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	<title>Nürnberger Menschenrechtszentrum &#187; Anne Frank</title>
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		<title>Anne Frank</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 08:39:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Frank]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>von Hermann Glaser</strong>

Warum war ich nicht derjenige den das Maschinengewehr niedermähte warum nicht diejenige die in dunkler Straße vergewaltigt wurde warum nicht der Hungernde der scheu hinter dem Hotel in einer Abfalltonne nach Essbarem sucht warum nicht das Kind auf einer Wiese spielend morgen schon deportiert umgebracht warum bin ich derjenige der nun beruhigt in Alpträumen versinkt?

Wen das Schicksal begünstigt hat, wer dem Moloch "Geschichte" auf längere Zeit entronnen ist - wie wir glücklich Überlebenden eines furchtbaren 20. Jahrhunderts -, wer Geschichte mit dem Anschein des Sinnlosen einen Sinn zu geben trachtet, wer also Da-sein trotz allem als Möglichkeit für Hoffnungen begreift, der soll und muss Trauer- wie Erinnerungsarbeit leisten - für diejenigen, denen das Lebensglück, das Glück, leben zu dürfen, zerstört wurde. Nicht durch ein unbestimmbares Schicksal, sondern als Folge der unfassbaren Bosheit von Menschen, hier von deutschen Menschen und ihrer wahnhaften Verblendung.

Die von den amerikanischen Autoren Frances Goodrich und Albert Hackett eingerichtete Bühnenfassung des "Tagebuchs der Anne Frank" - weltweit aufgeführt und allein 1957 mit 1420 Vorstellungen in 44 verschiedenen Inszenierungen das meistgespielte Theaterstück der Bundesrepublik - endet mit der Schlusszeile: "Trotz allem glaube ich noch an das Gute im Menschen." Die Figur des einzig Überlebenden der Familie, des Vaters Otto Frank, dem bei seiner Rückkehr von Auschwitz nach Amsterdam das gerettete Tagebuch übergeben wurde, spricht über seine Tochter den Nachsatz: "Wie sie mich beschämt." Von dem "Tagebuch" sollte eine positive Botschaft ausgehen; Otto Frank ging es um internationale Zusammenarbeit, wechselseitiges Verständnis, Toleranz, Bekämpfung des Rassenwahns, Versöhnung. Diese Botschaft ist angekommen und wird auch mit der Nürnberger Ausstellung viele, hoffentlich im Besonderen junge Menschen, erreichen, ergreifen, aufrütteln. "Wie dieses Mädchen uns beschämt" - in einer Zeit, Welt und Gesellschaft, die immer noch dem fern steht, was Albrecht Goes im Vorwort der ersten deutschen Ausgabe des "Tagebuchs" feststellte: "Dieses Buch, das ohne jede falsche Zutat die Wahrheit sagt, nichts als die Wahrheit, die ganze Wahrheit." Wahrlich eine Geschichte für heute! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Hermann Glaser</strong></p>
<p>Warum war ich nicht derjenige den das Maschinengewehr niedermähte warum nicht diejenige die in dunkler Straße vergewaltigt wurde warum nicht der Hungernde der scheu hinter dem Hotel in einer Abfalltonne nach Essbarem sucht warum nicht das Kind auf einer Wiese spielend morgen schon deportiert umgebracht warum bin ich derjenige der nun beruhigt in Alpträumen versinkt?</p>
<p>Wen das Schicksal begünstigt hat, wer dem Moloch &#8220;Geschichte&#8221; auf längere Zeit entronnen ist &#8211; wie wir glücklich Überlebenden eines furchtbaren 20. Jahrhunderts -, wer Geschichte mit dem Anschein des Sinnlosen einen Sinn zu geben trachtet, wer also Da-sein trotz allem als Möglichkeit für Hoffnungen begreift, der soll und muss Trauer- wie Erinnerungsarbeit leisten &#8211; für diejenigen, denen das Lebensglück, das Glück, leben zu dürfen, zerstört wurde. Nicht durch ein unbestimmbares Schicksal, sondern als Folge der unfassbaren Bosheit von Menschen, hier von deutschen Menschen und ihrer wahnhaften Verblendung.</p>
<p>Die von den amerikanischen Autoren Frances Goodrich und Albert Hackett eingerichtete Bühnenfassung des &#8220;Tagebuchs der Anne Frank&#8221; &#8211; weltweit aufgeführt und allein 1957 mit 1420 Vorstellungen in 44 verschiedenen Inszenierungen das meistgespielte Theaterstück der Bundesrepublik &#8211; endet mit der Schlusszeile: &#8220;Trotz allem glaube ich noch an das Gute im Menschen.&#8221; Die Figur des einzig Überlebenden der Familie, des Vaters Otto Frank, dem bei seiner Rückkehr von Auschwitz nach Amsterdam das gerettete Tagebuch übergeben wurde, spricht über seine Tochter den Nachsatz: &#8220;Wie sie mich beschämt.&#8221; Von dem &#8220;Tagebuch&#8221; sollte eine positive Botschaft ausgehen; Otto Frank ging es um internationale Zusammenarbeit, wechselseitiges Verständnis, Toleranz, Bekämpfung des Rassenwahns, Versöhnung. Diese Botschaft ist angekommen und wird auch mit der Nürnberger Ausstellung viele, hoffentlich im Besonderen junge Menschen, erreichen, ergreifen, aufrütteln. &#8220;Wie dieses Mädchen uns beschämt&#8221; &#8211; in einer Zeit, Welt und Gesellschaft, die immer noch dem fern steht, was Albrecht Goes im Vorwort der ersten deutschen Ausgabe des &#8220;Tagebuchs&#8221; feststellte: &#8220;Dieses Buch, das ohne jede falsche Zutat die Wahrheit sagt, nichts als die Wahrheit, die ganze Wahrheit.&#8221; Wahrlich eine Geschichte für heute!</p>
<p>Man kann sagen, dass es wohl kein Zeugnis aus der Zeit des nationalsozialistischen Terrors gibt, das weltweit so nachhaltig Empathie mit den jüdischen Opfern hervorrief und im Mitleiden eigenes Engagement für eine bessere Welt bewirkte &#8211; ein humanes Vermächtnis, von dem der niederländische Publizist Jan Komein 1946 in einem Artikel, welcher der Veröffentlichung des &#8220;Tagebuchs&#8221; den Weg bereitete, schrieb, dass es dabei helfe, den &#8220;Kampf gegen das Tier im Menschen&#8221; nicht verloren gehen zu lassen. Quantitativ gesehen: Das Buch ist in Millionen Exemplaren verbreitet; es ist eine viel verwendete Schullektüre in den Gymnasien und Gesamtschulen; den Namen Anne Frank tragen auf der ganzen Welt Schulen, Straßen, Kinderdörfer, Kirchen. Auf den Erfolg der Bühnenfassung wurde schon hingewiesen; auch der Film war äußerst erfolgreich. Tausende von Briefen erreichten die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam, die einen großen Andrang von Besuchern verzeichnet. Viele Bücher beschäftigen sich mit dem Schicksal des ermordeten Mädchens. Der Name &#8220;Anne Frank&#8221; muss mit rechtlichen Mitteln sogar laufend wie ein Markenzeichen vor Plagiaten und Missbrauch geschützt werden, so zum Beispiel, wenn ein Textilproduzent in China seine T-Shirts unter dem Namen &#8220;Anne Frank&#8221; auf den Weltmarkt zu bringen sucht.</p>
<p>Anne Frank &#8211; nicht nur eine Geschichte für heute, sondern auch eine Geschichte, die in den Sog des Medienzeitalters geriet. Ist es kleinlich zu fragen, wie viel diese Form der kollektiven Verehrung noch mit der realen Erfahrung Anne Franks und dem Wortlaut ihres Tagebuches, mit dem, was sie persönlich beschäftigt hat, zu tun hat? Hanno Loewy, Direktor des Fritz-Bauer-Instituts (des &#8220;Studien- und Dokumentationszentrums zur Geschichte und Wirkung des Holocaust&#8221; in Frankfurt am Main) spricht von einer mythischen &#8220;Universalisierung&#8221; und moralischen Vermarktung der Anne Frank, mit der Gefahr, dass viele, die sich mit ihr emotional identifizieren, rasch &#8211; zu rasch &#8211; sich entsühnt fühlen. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, beklagt, dass Annes Geschichte unter den Händen geschäftstüchtiger Strategen zum Rührstück zu verkommen drohe, zum geradezu rituell gehandhabten Betroffenheitstext; jüdisches Schicksal wird nun aus der Stigmatisierung in die Auserwähltheit gerückt.</p>
<p>Anne Frank selbst hat sich widersprüchlich dazu geäußert, was sie nach der erhofften Befreiung aus ihrem Versteck mit den Aufzeichnungen tun wolle. Zum einen erstrebte sie einen publizistischen Beruf, wollte nach dem Krieg ein Buch über ihr Leben im Hinterhaus veröffentlichen; zum anderen wollte sie dafür sorgen, dass niemand das Tagebuch in die Hände bekomme.</p>
<p>Wahrscheinlich hätte sie nicht der Fassung zugestimmt, die zunächst ihr Vater zusammenstellte &#8211; und zwar aus einer Version von drei Heften, einer veränderten Abschrift auf losen Blättern und schließlich einzelnen ausformulierten Geschichten. Die Gründe für die harmonisierenden und Familienprobleme aussparende Redigierung durch Otto Frank sind durchaus verstehbar; man muss sich auch die Qualen vorstellen, als er, der einzig Überlebende der Familie, das Tagebuch seiner Tochter las. Doch tritt erst aus den gesamten Tagebüchern, wie sie in einer kritischen Ausgabe des &#8220;Niederländischen Staatlichen Instituts für Kriegsdokumentation&#8221; seit 1988 vorliegen, die wirkliche Anne Frank voll in Erscheinung: Eine durch die Erfahrung von Leid und Angst gezeichnete Frühvollendete, die sich zugleich durch einen unsentimentalen Realismus und skeptischen Humor auszeichnet, deren frühreife Lebenserfahrung nicht geglättet und harmonisiert ist. Sie scheut sich nicht, die problematischen Familienverhältnisse zu benennen, setzt sich mit ihrer Sexualität auseinander, blickt tapfer in den Abgrund (die Kunde von den Massenmorden und Vergasungen hat das Versteck längst erreicht); sie weiß radikal zu formulieren &#8211; etwa, was die Deutschen und Deutschland betrifft. Durch eine neue Übersetzung wurden auch die unverzeihlichen Retuschierungen der ersten Übersetzerin beseitigt. Aus der enttäuscht-unerbittlichen Feststellung etwa: &#8220;Es gibt keine größere Feindschaft auf dieser Welt als zwischen Deutschen und Juden&#8221; war die besänftigende geworden: &#8220;Eine größere Feindschaft als zwischen diesen Deutschen und den Juden gibt es nicht auf der Welt&#8221;. Aus Anne Franks Notiz: &#8220;Ich habe wieder etwas gelernt, Bordell und Kokotte, ich habe ein extra Büchlein dafür angeschafft&#8221;, machte die Übersetzerin: &#8220;Für Fremdwörter und Aussprüche habe ich mir ein besonderes Heft angelegt.&#8221; Dies nur pars pro toto &#8211; das &#8220;Gesamte&#8221; ergäbe eine lange Liste von Verfälschungen.</p>
<p>Wenn wir uns heute mit dem Tagebuch der Anne Frank beschäftigen, dann nicht mehr in Form einer die unverfälschte Offenheit meidenden, aus einem restaurativen Zeitgeist heraus besänftigten, geglätteten, aus uneinheitlichen Versionen zu einer geschönten Einheit kompilierten Fassung, sondern mit einer Geschichte, die nun &#8211; und damit gewinnt das Wort von Albrecht Goes eine neue Bedeutung &#8211; ein literarisches Meisterwerk darstellt, &#8220;das ohne Zutat die Wahrheit sagt, die ganze Wahrheit&#8221;.</p>
