Rezensionen

Codename Cäsar – Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie

Sep 13th, 2017 | By

Im September 2017 wird der Nürnberger Menschenrechtspreis an die Gruppe Caesar verliehen. Hinter dem Decknamen „Caesar“ verbirgt sich ein ehemaliger syrischer Militärfotograf, der ab 2011 zwei Jahre lang Leichen von Ermordeten in syrischen Gefängnissen fotografiert und so für das Regime von Baschar al-Assad systematisch dokumentiert hat. Darunter viele Bilder von zu Tode gefolterten Oppositionellen. Mit Hilfe von Freunden floh er 2013 zusammen mit seiner Familie aus Syrien. Mit sich schmuggelte er 50.000 dieser grausamen Fotos.



Human Rights Leagues in Europe (1898–2016)

Aug 9th, 2017 | By

Unter Historikern ist es Mode geworden, die Entstehung der modernen Menschenrechtsbewegung auf die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, oder gar auf noch spätere Jahre, zu datieren. Schon deshalb ist der von den beiden Wiener Historikern Wolfgang Schmale und Christopher Treiblmayr herausgegebene Band zu begrüßen, der die Geschichte der ältesten bis heute existierenden zivilen Menschenrechtsorganisation nachzeichnet.



Schutz vor dem Verschwindenlassen: Die Menschenrechts-Gerichtshöfe in Amerika und Europa

Jul 31st, 2017 | By

Die deutschsprachige rechtswissenschaftliche Literatur zu dem komplexen Verbrechen des „Verschwindenlassens“ ist noch immer spärlich. Mit „Das Verschwindenlassen von Personen in der Rechtsprechung internationaler Menschenrechtsgerichtshöfe“ leistet Nina Schniederjahn einen wichtigen Beitrag zum Thema, indem sie sich einem systematischen Vergleich der Rechtsprechung in den beiden effektiv existierenden regionalen Menschenrechtsschutzsystemen, dem europäischen (EMRG) und dem interamerikanischen (IAGMR), annimmt.



Sicherheit neu denken – christliche Friedensbewegung damals und Menschenrechte heute

May 4th, 2017 | By

Der Historiker Jan Ole Wiechmann hat es unternommen, die in den 80er Jahren dominierende politische Strömung der Friedensbewegung zu erforschen, genauer, wie im Untertitel gesagt, die „christliche Friedensbewegung in der Nachrüstungsdebatte 1977 – 1984“. Gerade christliche Organisationen wie die „Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden“ (AGDF), „Ohne Rüstung leben“, Evangelischen Studentengemeinden, „Pax Christi“, die „Initiative Kirche von unten“, der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ) und die Gruppe „Schritte zur Abrüstung“ lehnten – in Auseinandersetzung mit den Kirchenleitungen, Bischöfen und konservativen Strömungen) die Nachrüstung ab. Sie widersprach dem Grundgedanken des konziliaren Prozesses für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“.



Die Verteidiger in den Nürnberger Prozessen

Dec 7th, 2016 | By

Über keine Akteursgruppe in den Nürnberger Prozessen ist so wenig bekannt wie über die Verteidiger. Die deutsche Forschung hat sich lange Zeit wenig mit den Verteidigern beschäftigt. Das scheint jetzt endlich anders zu werden. Fast zur gleichen Zeit wurden 2016 zwei Dissertationen über „Nürnberger“ Verteidiger publiziert, die offenbar völlig unabhängig voneinander entstanden sind. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein.



Philippe Sands: East West Street

Aug 6th, 2016 | By

Philippe Sands ist ein englischer Rechtswissenschaftler und Strafverteidiger. Sein leidenschaftliches Interesse an der Geschichte des internationalen Strafrechts hat er des Öfteren bei Veranstaltungen im historischen Gerichtssaal des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg (IMT) bewiesen. Eine Summe seiner Forschungen hat er nun in seinem neuen Buch „East West Street“ vorgelegt. Das Buch sticht aus der Fülle der Literatur über das IMT und die Geschichte des Völkerstrafrechts auf originelle Weise heraus.



