Kindern und Jugendlichen von Benposta die Gemeinschaft ist:
Sie ergänzten einander in den Antworten auf die Fragen des
Publikums. Kein Unterbrechen, keine Diskrepanzen, keine Unruhen
- stattdessen gab es ehrliche und interessante Antworten, die
sich zu einem Gesamtbild ergänzten.
Am darauffolgenden Tag besuchten wir mit unseren kolumbianischen
Freunden das "Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne"
in Nürnberg. Das dort gebotene Erlebnisparcour zur `Entdeckung
der Sinneswahrnehmungen´ geht von Barfuß-laufen über
verschiedene Untergründe, dem Besuch des Dunkelkaffees, dem
Musizieren mit den Klängen der Welt- all dies begeisterte
nicht allein die Kinder, sondern uns als gesamte Gruppe. Dem Motto
des Freizeitparks konnte Benposta seinen bedeutenden Beitrag leisten,
indem es den anderen ParkbesucherInnen in zwei Vorstellungen seine
Musik vorstellte. Dadurch hatten die BesucherInnen, unter ihnen
mehrheitlich Kinder, die Möglichkeit, die lebendige Musik
und die traditionellen Tänze aus Kolumbien zu erfahren.
Besonders gut gefallen hat unseren Gästen aus Benposta wahrscheinlich
das "Dunkelkaffee" - ein größenteils von
Sehbehinderten geführtes Café in einem ehemaligen
nürnberger Kriegsbunker.
Auf das Erfahrungsfeld folgte ein Stadtbummel, reichlich gutes
Essen und zuallerletzt, was bei einem `guten´ Abschied nicht
fehlen darf, der Besuch einer Bar.
Ob es für uns einfach war, Benposta nach diesen zwei schönen
Tagen zu verabschieden? Keineswegs. Wir hatten alle wirklich eine
sehr schöne und bereichernde Zeit miteinander verbracht.
Ein Zusammensein, geprägt von einem Geben-und-Nehmen, bien
puesta.
Wir vom Trägerkreis des Friedenslaufes und dem Erfahrungsfeld
zur Entfaltung der Sinne waren froh über die Möglichkeit
ein solch wichtiges Projekt nach Nürnberg holen zu können
und durch Spendengelder unterstüzen zu können.
"Si todos los hombres y mujeres del mundo, 
se diesen la mano
ninguno podría oprimir a su hermano."
(Auszug aus der Friedensbotschaft von Benposta)
"Würden sich alle Männer und Frauen dieser Welt
die Hand reichen,
könnte keiner seinen Bruder oder seine Schwester unterdrücken."
(Übersetzung des Verfassers)