<p>Das literarische Meisterwerk schließt freilich die tief greifende Herausforderung ein, aus dem Bannkreis der &#8220;Literarisierung&#8221; immer wieder herauszutreten, um sich das ganze Ausmaß der Banalität des Bösen in ihrer gemeinsten Entartung zu vergegenwärtigen. Deshalb mischt die Ausstellung das Persönliche und Literarische mit Fakten und Dokumenten.</p>
<p>Die Leiden der Anne Frank &#8211; ein Leben in Angst vor dem Entdecktwerden, den Tod ständig vor Augen &#8211; kann man als Geschichte noch auf eine Weise mitfühlen, dass man mit der äußersten Dimension von Entwürdigung und Zerstörung nicht konfrontiert wird. Doch sollte die autobiographische Geschichte den Nachgeborenen dazu verhelfen, nicht nur von einer Geschichte angerührt zu werden, sondern darüber hinaus sich dem zu stellen, was sich der Literarisierung entzieht und nie historisiert werden darf: es betrifft die ungeschriebenen und unschreibbaren Kapitel des Tagebuchs. Eine in der Ausstellung zitierte Zeitzeugin der Massenvernichtung, die Auschwitz überlebt hat, spricht es aus: &#8220;Man bekam zunächst das Wort nicht über die Lippen. Es ist immer noch schwierig. Heute spreche ich es aus: &#8216;Vergast&#8217;. Denn es ist so.&#8221;</p>
<p>Über die Unmittelbarkeit des Grauens kann in einem Vortrag anlässlich der Vernissage wohl kaum reflektiert werden; sie ist Sache des lapidaren Berichts. Nachfolgend Hannah Pick, eine Kinderfreundin von Anne Frank und ihrer Schwester Margot, die ebenfalls in Bergen-Belsen war, aber der Vernichtung entging. Anfang 1945 sprach sie zum letzten Mal mit Anne Frank &#8211; durch einen Stacheldrahtzaun getrennt. &#8220;Das war nicht dieselbe Anne, die ich gekannt habe. Sie war ein gebrochenes Mädchen. &#8230; Sie fing sofort an zu weinen und erzählte mir: &#8216;Ich habe keine Eltern mehr!&#8217; “¦ Sie dachte, ihr Vater sei sofort vergast worden “¦ Wir standen also da, zwei junge Mädchen, und wir weinten “¦ Dann sagte sie: &#8216;Wir haben überhaupt nichts zu essen hier, fast nichts, und wir frieren, wir haben überhaupt keine Kleider, und ich bin sehr mager, und man hat mich kahlgeschoren.&#8217; “¦ An irgendeinem Zeitpunkt in den letzten Tagen stand Anne in eine Decke gehüllt vor mir.</p>
<p>Sie hatte keine Tränen mehr, ach, die hatten wir längst nicht mehr. “¦ Es war ein harter Winter, und sie war in eine einzige Decke gehüllt. Ich habe alles, was ich finden konnte, zusammengerafft, um es ihr zu geben, so daß sie wieder angezogen war. Zu essen hatten wir selbst auch nicht viel “¦ aber ich habe Anne etwas von unserer Brotration abgegeben. Es sind schreckliche Dinge passiert. Zwei Tage später bin ich hingegangen, um nach den Mädchen zu schauen. Sie waren beide tot!&#8221;</p>
<p>Doch kehren wir noch einmal zum &#8220;Tagebuch&#8221; zurück: Kurz nach dem Satz, mit dem die Bühneneinrichtung des Tagebuchs endet, Eintrag vom 15. Juli 1944 &#8211; &#8220;Trotz allem glaube ich noch an das Gute im Menschen&#8221; -, stehen Sätze, die wir beherzigen und in unser Gehirn fest einschreiben müssen, wollen wir uns nicht in der Apokalypse, die wir inzwischen selbst herstellen können, bewusstlos und widerstandslos einrichten: &#8220;Es ist mir nun mal unmöglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich sehe, wie die Welt langsam immer mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit. Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden.&#8221; Solcher Mut, solche Kraft fällt uns aber nicht zu, dafür müssen wir einstehen, dazu müssen wir uns aufraffen.</p>
<p><strong>Mit Günter Eich gesprochen:</strong></p>
<p><em>&#8220;Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind.</em></p>
<p><em>Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!</em></p>
<p><em>Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen</em></p>
<p><em>gerechnet wird!</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!</em></p>
<p><em>Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!&#8221;</em><br />
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		<title>&#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 08:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Frank]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungspädagogik]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>von Gottfried Kößler</strong>

"... weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube." (Anne Frank, 15. Juli 1944). Diese Formulierung prägt seit 50 Jahren die Rezeption des Tagebuchs, und sie ist die Grundlage seiner weltweiten Aufnahme in den Kanon der Jugendbücher. Otto Frank, Annes Vater und als überlebendes Familienhaupt für ihren Nachlass verantwortlich, hat aus diesem Glaubenssatz ein pädagogisches Programm gemacht. Der Glaube an das Gute im Menschen als Bildungsziel! Wenn das keine Perspektive ist, um die Schrecken des "Jahrhunderts der Genozide" zu überwinden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Gottfried Kößler</strong></p>
<p>Eine interaktive Ausstellung für Jugendliche. Ein interkulturelles Projekt zur Erinnerungskultur. Ein Wagnis der Kooperation.</p>
<h3>1. Das Thema &#8220;Anne Frank&#8221; &#8211; ein pädagogisches Versprechen</h3>
<p>&#8220;&#8230; weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube.&#8221; (Anne Frank, 15. Juli 1944). Diese Formulierung prägt seit 50 Jahren die Rezeption des Tagebuchs, und sie ist die Grundlage seiner weltweiten Aufnahme in den Kanon der Jugendbücher. Otto Frank, Annes Vater und als überlebendes Familienhaupt für ihren Nachlass verantwortlich, hat aus diesem Glaubenssatz ein pädagogisches Programm gemacht. Der Glaube an das Gute im Menschen als Bildungsziel! Wenn das keine Perspektive ist, um die Schrecken des &#8220;Jahrhunderts der Genozide&#8221; zu überwinden.</p>
<p>Anne Franks Satz steht aber im Tagebuch in einem anderen Kontext. Sie schreibt: &#8220;Wir, die Jüngeren, haben doppelt Mühe, unsere Meinungen in einer Zeit zu behaupten, in der aller Idealismus zerstört und kaputtgemacht wird, in der sich die Menschen von ihrer hässlichsten Seite zeigen, in der an Wahrheit, Recht und Gott gezweifelt wird. Jemand, der dann noch behauptet, dass die Älteren es hier im Hinterhaus viel schwerer haben, macht sich nicht klar, in wie viel stärkerem Maß die Probleme auf uns einstürmen. (&#8230;) Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube.&#8221; Hier sind die Themen angesprochen, die nach wie vor das Interesse junger Leser an diesem Text begründen: Generationenkonflikt, Infragestellung der Grundwerte, Religion und Glaube &#8211; und nicht zuletzt die eigenen Zukunftsentwürfe.</p>
<p>Auch die genauere Lektüre bestätigt also, wenn auch auf einer anderen Ebene, die Eignung dieses Buches für eine pädagogische Nutzung. Allerdings ist die Interpretation des eingangs zitierten Satzes dann falsch, wenn er als Kommentar zum Holocaust gelesen wird, als Geste des Verzeihens gegenüber der Menschheit insgesamt und damit als Exculpierung der Deutschen. Darum geht es ihr nicht. Es geht vielmehr um den Kampf einer Jugendlichen um ihr Selbstverständnis in einer Welt, die keine klaren Orientierungen mehr bietet. Gerade wegen der Fehlinterpretation konnte dieser Text seit der Premiere des Theaterstückes über Anne Frank am Broadway 1955 gerade in Deutschland eine derart wichtige Funktion bekommen. Anne Franks &#8220;&#8230; Geschichte wurde aus dem historischen Zusammenhang gerissen und zu einem individualisierten Text gemacht.&#8221; Aber eben diese Individualisierung bringt eine Chance auf einer ganz neuen Ebene mit sich, wenn es nicht um die Rekonstruktion einer Nationalgeschichte geht. Denn für die heutige pädagogische Nutzung der Geschichte Anne Franks heute steht die Frage nach ihrer Eignung für eine Verständigung über die Geschichte des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges in einem Deutschland an, das keine national homogene Bevölkerung mehr hat.</p>
<p>Für eine Geschichtsdidaktik, die Jugendlichen bei der Suche nach ihrem je eigenen Bezug auf Geschichte als Teil ihrer persönlichen Konzeption von Identität helfen will, hat es eine neue und völlig veränderte Bedeutung, von der Geschichte eines einzelnen Menschen auszugehen. Unter dieser Perspektive bedeutet dann Individualisierung nicht mehr ein Wegsehen von der jüdischen Identität Anne Franks, wie es bei der amerikanischen &#8211; und in ihrem Gefolge der deutschen &#8211; Rezeption in den 50er und 60er Jahren der Fall war. Im Gegenteil, die Auseinandersetzung mit der Frage, welcher Anteil der Familiengeschichte und der persönlichen Gegenwart für das Selbstverständnis am bedeutendsten ist, spielt für Anne Frank eine ebenso große Rolle, wie für Jugendliche in Deutschland heute &#8211; und nicht nur hier. Anne schreibt am 11. April 1944 unter dem Eindruck größter Gefahr, entdeckt zu werden: &#8220;Wer hat uns das auferlegt? Wer hat uns Juden zu einer Ausnahme unter allen Völkern gemacht? Wer hat uns bis jetzt so leiden lassen? (&#8230;) Wir können niemals nur Niederländer oder nur Engländer oder was auch immer werden, wir müssen daneben immer Juden bleiben. Aber wir wollen es auch bleiben.&#8221;</p>
<p>Es ist eine der Grundlagen der didaktischen Konzeption unserer Ausstellung, die &#8220;Universalisierung&#8221; der Botschaft des Tagebuchs gerade an diesem Punkt neu zu begreifen. &#8220;So gesehen, ist nationale Identität keine dominante (oder dominierende) kollektive Ideologie mehr, die auf mythologischen Vergangenheiten aufbaut, sondern eine selbstbewusste Wahl, die Individuen aufgrund ihrer Präferenzen für gewisse Erinnerungen treffen.&#8221; Diese Analyse von Daniel Levi und Natan Sznaider begründet ebenso wie die Ergebnisse der empirischen Studie von Viola Georgi über die Geschichtsbilder junger Migranten in Deutschland das didaktische Konzept dieser Ausstellung, deren Inhalt ich gemeinsam mit Wouter van der Sluis erarbeitet habe.</p>
<h3>2. Die politische und institutionelle Rahmung der Entwicklung der &#8220;neuen&#8221; Anne Frank- Ausstellung</h3>
<p>&#8220;Anne Frank &#8211; Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; soll in drei Varianten eines Ausstellungskonzeptes entstehen. Nach Frankfurt am Main soll es auch in Berlin eine Dauerausstellung geben, dazu kommt eine Wanderausstellung. Das Projekt wird von drei Institutionen als binationales Projekt entwickelt.</p>
