Huellas de la Memoria – Spuren der Erinnerung: Ausstellung verlängert

Aug 14th, 2017 | By | Category: Aktuelles

Angefangen hat alles im Jahr 2013 auf einem Protestmarsch in Mexiko-Stadt, bei welchem sich der Menschenrechtsaktivist Alfredo López Müttern und Vätern anschloss, deren Kinder Opfer gewaltsamen Verschwindenlassens wurden. Ein Blick auf die abgelaufenen Schuhe genügte,  um zu wissen, dass sie auf ihrer unendlichen Suche bereits unzählige Schritte zurückgelegt haben, in der Hoffnung ihre Kinder eines Tages vielleicht doch zu finden.

Offiziell gelten 27.000 Menschen in Mexiko als verschwunden. Frauen, Studenten, Bauern, ja sogar Polizisten und Militärs sind nicht sicher. Nur selten wird aufgeklärt was mit den Verschwundenen passiert und oft wird das Verschwinden nicht einmal gemeldet. Das Vertrauen in die (nicht) handelnden Institutionen ist zu gering, die Angst, selbst Opfer von Gewalt zu werden, zu groß.

Doch „verschwunden“ ist nicht gleich vergessen. Das bringt auch der Künstler zum Ausdruck, der mit seinem Kunstprojekt den Verschwundenen ein Gesicht gibt und ein Zeichen gegen das Vergessen, gegen die Straflosigkeit und für den Kampf für Gerechtigkeit setzt.

Inzwischen schickten auch Familienangehörige aus Mexiko, Honduras, Guatemala, El Salvador, Kolumbien und Argentinien dem Künstler Schuhe. Das älteste Schuhpaar stammt von Angehörigen des ältesten offiziell registrierten Opfer des Verschwindenlassens in Mexiko: aus dem Jahr 1969.

In jedes einzelne der bisher 170 Schuhpaare gravierte der Künstler die Geschichte der Familie des Verschwundenen ein. Auf der linken Sohle stehen Daten und Fakten über die Opfer, auf den rechten Schuhen persönliche Botschaften der Angehörigen, gerichtet an ihre Vermissten.

Alfredo López kennt jede einzelne Geschichte dieser Schuhe. Unter ihnen sind Schuhe mit schwarzen Sohlen. Diese stehen für die Verschwundenen, die inzwischen tot aufgefunden wurden. Auch gibt es Schuhe mit roten Sohlen. Diese sind den Familienangehörigen gewidmet, die auf der Suche nach ihren Lieben selbst ermordet wurden. Doch die meisten Schuhe, mögen sie auch noch so abgetragen sein, haben grüne Sohlen. Sie stehen für die nie endende Suche ihrer TrägerInnen und für die Hoffnung darauf, ihre Kinder irgendwann wieder in die Arme nehmen zu können.

Folgendes Interview mit Alfredo López gibt einen Einblick in das Schaffen des Künstlers: Footprints With Memory: The Arts of Transitional Justice

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. August im Tagescafé „Fenster zur Stadt“ der Katholischen Stadtkirche, Vordere Sterngasse 1 in Nürnberg zu sehen.

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