Sylvia Karl: Kampf um Rehumanisierung. Die Verschwundenen des Schmutzigen Krieges in Mexiko

Oct 29th, 2015 | By

Im Zentrum dieser anthropologischen Arbeit über das „Verschwindenlassen“ und den Kampf der Angehörigen der „Verschwundenen“ in Mexiko steht die heute allgemein als „Schmutziger Krieg“ bezeichnete Repression sozialer Kämpfe im südlichen Bundesstaat Guerrero in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Sylvia Karl nähert sich dieser bisher vor allem von Historikern und Politologen untersuchten Phase mit einem Forschungsansatz der „anthropologischen Konfliktforschung“.



Nürnberg: Menschheitsverbrechen vor Gericht 1945

Oct 15th, 2015 | By

Thomas Darnstädt, ein erfahrener Journalist des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, gab schon 1996 die Parole „Zurück nach Nürnberg“ aus, damals in Bezug auf den strafrechtlichen Umgang mit Egon Krenz und co (Spiegel 51/1996). Jetzt nimmt er dieses zeitgeschichtliche Stichwort wieder auf und transportiert es aus der Fachöffentlichkeit in die gegenwärtige Auseinandersetzung um die internationale Strafgerechtigkeit. Dabei aktualisiert er die Erinnerung an die NS-Verbrechen gegen die Menschheit am Beispiel derjenigen führenden deutschen Männer, die – bis auf drei – in einem summa summarum fairen Prozess als „War Criminals“ verurteilt wurden. Wer also in das Thema „Nürnberger Prozess“ einsteigen will, dem kann dieses Buch empfohlen werden.
 



Die Entstehung der Menschenrechtserklärung, umfassend dokumentiert

Dec 8th, 2014 | By

The Universal Declaration of Human Rights. The travaux préparatoires, 3 volumes, edited by William A. Schabas, Cambridge University Press 2013

Als in den neunziger Jahren Johannes Morsink sich als erster daran machte, die Entstehungsgeschichte der Universellen Erklärung der Menschenrechte dokumentarisch zu rekonstruieren, blieb ihm nichts andres übrig, als in der Dag Hammarskjöld Bibliothek des New Yorker UNO-Sitzes die Protokolle, Anträge und Beschlüsse der verschiedenen UN-Gremien zu kopieren, die mit der Erklärung zwischen Ende 1945 und dem Tag ihrer Verabschiedung am 10. Dezember 1948 befasst waren.
Ein irisch-englisches Projekt unter Federführung des Völkerrechtlers (und gelernten Historikers) William Schabas stellt uns nun die rund 700 einschlägigen Texte dieser sogenannten „travaux préparatoires“ auf dem Präsentierteller zur Verfügung.



Ein Gedächtnisbuch für die Opfer des Kondors

Nov 16th, 2014 | By

Pina, João: Cóndor, Barcelona (Blume) 2014

Über die “Operación Cóndor”, diesen Verbund der Geheimdienste südamerikanischer Diktaturen, gibt es inzwischen viele wissenschaftliche und journalistische Publikationen. 1975 auf Initiative des chilenischen Geheimdienstchefs Contreras gegründet, verschleppte, folterte und ermordete dieses Netzwerk Oppositionelle in Brasilien, Bolivien, Uruguay, Argentinien, Chile und Paraguay. Mindestens in einem Fall waren auch peruanische Militärs beteiligt (s. den Artikel von Carmen Rosa Cardoza auf http://www.menschenrechte.org/lang/de/lateinamerika/a-desaparicion-forzada-en-el-peru). Der Fund eines Archivs in der paraguayischen Hauptstadt Asunción 1992 durch eines der Opfer der Operation Kondor, den Rechtsanwalt Martín Almada, brachte 1979 erstmals Licht in dieses düstere Netzwerk.