<p>Das &#8220;Anne Frank Haus&#8221; in Amsterdam verbindet den &#8220;authentischen Ort&#8221; des Untertauchens mit einem Netz von pädagogischen Angeboten, die neben der Erinnerung an den Holocaust vor allem die Erziehung zur Anerkennung des Anderen und zu demokratischen Haltungen zum Ziel haben.</p>
<p>In Deutschland gibt es zwei pädagogische Einrichtungen, die sich dem Vermächtnis Anne Franks in ähnlicher Weise widmen: Das Anne Frank Zentrum in Berlin und die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Sie werden Standorte der beiden Dauerausstellungen sein.</p>
<p>Die Durchführung des Projektes wurde durch eine Förderung im Rahmen des Aktionsprogramms Entimon &#8220;Jugend für Toleranz und Demokratie &#8211; gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus&#8221; beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ermöglicht. Diese Einbindung in den Zusammenhang politisch gewünschter Aktionen gegen den Rechtsextremismus legt eine eindeutig auf Jugendbildung orientierte Konzeption der Ausstellung nahe. Diese politische Vorgabe korrespondiert mit den Profilen der beteiligten Institutionen, die ich kurz vorstellen möchte.</p>
<h4>2.1. Das Anne Frank Haus Amsterdam</h4>
<p>Neben dem &#8220;authentischen Ort&#8221;, dem Haus an der Prinzengracht, ist ein Zentrum für pädagogische Konzepte und für die Produktion pädagogischer Materialien im Bereich interkultureller Erziehung und Menschenrechtsbildung entstanden. Das Anne Frank Haus nimmt die von Otto Frank als Auftrag angenommene Botschaft des Tagebuches der Anne Frank auf, für Menschenrechte und Demokratie zu kämpfen. Dabei ist bezeichnend, dass die Ebenen des Gedenkens und der pädagogischen Angebote für die Gegenwart hier nicht scharf getrennt werden. Eine Ausnahme ist das Hinterhaus selbst. Die vor wenigen Jahren denkmalgerecht durchgeführte Sanierung des Hauses und die danach eröffnete Ausstellung darin lassen den Spuren der Untertaucher und der Helfer viel Raum, ohne diese immer gleich zu interpretieren. Die leeren Räume mit den gezielt sakral inszenierten Erinnerungsstücken kontrastieren mit der aggressiv gegenwartsbezogenen interaktiven Installation &#8220;Grenzfälle&#8221;, die direkt am Ausgang des historischen Gebäudes im Neubau der Anne Frank Stiftung zu finden ist. Hier sollen sich die Besucher durch das Drücken von grünen oder roten Knöpfen in Grenzfällen demokratischer Freiheiten entscheiden. Ein Beispiel: Soll man EMINEM verbieten, weil er rassistisch und schwulenfeindlich ist?</p>
<p>Die pädagogische Arbeit der Anne Frank Stiftung findet aber nicht zuletzt außerhalb des Hauses in den schwierigen Handlungsfeldern der postkolonialen Gesellschaft der Niederlande statt. Dies geschieht in einem Umfeld, in dem die Verunsicherung über die &#8220;reine Weste&#8221; der Niederländer in der Besatzungszeit so weit geht, dass die Nachricht, Otto Frank habe an die Wehrmacht Gewürze verkauft, eine Meldung in den Hauptfernsehnachrichten wert ist.</p>
<p>Der Pflege des Erbes, das mit dem Hinterhaus verbunden ist, dient neben der vorbildlichen CD-ROM (&#8220;Anne Frank Haus. Ein Haus mit einer Geschichte&#8221;) nicht zuletzt die international vertriebene Wanderausstellung &#8220;Anne Frank. Eine Geschichte für heute&#8221;. Sie existiert mit gleichbleibender Grafik und gleichem Quellenbestand in einer Vielzahl von Sprachen. Ihre Präsentation wird jeweils mit einem kulturellen, politischen und pädagogischen Rahmenprogramm verbunden.</p>
<h4>2.2. Das Anne Frank Zentrum Berlin</h4>
<p>In Deutschland betreut das Anne Frank Zentrum Berlin als Partnerorganisation des Anne Frank Hauses Amsterdam die Wanderausstellung &#8220;Anne Frank. Eine Geschichte für heute&#8221;. Es hat aus der Vorbereitung der &#8220;Ausstellungsbegleitung&#8221; durch Jugendliche und dem Rahmenprogramm, sowie der Finanzierung der jeweiligen Ausstellungsstandorte ein kulturpädagogisches Gesamtkonzept gemacht. Die MitarbeiterInnen beraten interessierte Institutionen oder Initiativen bei der Planung und Durchführung der Ausstellungspräsentation, beim Begleitprogramm und bei der Sponsorensuche. Vor allem führen sie Seminare für die &#8220;BegleiterInnen&#8221; durch und haben dabei das peer-education Konzept des Anne Frank Hauses weiter entwickelt.</p>
<p>Im Arbeitsbereich &#8220;Interkulturelle Entwicklung und Qualifizierung&#8221; werden die interkulturellen Angebote des Anne Frank Hauses für die deutschen Nutzer zugänglich gemacht.</p>
<p>Das Zentrum hat seinen Standort in Berlin im gleichen Hinterhof mit dem Museum &#8220;Blindenwerkstatt Otto Weidt&#8221;. Dort treffen also in pädagogisch produktiver Weise verschiedene Geschichten vom Helfen zusammen.</p>
<h4>2.3. Die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank</h4>
<p>Als Ort der Installation des Pilotprojektes für das Gesamtprojekt &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; wurde die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main ausgewählt. Hier sollen Erfahrungen mit der didaktischen und mit der technischen Umsetzung der Ausstellungskonzeption gemacht werden, die dann für die Wanderausstellung und die zweite Dauerausstellung in Berlin genutzt werden können. Daher soll diese Einrichtung ausführlicher vorgestellt werden.</p>
<p>í  Bild: Jugendbegegnungsstätte Anne Frank</p>
<p>Die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank besteht seit Anfang 1997 in Räumen, in denen in den 1920er Jahren die Jugendherberge Frankfurts untergebracht war. Damit befindet sich die Institution zwar in einem historischen Gebäude, das für die Regionalgeschichte nicht gänzlich unbedeutend ist, das aber keinen direkten Bezug zu Anne Frank herstellen lässt &#8211; es handelt sich nicht um einen &#8220;authentischen Ort&#8221;. Auch die räumliche Nähe zum Geburtshaus Anne Franks erbringt nicht die Funktion der &#8220;Authentizität&#8221;.</p>
<p>Von der Erwartung, eine Gedenkstätte zu gestalten will sich die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank seit ihrer Gründung deutlich abgrenzen. Sie ist eine pädagogische und auf die Fragen der Gegenwart bezogene Einrichtung. Sie setzt deutlich auf eine Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Perspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust und nimmt damit explizit Konflikt und Dissens in Kauf. Sie will damit sowohl dem Generationenproblem in der Beschäftigung mit diesem Teil der Geschichte als auch den Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft Rechnung tragen, in der ein eindeutiger Bezugsrahmen auf die NS-Geschichte nicht (mehr) vorausgesetzt werden kann. Das pädagogische Konzept wird als thematisches Dreieck beschrieben. Die drei Seiten dieses Dreiecks bestehen aus Historischem Lernen, Begegnung und Menschenrechtsarbeit und sind konzeptuell gleich gewichtet. Auch der Informationsrundbrief, den die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank zweimal im Jahr veröffentlicht, folgt dieser Struktur.</p>
<h4>2.3.1. Projekte des Historischen Lernens</h4>
<p>Dazu zählt in erster Linie die Ausstellung über Anne Frank, die jetzt neu eröffnet wurde. Außerdem werden monatlich moderierte Zeitzeugengespräche zur NS-Zeit angeboten. Zum Thema historisches Lernen zählt auch, Vorbereitungs- und Beratungstreffen für Gruppen anzubieten, die unabhängig von der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank Fahrten zu Gedenkstätten planen. Hintergrund der historisch orientierten Arbeit ist die Überzeugung, dass Gedenken nur möglich ist, wenn vorher Wissen über die Geschichte erworben worden ist und dass dieses erworbene Wissen Bedeutung für das eigene, heutige Leben hat. Historisches Lernen bedeutet somit eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Gesellschaft, um die Gegenwart besser verstehen zu können.</p>
<h4>2.3.2. Projekte der Begegnung</h4>
<p>Mit diesen Projekten wird das Ziel verfolgt, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu verschiedenen Themen zu versammeln. Das umfasst sowohl die Begegnung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Nationen, Religionen und Ethnien als auch die Begegnung zwischen den Generationen. Die Verschiedenheit derer, die sich hier treffen, soll Ansporn zu Solidarität sein, die über ein bloßes Hinnehmen des Andersseins der Anderen hinausgeht: Unterschiede sollen nicht lediglich ertragen sondern auch zu schätzen gelernt werden. Exemplarisch sei hier die Veranstaltungsreihe &#8220;Interessante Erwachsene / Zeitzeugen Migration&#8221; genannt, in deren Rahmen ältere Migranten mit Jugendlichen ins Gespräch kommen.</p>
<h4>2.3.3. Projekte zur Menschenrechtsarbeit</h4>
<p>In diesem Arbeitsbereich ist das Ziel, Grundhaltungen und Kompetenzen zu vermitteln, die es ermöglichen sollen, sich &#8211; konkret und persönlich &#8211; für eine gerechte Gesellschaft einzusetzen. Die von der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank veranstalteten Mediationsseminare für Lehrerinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit gehören zum Bereich &#8220;Konfliktmanagement&#8221;, für Jugendliche werden Streit-Schlichter-Gruppen angeboten, in denen Strategien trainiert werden können, die zur friedlichen Lösung von Konflikten befähigen sollen. Ein wichtiges Projekt befasst sich hier mit Fragen des Rechtsextremismus und des neuen Antisemitismus.</p>
<p>Natürlich ist die Trennung der Projektbereiche eine analytische, die für die Praxis lediglich Tendenzen für die bearbeiteten Schwerpunkte aufzeigt. Alle drei Bereiche der pädagogischen Arbeit haben immer wieder Berührungspunkte. Zeitzeugengespräche über die Erinnerung an Holocaust und Nationalsozialismus etwa sind Begegnungen, durch die historisches Lernen ermöglicht wird. In der von Bernd Fechler in einem Aufsatz beschriebenen Bearbeitung eines Gruppenkonflikts, der durch einen Besuch der Anne-Frank-Ausstellung ausgelöst wurde, bündeln sich die pädagogischen Schwerpunkte der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in exemplarischer Weise: Mit Hilfe von Mediationsgesprächen mit der Schulklasse wird in diesem beschriebenen Fall ein Konflikt zwischen unterschiedlichen Ethnien in einer Schulklasse bearbeitbar gemacht, der während des Ausstellungsbesuchs eskaliert war. Die kontroverse Bezugnahme auf die deutsche Geschichte wird zum Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit aktuellen Konflikten in einer Besuchergruppe.</p>
<h4>2.4. Erfahrungen mit den bisherigen Anne Frank- Ausstellungen im deutschen Sprachraum</h4>
<p>&#8220;Das Schicksal der Anne Frank ist Ausgangspunkt, nicht einziger Inhalt unserer Arbeit&#8221;, heißt es im Informationsrundbrief der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank vom Mai 1999. Wie aber wird der Bogen von der historisch-pädagogischen Arbeit mit der Ausstellung zu den anderen Projekten geschlagen? &#8220;Das Schicksal Anne Franks verweist auf Themen wie Migration, Flucht und Vertreibung. Eng damit verknüpft sind die Themen Rassismus, Antisemitismus sowie andere Formen von Vorurteilsbildung und Diskriminierung, die das Zusammenleben unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen erschweren und bedrohen&#8221;, heißt es im Informationsrundbrief weiter. Durch die rein historische Ausrichtung der damaligen Ausstellung &#8220;Anne aus Frankfurt&#8221; konnte der Bogen zu den zwei weiteren pädagogischen Pfeilern der Einrichtung lediglich diskursiv hergestellt werden. In dieser Ausstellung materialisierten sich keine Gegenwartsbezüge, sie stellten sich aber während der Ausstellungsbesuche durchaus her und wurden durch die pädagogische Gesamtausrichtung der Jugendbegegnungsstätte auch aufgegriffen. Die oben erwähnte Bearbeitung eines während des Besuchs der Ausstellung ausgelösten Konflikts deutete eine Verbindungslinie zwischen der Ausstellung und den anderen pädagogischen Projekten bereits an. Allerdings war die Einbindung der Ausstellung in das Gesamtkonzept nicht immer so prägnant zu beschreiben wie im angedeuteten Fall.</p>
<p>Die neue Ausstellung soll wie alle anderen Projekte auch eine offene Auseinandersetzung befördern, in der kontroverse Meinungen zur Diskussion stehen.</p>
<p>Eine Beobachtung der Besucherzusammensetzung in der Wanderausstellung &#8220;Anne Frank. Eine Geschichte für heute&#8221; sowie der Ausstellung &#8220;Anne aus Frankfurt&#8221; ergab trotz der unterschiedlichen Kontexte der Nutzung eine deutliche Gemeinsamkeit: Die Schulklassen stellen bei weitem den größten Anteil der Besucher. Die meisten Besucher sind Jugendliche, wenige kommen in außerschulischen Gruppen, und Einzelbesucher sind eine Seltenheit. Die bisherigen Ausstellungen waren (und sind) also Orte, an denen schulisches Lernen außerhalb der Schule stattfindet.</p>
<p>í  Bild: Blick in die Ausstellung</p>
<h3>3. Die didaktische Konzeption der Ausstellung</h3>
<p>Die Wanderausstellungen des Anne Frank Hauses waren und sind bislang für eine internationale Nutzung konzipiert. Sie erzählen die Geschichte des Nationalsozialismus, der Untertaucher und des Holocaust für ein globales Publikum. Eine der ersten Festlegungen unter den Projektpartnern war, dass es für die pädagogische Arbeit mit dem Thema Holocaust in Deutschland erforderlich ist, die Besonderheiten der deutschen Gesellschaft der Gegenwart mit ihrem spezifischen Bezug auf die Geschichte des Nationalsozialismus konzeptionell zu berücksichtigen. Das Prinzip des Perspektivenwechsels, das Angebot unterschiedliche Wahrnehmungen historischer Ereignisse kennen zu lernen, ist grundlegend.</p>
<p>Die zweite Festlegung betrifft die Zielgruppe. Die Ausstellung &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; richtet sich an Schulklassen. Sie ist ein Arbeitsinstrument für die jugendlichen &#8220;Begleiter&#8221;. Die Ausstellung soll also dem pädagogischen Konzept der peer-education zuarbeiten. Damit stand bereits vor der Konkretisierung der übliche Prozess einer Ausstellungsentwicklung auf dem Kopf: die Pädagogen werden in Gedenkstätten und Museen nur äußerst selten um ihre konzeptionellen Beiträge gebeten, bevor eine Ausstellung eröffnet wird.</p>
<p>Die dritte Festlegung ist ebenfalls aus der Nutzung der bisherigen Ausstellungen abgeleitet. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Text des Tagebuches. Es ist keine Ausstellung über den Holocaust, auch nicht über den Nationalsozialismus oder die Juden in der Zeit der Verfolgung. Diese Ausstellung bemüht sich darum, möglich eng am Text ihrer zentralen Quelle zu bleiben. Dies ist keine Entscheidung aus der historischen Studierstube, sondern sie folgt den Interessen der Nutzer. Die Schulklassen kommen aus verschiedenen Gründen in die Anne Frank- Ausstellungen: Der schlechteste Grund ist, dass eine Lehrkraft den Unterricht über den Holocaust durch den Ausstellungsbesuch ersetzen will. Der beste Grund für den Besuch einer Ausstellung über Anne Frank ist die Lektüre des Tagebuches. Alle anderen möglichen Gründe für den Besuch liegen irgendwo dazwischen.</p>
<p>Schließlich geht die Ausstellung nicht von der Biographie oder der chronologischen Geschichtserzählung aus, sondern vom Text des Tagebuches. Sie ist als erweiterter Kommentar zum Tagebuch zu verstehen. aus der Lektüre haben Wouter van der Sluis und ich drei einfache Fragen abgeleitet, die Anne Frank sich stellt: &#8220;Wer bin ich?&#8221; &#8220;Was geschieht mit mir?&#8221; und &#8220;Was ist mir wichtig?&#8221; Diese drei Fragen sind es, die Anne Frank in ihrem Tagebuch beschäftigten. Es ist kein Zufall, dass es drei Fragen sind, die den Kernbestand der Suche nach Identität und Sinn für alle Heranwachsenden umspannen. Sie lassen sich auch abstrakt als die Themen Identität, Geschichte und Zukunft identifizieren.</p>
<h4>3.1. Die räumliche Struktur der Ausstellung. Ein Rundgang</h4>
<h4>3.1.1. Das Tagebuch im Zentrum</h4>
<p>Der Ausstellungsraum ist durch vier große Wände geprägt, die jeweils einem Thema gewidmet sind. Diese Themen antworten immer auf eine der drei Leitfragen. Zu der Frage &#8220;Was ist mir wichtig?&#8221; gibt es einen besonderen Raum.</p>
<p>Das Tagebuch steht im Zentrum der Ausstellung. Das ist nicht nur metaphorisch oder konzeptionell zu verstehen. Der Text ist faktisch das Steuermedium der Ausstellung. In der Mitte des Raumes steht ein Pult, auf dem in einer Vitrine ein Faksimile des Tagebuches gezeigt wird. Dieses Faksimile ist Symbol des Reliktes, um das sich die Ikone &#8220;Anne Frank&#8221; entwickelt hat: Das karierte Poesiealbum, mit den eingeklebten Fotos und der Kinderschrift in niederländischer Sprache. Ebenso auffällig ist aber ein Bildschirm, auf dem eine Reprofotografie des gleichen Büchleins oder einzelner Seiten daraus zu sehen ist. Dieser Bildschirm erschließt die Ausstellung. Berührt man seine Oberfläche, so erscheint ein Auszug aus dem Tagebuch in deutscher Sprache. Man kann nun die Seiten virtuell umblättern und so verschiedene Textauszüge lesen, die nach den Themen der Ausstellung zusammengestellt sind. Berührt ein Besucher eine farbig unterlegte Textstelle auf dem Bildschirm, so löst er in der Ausstellung eine Vorführung aus.</p>
<p>í  Bild: Der Tisch mit dem Tagebuch im Zentrum</p>
<h4>3.1.2. Vorführungen</h4>
<p>Diese Vorführung hat die Aufgabe, die Besucher mit einem der Themen der Ausstellung vertraut zu machen. Von dem Tagebuch-Bildschirm aus sind durch das Berühren des Textes etwa 20 solche Vorführungen aktivierbar.</p>
<p>Eine Vorführung ist ein auf eine große Fläche projizierter Film, der mit Licht- und Toneffekten auf Elemente der Ausstellungswände hinweist. Die Vorführungen gehen immer von einer Textstelle im Tagebuch aus, die von einer Sprecherin gelesen wird, sie führen dann durch die Geschichte der Familie Frank oder die Weltsicht Annes hindurch zu einer historischen Information und enden mit kurzen Meinungsäußerungen von Jugendlichen von heute. Diese Meinungsäußerungen beziehen sich jeweils auf die Themenstellung des Zitats aus dem Tagebuch bzw. der Ausstellungswand.</p>
<p>í  Bild: Ausstellungswand mit laufender Vorführung</p>
<h4>3.1.3. Die Wände</h4>
<p>Jede Ausstellungswand hat eine wiederkehrende Gestaltung. Die Wände haben zwei Funktionen. Bis auf etwa zwei Meter Höhe sind interaktive Angebote untergebracht, also PC-Arbeitsstationen oder &#8220;Hands-on&#8221; Installationen. Oberhalb von zwei Metern gibt es Großbilder und jeweils eine Projektionsfläche. Die Konstruktion dieser hohen Wände aus sichtbaren Eisenträgern soll zugleich die Konstruiertheit von Geschichte visualisieren. Vor diese Wände ist jeweils ein begehbares Bühnenbild gestellt, das die private Sphäre der Untertaucher symbolisiert. Es trägt zugleich die Informationen über die Familie Frank und das Schicksal der acht Untergetauchten.</p>
<p>Für die Präsentation in Frankfurt wurden auf der Rückseite der Wand zum Thema Identität regionalgeschichtliche Informationen zur Geschichte der Familie Frank in Frankfurt am Main hinzugefügt.</p>
<p>í  Bild: Die Ausstellungswand zum Thema &#8220;Krieg&#8221; oder &#8220;Wer bin ich?&#8221;</p>
<h4>3.1.4. Die drei Fragen</h4>
<h4>3.1.4.1. Wer bin ich?</h4>
<p>In dieser Abteilung, die eine der vier Wände des Hauptraumes füllt, beschäftigt sich die Ausstellung mit Fragen der Herkunft, der Heimat, der Zugehörigkeit.</p>
<p>Am Beispiel der Zugehörigkeit zur deutschen Nation wird die problematische Spannung zwischen den möglichen Entwürfen von nationaler Gemeinschaft &#8211; entweder als freier Gemeinschaft gleicher Bürger oder als völkischer Gemeinschaft gleicher Abstammung &#8211; gezeigt. Das Beispiel der deutsch-jüdischen Familie Frank macht diese Spannung als persönliches Schicksal erkennbar. Einer unbedachten Identifikation mit einer &#8220;nationalen Identität&#8221; soll die Schwierigkeit entgegengestellt werden, sich zugehörig zu fühlen.</p>
<p>Das Beispiel der Geschichte der jüdischen Minderheit in Deutschland macht deutlich, wie wenig für den einzelnen Menschen durch die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit zunächst festgelegt sein muss. Zugleich wird deutlich, wie stark sich die Zugehörigkeit zu einer Minderheit auf die persönliche Entwicklung auswirkt. Die Trennung zwischen der Wahrnehmung der minoritären Gruppe aus ihrer eigenen Sicht und derjenigen aus der Sicht der Mehrheit ist ein weiteres Lernfeld, das hier eröffnet wird.</p>
<p>Das Schicksal, Mitglied einer verfolgten Minderheit zu sein, gehört zu den bestimmenden Anteilen der Persönlichkeit von Anne Frank. Für die politische Bildung in unserer Gesellschaft, die heute von Einwanderung mit all den Mühen der Integration und der Toleranz geprägt ist, bietet diese Geschichte Material für die Arbeit an Problemen, die im eigenen Alltag bestehen, aber oft nicht formuliert werden. Das historische Schicksal, das weit entfernt und zugleich als persönliche Geschichte konkret und fassbar ist, lässt es zu, über die Erfahrungen mit Migration zu sprechen, die sonst oft verdeckt bleiben.</p>
<p>Diese Erfahrungen machen nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Einheimische. So war es auch in den Niederlanden der 1940er Jahre. Probleme mit den Fremden, mit der Sprache, mit den kulturellen Unterschieden verhandelt Anne Frank in ihrem Buch. Die Ausstellung versucht von diesen Berichten und Überlegungen ausgehend, Themen der Gegenwart zu eröffnen. Dabei geht es an dieser Stelle darum, das individuelle Ringen um einen eigenen Ort in der Gesellschaft zu zeigen.</p>
<p>í  Bild: Die Inszenierung der individuelle Sphäre der Familie Frank zum Thema &#8220;Wer bin ich&#8221;</p>
<h4>3.1.4.2. Was geschieht mit mir?</h4>
<p>Diese Frage wird in drei Ausstellungsabteilungen bzw. Wänden des Hauptraumes behandelt. Die Überlegungen zu den Ereignissen des Krieges und zu den Informationen über die Verfolgung der Juden haben einen großen Stellenwert in Anne Franks Aufzeichnungen. Daher sind dies die zentralen Themen für eine Ausstellung, die eine Unterstützung der Lektüre des Buches zum Ziel hat.</p>
<p>Es gibt aber auch weitergehende didaktische Überlegungen, die diese Schwerpunktsetzung begründen. sie sollen an den einzelnen Themen erläutert werden.</p>
<h4>3.1.4.2.1. Thema &#8220;Krieg&#8221;</h4>
<p>Mit den beiden Themen Krieg und Genozid sind Zugänge zu ethischen Grundfragen verbunden. Die Gedenkstättenpädagogik und die pädagogischen Konzepte zum Thema Holocaust haben bislang in aller Regel die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges kaum thematisiert. Auch die &#8220;Wehrmachtsausstellung&#8221; ist nicht durch ihr Konzept, sondern allein durch die politische Rezeption zu einer pädagogischen Veranstaltung geworden. Für &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; haben wir uns entschieden, den Bombenkrieg als eines der wichtigen Themen zu präsentieren. Diese Entscheidung fiel bereits vor der breiten Diskussion über die Erinnerung an den Bombenkrieg, die 2003 durch Jörg Friedrichs &#8220;Der Brand&#8221; angestoßen wurde. Es gab mehrere Motive dafür: Zunächst bringt die gründliche Lektüre des Tagebuches zu Tage, wie wichtig der jugendlichen Beobachterin Anne Frank in ihrem Versteck das Geschehen des Krieges war. Sie notiert Informationen über den Verlauf der Schlachten und über die beginnende Invasion in der Normandie. Aber sie reflektiert auch über die Ängste der Zivilbevölkerung unter den Bombardements. Die Untergetauchten selbst erleben Luftangriffe auf Amsterdam, ohne die Chance zu haben, in einem Bunker Zuflucht zu finden.</p>
<p>Das zweite Motiv geht auf die naheliegende Beobachtung zurück, dass junge Männer mit dem Tagebuch der Anne Frank häufig wenig anfangen können. Es ist ein Mädchentagebuch und behandelt in weiten Teilen Pubertätsprobleme von Mädchen. Die Jungen in den Besuchergruppen brauchen also einen starken Impuls, um zu einer Erkundung der Ausstellung motiviert zu werden. Ob es uns gefällt oder nicht, bringt der Krieg eine Reihe von Themen mit sich, die hier anschlussfähig sind: Technikgeschichte, die Erfahrung von Grenzsituationen, Strategie, aber vor allem die heute hoch aktuelle Frage nach der Legitimität des Krieges. Das ist denn auch unser drittes Motiv für diese Schwerpunktsetzung.</p>
<p>Die Frage nach der Möglichkeit eines legitimen Krieges ist der didaktische Horizont dieser Ausstellungsabteilung. Anne Frank formuliert zwei völlig entgegengesetzte moralische Positionen zum Krieg. Sie ist einmal radikal pazifistisch. Fast gleichzeitig erwartet sie voll Hoffnung die militärische Befreiung durch die Alliierten. Dieser Gegensatz ist das Thema der Ausstellungswand. Er steht auch hinter der Frage, die mit den Meinungsäußerungen von heutigen Jugendlichen in der entsprechenden Vorführung angesprochen wird: Kann es einen gerechten Krieg geben?</p>
<p>Die Ausstellung bietet in der inszenierten Privatwelt der Untertaucher die Informationsmedien als Reproduktionen an, die Anne Frank verwendet hat. Zu einer Textstelle aus dem Tagebuch finden sich also exakt die entsprechenden Zeitungen und Radiosendungen. Auf der Ebene der allgemeinen Geschichte werden darüber hinaus Informationen und Quellen zu den unterschiedlichen Perspektiven auf die Geschichte des Krieges angeboten. Bombardements werden in historischen Fotografien und Quellentexten aus der Sicht der Politiker, der Bomberpiloten und der Zivilisten vorgestellt. Diese drei Perspektiven werden jeweils aus alliierter und deutscher Sicht gezeigt. Materialien zur Kriegspropaganda beider Seiten kommen hinzu. Die vom zentralen Tagebuch-Interface ausgelösten Vorführungen bieten Einführungen in die Geschichte des Bombenkrieges, Informationen zum deutschen Angriffskrieg und nicht zuletzt die Meinungen der Jugendlichen aus Frankfurt am Main heute, die während des Irak- Krieges im Frühjahr 2003 sehr differenzierte Ansichten zu der Frage vortragen, ob es Gründe geben kann, einen Krieg zu beginnen.</p>
<p>í  Bild: Installation zur Visualisierung der unterschiedlichen Perspektiven auf den Bombenkrieg</p>
<h4>3.1.4.2.2. Thema &#8220;Holocaust&#8221;</h4>
<p>Der Zugang zum Thema Holocaust über die Aufzeichnungen der Verfolgten bringt hier eine sehr persönliche Ebene mit sich. Mit großem Mitgefühl beschreibt Anne Frank, wie immer mehr jüdische Menschen aus ihrer Umgebung verschleppt werden und wie die eigene Angst wächst.</p>
<p>Diese private und zugleich sehr weitsichtige Perspektive löst Mitgefühl aus. Dies allein kann aber nicht didaktisches Ziel der Ausstellung sein. Daher ist die Frage nach dem Verhalten der &#8220;ganz normalen Deutschen&#8221; das inhaltliche Zentrum dieser Abteilung. Die Besucher sollen hier in tradierten stereotypen Ansichten über die NS-Zeit verunsichert werden, indem alltägliche Situationen des Profitierens, des Wegsehens, aber auch der Hilfe vorgestellt werden. Die Unsicherheit der Tagebuchschreiberin darüber, wie es eigentlich möglich ist, dass ein Volk, das doch eine lange Geschichte der Gemeinsamkeit von Minderheit und Mehrheit hat, einen Völkermord begeht, ist der didaktische Ausgangspunkt dazu. Als Kommentar zu der Textstelle &#8220;Ein schönes Volk, die Deutschen, und da gehöre ich eigentlich auch noch dazu!&#8221; (Anne Frank, 9. Oktober 1942) wurde eine Reihe von Fragen entwickelt, die sich mit der Mehrheit der Deutschen und ihrem Verhältnis zur Verfolgung der Juden befassen. Zu jeder dieser Fragen gehört ein historisches Bild, ein kurzer Hörtext und ein Leseordner mit einem breiteren Quellenangebot.</p>
<p>Die historischen Hintergründe des Massenmordes sind auch über ein zweites Angebot erschließbar. In einer Arbeitsstation steht eine virtuelle Zeitleiste über die Geschichte des Holocaust mit dem Schwerpunkt Niederlande zur Verfügung. Diese Datenbank stammt aus der CD-ROM des Anne Frank Hauses, sie konnte leider nicht vollständig für die Bedürfnisse im Zusammenhang der Ausstellung angepasst werden.</p>
<p>Besonders in einigen Vorführungen stehen Erzählungen, die das Schicksal der Juden insgesamt und der Untergetauchten im Besonderen behandeln, im Mittelpunkt. Die Vorführungen mit ihrer engen Verbindung zum Relikt &#8220;Tagebuch&#8221; und zum Interface sprechen vor allem die affektive Ebene an. Inhaltlich beschäftigen sie sich mit der Geschichte der Untertaucher nach der Verhaftung, mit der antisemitischen NS-Politik in den Niederlanden und mit der NS-Rassenpolitik insgesamt.</p>
<p>Die aktuellen Meinungsbeiträge von Jugendlichen beschäftigen sich im Bezug auf das Thema Genozid mit der Frage, wie wir selbst auf die Präsentation solcher Verbrechen in den Medien reagieren: Schauen wir hin oder sehen wir weg? Welche Konsequenzen kann das Wissen über einen Genozid irgendwo in der Welt für uns selbst haben?</p>
<p>í  Bild: Installation zum Wissen der Deutschen über das Mordgeschehen</p>
<h4>3.1.4.2.3. Thema &#8220;Untertauchen&#8221;</h4>
<p>Die Situation im Versteck spielt für viele Leserinnen und Leser des Tagebuches eine besondere Rolle. Sie wird daher in dieser Abteilung besonders anschaulich vorgestellt. Ein virtuelles Modell des Hinterhauses, das bereits auf der CD-ROM &#8220;Ein Haus mit einer Geschichte&#8221; verwendet wird, dient diesem Zweck.</p>
<p>Die Unsicherheit der Untergetauchten war auch durch die Ambivalenz der niederländischen Gesellschaft zum Besatzungsregime geprägt. In Gestalt von zwei anonymen Figuren aus Blech, die durch Berührung Informationen zu verschiedenen Personen frei geben, wird das repräsentiert. Die Personen sind, dem Zufall folgend: Ein Nachbar des Hinterhauses, der die Existenz der Untergetauchten ahnte; ein niederländischer Polizist, der die Untergetauchten verhaftete; ein niederländischer Widerstandskämpfer, der zum Tode verurteilt wurde und der deutsche SS-Kommandant der Niederlande. Bei der Konzeption dieser Installation haben wir uns an der Frage nach den Verhaltensoptionen des Einzelnen angesichts der wachsenden antisemitischen Aktionen der deutschen Besatzer orientiert. Sie soll Nachfragen über die Motive der Menschen in den Niederlanden zwischen 1940 und 1944 auslösen, sich für den Widerstand, die Kollaboration oder das Abtauchen zu entscheiden. Diese Überlegungen leiten zu der aktuell relevanten Frage, welches die Hintergründe von Entscheidungen in moralischen Konfliktsituationen jeweils sind. Aus der Sicht der niederländischen Projektpartner bedeutet die Thematisierung der Kollaboration und des Alltags unter der deutschen Besatzung hier eine Öffnung für neue Themen. Aus der deutschen Sicht ist es gerade deshalb wichtig, den SS-Kommandanten Rauter vorzustellen, um die Verantwortlichkeiten nicht zu verschleiern.</p>
<p>Die symbolische Inszenierung der Privatsphäre des Hinterhauses erfolgt hier durch die Installation eines Regals, das einen Durchgang verdeckt &#8211; wie es auch in der Prinzengracht zu finden ist. In diesem Regal stehen Aktenordner, die weiterführendes Material zu den Untertauchern, ihren Helfern, den Rollen-Personen und zu weiteren Themen der Ausstellung enthalten.</p>
<p>í  Bild: Die anonymen Figuren zur Inszenierung der verschiedenen Haltungen gegenüber dem Mordgeschehen</p>
<h4>3.1.4.3. Was ist mir wichtig?</h4>
<p>Das Regal und der Durchgang in der Inszenierung zum Thema &#8220;Untertauchen&#8221; leiten in einen abgedunkelten Raum. Darin können Hörbilder zu drei Themen aktiviert werden, die Anne Frank besonders bewegten: Gewissen, Liebe und Schreiben.</p>
<p>Der Raum soll nicht zuletzt Anne Frank als Schriftstellerin zeigen. Einige der Dialoge aus dem Tagebuch wurden vorsichtig so redigiert, dass sie als kleine Hörspiele funktionieren. Um das Hören zu unterstützen sind zu jedem der drei Themen Schattenrisse mit den an den Gesprächen Beteiligten Hinterhausbewohnern auf einer Projektionsfläche zu sehen. So entsteht ein Raum der Konzentration auf den Text und des Nachsinnens über die alltäglichen Dinge, die Anne Frank &#8211; wie viele 14-Jährige &#8211; umtrieben.</p>
<p>Dieser Raum soll eine Ausnahme von der starken visuellen Dynamik der Ausstellung bilden. Er eignet sich nicht zur Rezeption von Wissen, sondern nimmt die emotionale Hinwendung zu Anne Frank auf, die viele jugendliche Leserinnen mitbringen.</p>
<p>í  Bild: Das Regal und der Durchgang zum Hörraum</p>
<h4>3.1.5. Besucherbuch und Besprechungsraum</h4>
<p>Ein eigener Raum ist den Reaktionen der Besucher gewidmet. Einerseits gibt es ein Kommunikationsangebot durch große metallene Pinwände und variable Sitzmöglichkeiten, andererseits steht ein elektronisches Besucherbuch bereit. Das Besucherbuch ist so konzipiert, dass Einträge (nach einer Auswahl durch die Pädagogen) auf einem Schriftband im Eingangsbereich der Ausstellung erscheinen. Das soll vor allem die Wertschätzung für die Gedanken der Nutzer betonen.</p>
<h4>3.2. Problem Gegenwart</h4>
<p>Die Konzeption des Gegenwartsbezuges ist in dieser Ausstellung ebenso innovativ, wie die technische Lösung des Verhältnisses von Text und Exponaten. Die Entwicklung der Haltung zum Verhältnis von Geschichte und Gegenwart war in der Planungsphase das Thema, das die meisten Kontroversen mit sich brachte. Das niederländische Verständnis einer pädagogischen Vermittlung der Geschichte des Holocaust lässt eine bei weitem unbefangenere Universalisierung der Geschichtserzählung zu. Die Debatten folgten oft den von Daniel Levi und Nathan Sznaider in ihren Analysen über die Entwicklung des Anne Frank- Mythos beschriebenen Linien. Dabei ist das Interessanteste an diesem Einigungsprozesses in unserem Projekt die Rollenverteilung. Die niederländische Seite votierte sehr vehement und mit der Macht der Institution für die Universalisierung, also für eine zukunftsbezogene Erzählung der Geschichte. Die deutsche Seite stellte neben die didaktischen Anforderungen an die Menschenrechtserziehung eine Arbeit an Geschichtsbildern und nicht zuletzt die Trauerarbeit, die mit der Auseinandersetzung mit dem Holocaust immer verbunden sein sollte.</p>
<p>Der erste Vorschlag war, generell die Texte von Anne Frank mit aktuellem Fernsehbildmaterial zu konfrontieren. Dadurch sollte die Grundlage für eine Diskussion in der Gruppe der Ausstellungsbesucher geschaffen werden. Diese Option wurde schließlich prinzipiell aufgegeben. Statt dessen wurden zu jedem der vier zentralen Themen (Identität, Holocaust, Krieg, Untertauchen) eine Reihe von kurzen Stellungnahmen von jungen Menschen aus Frankfurt am Main aufgezeichnet und zu einem Kurzfilm zusammengeschnitten. Diese Stellungnahmen haben didaktisch mehrere Funktionen. Erstens: Sie sollen Gegenwärtigkeit in die Ausstellung bringen, indem sie &#8211; ähnlich wie die jugendlichen Begleiter &#8211; eine Nähe zwischen den Besuchern und dem Thema symbolisieren. Es sind junge Menschen, die sich mit der Geschichte des Holocaust auseinandersetzen. Zweitens: Sie sollen möglichst kontroverse Positionen in die Gruppe der Besucher bringen, um eine Diskussion anzuregen. Drittens: Sie sollen die Frage nach Parallelen und Unterschieden zwischen heutigen Erfahrungen und der Geschichte Anne Franks auf die Tagesordnung bringen.</p>
<p>í  Bild: Jugendliche bei ihrer Stellungnahme</p>
<p>Diese Konzeption wurde in unserer Ausstellung nicht in allen Punkten konsequent umgesetzt. Die Kollegen vom Anne Frank Haus halten eine Präsentation von aktuellem Nachrichtenmaterial z.B. zum Irak-Krieg für geeigneter, eine Diskussion anzuregen. Hier gab es keine Einigung, aber es gibt inzwischen Erfahrungen. Die Kontroversen darüber, ob diese Filmausschnitte in dieser Ausstellung angemessen sind, findet bei vielen Besuchen statt. Es entstehen also &#8211; teilweise hitzige &#8211; Diskussionen. Nicht zuletzt auch die BegleiterInnen debattieren über diese Frage in ihrem Gesprächskreis. Wir werden weiter zu beobachten haben, ob diese Diskussionen pädagogisch sinnvoll sind.</p>
<p>í  Bild: Vorführung mit Bilder aus dem Irak-Krieg</p>
<h3>4. Konzeption der pädagogischen Arbeit mit der Ausstellung</h3>
<h4>4.1 Begleitungskonzept und Ausstellungsdidaktik</h4>
<p>Wie in der Wanderausstellung &#8220;Anne Frank. Eine Geschichte für heute&#8221; werden Jugendliche von Jugendlichen durch die Ausstellung begleitet. Im Gegensatz zur Wanderausstellung arbeitet die Gruppe der Begleiterinnen aber über einen deutlich längeren Zeitraum mit der Ausstellung. Der pädagogisch wesentliche Vorteil dieses Begleitungskonzeptes liegt in der altersmäßigen Nähe der Begleiterinnen zu den Besuchern. Dadurch kann Distanz zum Thema der Ausstellung abgebaut werden: Die Geschichte verliert etwas von ihrer historischen und damit auch lebensgeschichtlichen Ferne. Moralische Forderungen, die &#8211; tatsächlich oder vermeintlich &#8211; von Erwachsenen mit dem Thema verknüpft werden, sind dadurch weniger mächtig. Auch für die Rückmeldung aus den Ausstellungsbesuchen stellen die jugendlichen Begleiterinnen ein wertvolles Verbindungsglied zur Konzeptionsebene des Gesamtprojektes dar: Da die Begleiterinnen selbst Amateurinnen sind, ist die Vermittlung von historischen und aktuellen Fragen eher den Interessen, Fähigkeiten und dem Wissen der Besucher angepasst und bietet somit Aufschluss zum Verstehens- und Wahrnehmungshorizont der Zielgruppe.</p>
<p>Die didaktische Mechanik von &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; soll diesem pädagogischen Konzept zuarbeiten. Da die jugendlichen Begleiter oft keine Fachleute sind (und sein sollen), brauchen sie ein zuverlässiges &#8220;Geländer&#8221;, um bei ihrer Arbeit nicht ins Dozieren zu kommen oder unsicher zu werden. Dieses &#8220;Geländer&#8221; bietet die Ausstellung durch die insgesamt geplante Choreografie des Besuches. Der Ablauf ist durch die Anlage des Raumes und das Verhältnis zwischen Interface, Vorführungen und Explorationsangeboten weitgehend vorgegeben. Dabei können die Begleiter aber zwischen verschiedenen Schwerpunkten wählen. In jedem Fall ist die Phase des Besuches, in der die Gruppe arbeitsteilig forscht, der Kern des Besuches. In dieser Phase ist die Begleitung auf die Rolle der Beratung festgelegt.</p>
<p>í  Bild: Gruppe in der Ausstellung</p>
<h4>4.2. Die Gruppe der Begleiterinnen</h4>
<p>Die Gruppe der Begleiterinnen kommt in regelmäßigen Abständen zu Arbeitstreffen zusammen. Gemeinsam mit einer betreuenden Mitarbeiterin der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank werden nicht nur die Erfahrungen der Begleitungen ausgetauscht, sondern auch inhaltliche Auseinandersetzungen geführt. Die Fortbildung der Begleiterinnen und das Training in pädagogischen Arbeitsformen gehören ebenfalls zu den Aufgaben der für die Ausstellung zuständigen Mitarbeiterin.</p>
<h4>4.3. Vor- und Nachbereitung und Website</h4>
<p>Zu der Frankfurter Ausstellung ist im Dezember 2003 eine eigene Website online gegangen: www.ein-maedchen-aus-deutschland.de. Diese im Internet interaktive Seite soll nicht nur eine Einführung in die Ausstellung bieten. Sie soll möglichst bald zu einem Arbeitsinstrument ausgebaut werden, das sich zur Planung der Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuches eignet. Dazu werden neben den in vereinfachter Form präsentierten Elementen der Ausstellung auch Arbeitsvorschläge und Vertiefungsmaterialien gehören, die bei den Begleitungen in der Ausstellung zum Einsatz kommen.</p>
<p>í  Bild: Screenschot von der Website www.ein-maedchen-aus-deutschland.de</p>
<p>Im Rahmen des Begleitungskonzeptes sollen auch Vorbereitungsstunden angeboten werden, bei denen die Begleiter bereits vor dem Ausstellungsbesuch in die Schule gehen, um Kontakt zu der Gruppe aufzunehmen und erste Eindrücke von den besonderen Lernformen zu vermitteln, mit denen die Besucher zu rechnen haben. Dazu gehört auch eine vorbereitende Klärung der Rolle der Lehrkraft im Verhältnis zu den Begleitern. Vor allem sollen die thematischen Schwerpunkte des Besuches mit der Gruppe gemeinsam definiert werden.</p>
<p>Ohne diese Vorklärung kann ein Teil des Ausstellungskonzeptes nicht zum tragen kommen, nämlich die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen, also die Eindrücke der Lektüre des Tagebuches in Anfragen an eine vertiefende Beschäftigung mit der Welt der Anne Frank umzusetzen.</p>
<p>Die minimale Variante dieser Vorklärung wird ein auf der Website abrufbarer Anmeldebogen sein, der einige thematische und methodische Grundinformationen vermittelt und abfragt. Er wird die Grundlage einer Kontaktaufnahme der Begleiter bei der Lehrkraft sein. Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass auch bei unserer Ausstellung die Gefahr groß ist, dass standardisierte Begleitungen ablaufen, die nicht auf die Besonderheiten der einzelnen Besuchergruppe eingehen und die vielfältigen thematischen und methodischen Möglichkeiten der Ausstellung ungenutzt lassen. Diese Form des Einschleifens von festgelegten Arbeitsformen soll so weit als möglich vermieden werden.</p>
<h3>5. Erste Erfahrungen mit &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221;</h3>
<p>In den ersten Monaten haben täglich 1 bis 2 Gruppen und eine große Zahl von Einzelbesuchern die Ausstellung genutzt. Die Erfahrungen dabei haben im Wesentlichen die konzeptionellen Entscheidungen bestätigt. Der Einstieg durch eine vom Text des Tagebuches ausgehende &#8220;Show&#8221;, die alle wesentlichen Themen anreißt, motiviert die Besucher für die anschließende Erkundung der Details. Erst die Unterbrechung dieser Tätigkeit mit dem Ziel einer Auswertung führt regelmäßig zu einem Einbruch der Motivation. Die schulische Form des Lernens ist anscheinend in der didaktischen Konstruktion der Ausstellung tatsächlich vermieden worden. Allerdings sind die Aneignungsformen der Besucher und die methodischen Werkzeuge, die Begleitern bei ihrer pädagogischen Arbeit zur Verfügung stehen, am Ende dann doch dem schulischen Unterricht oft sehr nahe.</p>
<p>Ich halte es für realistisch, wenn wir die Motivation der Besucher in unserer Ausstellung eher auf die &#8220;Mechanik&#8221; als auf den Inhalt zurückführen. In vielen Fällen gelingt es trotz der methodischen Probleme, diese Chance für die inhaltliche Arbeit zu nutzen. Wie diese Abläufe im Detail zu verstehen sind und was wir daraus lernen können, werden wir in der nächsten Zeit erforschen.</p>
<p>Wenn wir die Eintragungen im Besucherbuch ernst nehmen, müssen wir uns jedenfalls über die Wirkung auf die jugendlichen Besucher keine Sorgen machen. Besonders erfreulich sind natürlich diejenigen, die sich in ihrer Erwartung, in &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; belehrt und mit dem Zeigefinger auf die richtige Haltung hingewiesen zu werden, enttäuscht sehen &#8211; und die deshalb versprechen, die Ausstellung weiterzuempfehlen.</p>
<h3>6. Produktion</h3>
<p>Die Konzeption und die Realisierung von &#8220;Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland&#8221; war bislang ein konfliktreicher Arbeitsprozess, der hoffentlich auch bei den noch ausstehenden Produkten so erfolgreich verlaufen wird wie bei der Pilotversion der Ausstellung in Frankfurt am Main. Bisher haben mitgewirkt:</p>
<ul>
<li>Anne Frank Stichting, Amsterdam</li>
<li>Anne Frank Zentrum, Berlin</li>
<li>Jugendbegegnungsstätte Anne Frank, Frankfurt am Main</li>
<li>Inhaltliche und didaktische Konzeption: Wouter van der Sluis, Gottfried Kößler</li>
<li>Ausstellungskonzeption und Gestaltung: Unit-E, Karlsruhe</li>
<li>Audiovisuelle Gestaltung: Gerrit Netten</li>
<li>Medientechnik: Vidco Communications</li>
<li>Ausstellungsproduktion und Aufbau: AMF &#8211; Theaterbauten</li>
<li>Wissenschaftliche Begleitung: Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main</li>
<li>Konzeption der Begleitung: Janina Hertel und Deborah Krieg.</li>
</ul>
<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1ef3546ee8894d0095f025e6226d3432" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>De memorias y olvidos. Las polí­ticas del pasado y las dificultades de la memoria</title>
		<link>http://www.menschenrechte.org/lang/de/lateinamerika/de-memorias-y-olvidos</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Jan 2003 10:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Frank]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>por Rainer Huhle</strong>

Mientras todo el mundo celebraba, de una manera u otra, el ya olvidado “milenio“, los profesores Klaus Ahlheim y Bardo Heger, de la universidad de Essen, realizaron una encuesta entre 2000 estudiantes universitarios en Alemania acerca de sus opiniones sobre el pasado nacionalsocialista. Los resultados de este estudio (El pasado incómodo. El pasado del nacionalsocialismo, el Holocausto y las dificultades de la memoria) hablan de una opinión bastante generalizada entre los jóvenes de que es hora de poner un término a esos asuntos del pasado, un “punto final“ que permita volver a una cierta „normalidad“. En los tiempos del nuevo hedonismo y en la „sociedad de entretenimiento“, ese pasado resulta simplemente cansador e incómodo. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>por Rainer Huhle</strong></p>
<p>Klaus Ahlheim/Bardo Heger: Die unbequeme Vergangenheit. NS-Vergangenheit, Holocaust und die Schwierigkeiten des Erinnerns <strong>(El pasado incómodo. El pasado del nacional-socialismo, el Holocausto y las dificultades de la memoria)</strong>, Schwalbach: Wochenschau Verlag 2002, 158 págs.</p>
<p>Norbert Frei (ed.): Karrieren im Zwielicht. Hitlers Erben nach 1945 <strong>(Carreras entre dos luces. Los herederos de Hitler después de 1945)</strong>, Frankfurt: Campus 2001, 364 págs.</p>
<p>Habbo Knoch: Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur<strong> (El acto como imagen. Fotografí­as del Holocausto en la cultura de la memoria en Alemania)</strong>, Hamburg: Hamburger Edition 2002, 1120 págs.</p>
<p>Michael Wildt: Generation der Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes <strong>(La generación de los incondicionales. El cuerpo de élite de la Central de Seguridad del Reich)</strong>, Hamburg: Hamburger Edition 2002, 964 págs.</p>
<p>Hamburger Institut für Sozialforschung: Die Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskriegs <strong>(Los crí­menes de las Fuerzas Armadas. Dimensiones de la guerra de exterminio),</strong> Hamburg: Hamburger Edition 2001, 749 págs. en formato grande</p>
<p>James E. Young: Nach-Bilder des Holocaust in zeitgenössischer Kunst und Architektur <strong>(Imágenes posteriores o réplicas del Holocausto en el arte y la arquitectura contemporáneos)</strong>, Hamburg: Hamburger Edition 2002, 291 págs.</p>
<p>Yasmin Doosry: „Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen&#8230;“. Studien zum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg<strong> (Estudios sobre el lugar de las reuniones del partido nazi en Nuremberg)</strong>, Tübingen-Berlin: Wasmuth Verlag 2002, 574 págs.</p>
<p>Jean-Michel Chaumont: Die Konkurrenz der Opfer. Genozid, Identität und Anerkennung <strong>(La competencia de las ví­ctimas. Genocidio, identidad y reconocimiento)</strong>, Lüneburg zu Klampen Verlag 2001, 359 págs.</p>
<p>Henry Rousso: The Haunting Past. History, Memory, and Justice in Contemporary France, Philadelphia: University of Pennsylvania 2002, 96 págs.</p>
<p>Mientras todo el mundo celebraba, de una manera u otra, el ya olvidado “milenio“, los profesores Klaus Ahlheim y Bardo Heger, de la universidad de Essen, realizaron una encuesta entre 2000 estudiantes universitarios en Alemania acerca de sus opiniones sobre el pasado nacionalsocialista. Los resultados de este estudio (El pasado incómodo. El pasado del nacionalsocialismo, el Holocausto y las dificultades de la memoria) hablan de una opinión bastante generalizada entre los jóvenes de que es hora de poner un término a esos asuntos del pasado, un “punto final“ que permita volver a una cierta „normalidad“. En los tiempos del nuevo hedonismo y en la „sociedad de entretenimiento“, ese pasado resulta simplemente cansador e incómodo.</p>
<p>Por otro lado, en el ámbito cientí­fico no cesa la serie de publicaciones que, más de medio siglo después de los hechos, aportan nuevos conocimientos sobre la máquina de poder del nacional-socialismo, y, lo que tal vez sea más importante, sobre las huellas que esta época de tan sólo doce años de sangrienta dictadura dejó en la historia y la memoria colectiva de Alemania.</p>
<p>El tema sigue también presente en los medios: en sólo tres meses se estrenaron cuatro pelí­culas alemanas que abordan de diversas maneras el pasado nazi y sus secuelas. A quienes trabajamos en el ámbito de la educación en derechos humanos con diferentes generaciones no nos sorprende la co-existencia de sentimientos y mentalidades encontrados frente al difí­cil desafí­o de enfrentar la memoria de este terrible pasado. De alguna manera, todos estamos desgarrados entre un deseo de olvidar- o mejor dicho, de no recordar más esta época- y la conciencia de que es necesario saberlo todo, entender mejor cómo pudo suceder la barbarie para así­ comprender mejor el presente.</p>
<p>Cincuenta y siete años después del fin de la segunda guerra mundial, los recuerdos y memorias de la época nazi son, para la gran mayorí­a de los alemanes y europeos, memorias de segunda o tercera mano. Es notable que este hecho, si bien complica bastante las visiones que la sociedad en su conjunto tiene de esa época, no le ha quitado nada de la importancia que el pasado sigue teniendo. La memoria de la época nazi ya no es solamente eso. La recibimos y percibimos hoy en el contexto de la recepción y percepción del pasado que ya tiene su propia historia e historiografí­a.</p>
<p>Esta distancia nos permite una mirada también sobre la funcionalidad, los usos y abusos de los discursos sobre el pasado en la historia de la Alemania posnazi. Jóvenes historiadores pueden hoy aplicar los instrumentos de la ciencia a la espinosa “polí­tica del pasado“ – este es el tí­tulo de un libro (1996) de Norbert Frei sobre los comienzos de la República Federal Alemana y su insuficiente distanciamiento del pasado – sin encontrarse marginados o involucrados en polémicas acérrimas por opiniones hegemónicas que representaban, en no pocos casos, los intereses de una élite intelectual que habí­a asegurado la continuidad de sus carreras y funciones en la Alemania de posguerra.</p>
<p>Si la continuación de las élites nacional-ssocialistas en el poder ha sido uno de los temas más trabajados de la “posthistoria nazi“ en Alemania, la impresionante tesis de doctorado del joven historiador Habbo Knoch: “El acto como imagen. Fotografí­as del Holocausto en la cultura de la memoria en Alemania“ es, a nuestro saber, la primera monografí­a sistemática sobre la recepción del nacional-socialismo en Alemania, desde los comienzos de la República Federal de Alemania (RFA) hasta los años sesenta. Este trabajo se centra así­ en esas dos décadas (1949 &#8211; 1968) caracterizadas por la restauración y el silenciamiento – con notables excepciones, por supuesto – hasta que en la segunda mitad de los sesenta la primera “generación de los hijos“ pusiera el pasado de sus padres en la mesa del debate público, con métodos a veces provocativos y hasta violentos, pero con el resultado de que este tema nunca más desapareciera de la memoria colectiva. Si bien el enfoque primario de Knoch son las imágenes – fotografí­as principalmente – que determinaron la recepción del Holocausto y del régimen nazi, el libro contextualiza el uso de esas imágenes también en los discursos polí­ticos hegemónicos de las distintas épocas, logrando así­ una historia bastante completa de la “cultura de la memoria“ de esas décadas fundacionales de la nueva república alemana.</p>
<p>Knoch identifica en su análisis distintas estrategias consecutivas de adopción de fragmentos e imágenes del pasado para integrarlas en presentaciones de lo “mostrable“- que siempre corresponde también a lo “decible“- en determinado momento histórico. La yuxta-posición, en los medios, de imágenes de muertos de las ví­ctimas del holocausto y de la población civil en Alemania a causa de la guerra, insinuando así­ la equivalencia de los dolores de ambos grupos -, la separación de pequeños grupos de culpables &#8211; como la SS &#8211; del resto del aparato nazi, especialmente del Ejército (Wehrmacht) y de la población en general, o la sublimación de la barbarie nazi en concepto ontológico del mal en la historia y la naturaleza del hombre constituyen sólo algunas de las estrategias defensivas que permitieron obscurecer una importante parte de la verdad histórica.</p>
<p>En la historiografí­a académica de la Alemania de los “˜50s el Holocausto todaví­a no “existí­a“. Pese a la abundancia de fuentes a disposición &#8211; las actas de los Juicios de Nuremberg, por ejemplo &#8211; fueron historiadores ajenos a las universidades y autores no alemanes quienes finalmente pusieron el tema en la agenda. Para muchos alemanes la pelí­cula “Noche y Niebla“ del francés Alain Resnais era, doce años después del fin del Tercer Reich, la primera y chocante confrontación con los crí­menes nazis y sus imágenes les resultaron terrorí­ficas. El Diario de Anne Frank tuvo un impacto similar en el campo de la literatura.</p>
<p>Una vez visibles, las imágenes ya no eran ocultables. Entraron a los libros de texto, a las revistas y publicaciones masivas. Comenzó entonces un largo, todaví­a inconcluso perí­odo de relativización de las imágenes y los hechos. Iniciativas serias de admitir y reflexionar compartí­an el espacio público con intentos de seguir relativizando y banalizando lo sucedido. Para quien ha vivido como joven esos años, es tan ilustrativo como deprimente tener documentada ahora, a través del estudio minucioso de Knoch, la historia de las hipocresí­as y cobardí­as frente a los hechos de un pasado en esa época nada lejano.</p>
<p>Hay, sin embargo, otros intentos de interpretación de esos años, como el del filósofo Hermann Lübbe, quien en 1983 escribió que “ese cierto silencio“ era un momento necesario para que el pueblo alemán se transformara en la ciudadaní­a de un estado democrático. El “cierto silencio“ permití­a, sin embargo, que gran parte de las élites de la época nacionalsocialista, incluso aquellos que habí­an sido condenados en los juicios de Nuremberg y que no habí­an quedado “limpios“ tras los resultados del primer esfuerzo de “desnazificación“[1] puesto en marcha por la administración militar de los aliados después de 1945, regresara a puestos de mando del nuevo estado democrático. Los autores de la colección de ensayos “Carreras entre dos luces“ describen esas carreras profesionales turbias, más destacadas en los sectores más importantes que corresponden en buena parte (vaya sorpresa!) a los grupos colectivos que estaban en el banquillo de los doce procesos contra grupos especí­ficos de perpetradores que las autoridades norteamericanas llevaron a cabo en Nuremberg después del Tribunal Militar Internacional (TMI) los, jueces y juristas, empresarios, militares&#8230;</p>
<p>Pasado el breve momento de la “desnazificación“ y de los juicios de los primeros años, reemplazado el interés del gobierno americano en la persecución de los criminales por el de la recuperación de sus conocimientos útiles para la guerra frí­a, pasado también el choque de la destrucción de Alemania por la guerra, la reintegración de esas élites participantes en los crí­menes nazis se dio a un paso impresionante. Mientras se especulaba en el mundo sobre el paradero del infame doctor Mengele, sus más estrechos colaboradores volvieron a puestos destacados en la academia; de la misma manera volvieron, apoyándose en las nuevas leyes de la joven República Federal de Alemania, los terribles juristas a sus puestos en la nueva administración: en la RFA ni un sólo juez nazi fue condenado por sus sentencias criminales.</p>
<p>En el mundo de las grandes empresas, señalados pocos años antes como un apoyo decisivo en la máquina de guerra y de aniquilación del régimen, los ex-nazis encontraron un lugar privilegiado de “reintegración“. Mientras ellos ocupaban muchos puestos clave, un hombre como Berthold Beitz tuvo prácticamente que silenciar su rol de salvador de muchos judí­os durante la guerra para tener éxito en la empresa de la familia Krupp, cuyo representante máximo era uno de los acusados del TMI de Nuremberg.</p>
<p>Ese tipo de convivencias era sin duda muy caracterí­stico de la primera etapa de la RFA, con resultados a veces vergonzosos, a veces grotescos y casi inexplicables. Mientras que la denuncia habí­a sido una práctica muy difundida en el nazismo, y de hecho uno de los pilares del régimen de Hitler, después de la guerra muchos alemanes consideraron una especie de deber de honor el no “denunciar“ a los nazis y ex-nazis. Se extendieron miles y miles de “cartas de Persil“ (Persil es una marca muy conocida de detergente) incluso para gente sumamente comprometida con el antiguo régimen, por parte de personas democráticas y hasta pertencientes a la resistencia. Hubo casos de una verdadera conspiración de silencio, donde sólo décadas después se descubrió la verdadera identidad de un perpetrador, la cual sin embargo era conocida por personas – insospechables – de su entorno.[2]</p>
<p>La distancia histórica permite no solamente que se escriba una monografí­a minuciosa de uno de los aparatos más temidos y más terribles de la dictadura nazi, el “Reichssicherheitshauptamt“: Michael Wildt, “La generación de los incondicionales. El cuerpo de élite de la Central de Seguridad del Reich“, editado dentro del esfuerzo editorial incansable y meritorio del Instituto de Investigaciones Sociales de Hamburgo. También hace posible que hoy se incluya en la investigación la historia en la posguerra de estos funcionarios responsables de la ejecución premeditada, planificada y ejecutada, entre otras cosas, del exterminio de los judí­os. Como en ninguna otra institución del tercer Reich, en el “Reichssicherheitshauptamt“ se encontraban unos burócratas intelectuales que sabí­an aglutinar un fanatismo ideológico con una capacidad de planificación frí­a que llevara a Hannah Arendt a acuñar el famoso término de la “banalidad del mal“.</p>
<p>Michael Wildt, del mencionado Instituto de Hamburgo, traza con la precisión del historiador que dispone hoy de un máximo de fuentes, la historia de la institución y sus crí­menes, pero también de los hombres que la formaron. Si bien la mera información historiográfica nunca nos va a permitir a entender cabalmente cómo fue posible que personas educadas, aparentemente normales (banales) llegaran a cometer crí­menes hasta ese momento inconcebibles , es de suma importancia que por lo menos hoy conozcamos los mecanismos de funcionamiento, planificación y formación de esa institución y de su personal. Si resulta difí­cil entender cómo comenzó esta empresa macrocriminal, más difí­cil resulta entender cómo muchos de su funcionarios de segundo rango pudieran seguir en funciones parecidas, o en otras profesiones, con responsabilidades considerables en algunos casos, en la República Federal Alemana.</p>
<p>Si miramos las biografí­as, investigadas con esmero por Wildt, encontramos entre los ex-funcionarios del Reichssicherheitshauptamt a miembros de la “Oficina para la protección de la Constitución“ (uno de los servicios secretos de la RFA), a policí­as, jueces, funcionarios y asesores de gremios, empleados de la iglesia, abogados, comerciantes, publicistas, etc.</p>
<p>Un caso emblemático, contado por Wildt, es el de Hans Rößner, detenido por los aliados en mayo de 1945, preso hasta 1948 &#8211; con un breve interludio como testigo en el Tribunal Militar de Nuremberg, donde intentó minimizar el rol del Servicio de Seguridad nazi. Después de su liberación consiguió un puesto en una conocida editorial donde colaboró en la edición de textos sobre “pensadores y filósofos actuales“ a través de los cuales intentó “rescatar“ las ideas nacionalsocialistas en una forma menos evidente. En 1958 llegó al puesto de director de publicaciones de la reconocida editorial Piper y no tuvo reparos en publicar, durante años, las traducciones al alemán de una de las autoras más renombradas de la editorial: Hannah Arendt. Incluso trató de “redactar“ el texto de “Eichmann en Jerusalem“ “suavizando“ algunos párrafos, intento que fracasó ante la protesta de la autora. Hannah Arendt nunca supo quién era su director de publicaciones, y a éste le faltaba también en 1962 ese mí­nimo de pudor que tal vez le hubiera permitido, antes de 1945, salirse de la empresa criminal “Reichssicherheits-hauptamt“.</p>
<p>Quizás, más que la simple impunidad judicial, sean estas convivencias vergonzosas entre verdugos que se construí­an una nueva vida sobre la base de una mentira existencial, con las ví­ctimas o sus familias sobrevivientes, las que más nos afectan en retrospectiva. Como en los crí­menes anteriores, también en la construcción de la mentira posterior habí­a muchos cómplices que compartieron la verdad oculta. Produce vértigo el saber que uno vive en una sociedad que está construí­da, en medio de su institucionalidad y mentalidad mayormente democrática, sobre mentiras fundamentales que envenenan la base misma de las relaciones humanas.</p>
<p>Una de esas mentiras fundamentales, tal vez la más empedernida, es la relativa a la actitud “limpia“ del ejército alemán (Wehrmacht) durante la guerra, en agudo contraste con organizaciones criminales como la SS. Los conservadores de toda í­ndole, e incluso muchos de la izquierda democrática, se aferraron, desde la acusación contra los altos generales y admirales en el TMI hasta el proceso posterior que se hizo, también en Nuremberg, contra el comando supremo y otros altos mandos, a esa diferencia entre el comportamiento supuestamente profesional de uno de los pilares de la tradición alemana y las bandas armadas criminales creadas por el régimen de Hitler.</p>
<p>Los hallazgos de los tribunales militares simplemente no fueron tomados en cuenta, ni en la época en que en Alemania aún estaba prescripto el antimilitarismo en la constitución, ni mucho menos después del “rearmamiento“ y la integración del nuevo ejército alemán a la alianza de la OTAN. Si bien algunos historiadores especializados seguí­an presen-tando documentos que demostraron hasta qué grado las fuerzas armadas y la policí­a estaban comprometidas con las polí­ticas (y los hechos) del exterminio premeditado de millones de ví­ctimas, el mito del ejército limpio estaba todaví­a fuertemente enraizado en la conciencia pública cuando en 1995 el Hamburger Institut für Sozialforschung presentó una exposición y el correspondiente libro sobre “Guerra de exterminio. Crí­menes de las Fuerzas Armadas“. El tí­tulo ya indicaba el contenido &#8211; escandaloso para los tradicionalistas! &#8211; de la investigación realizada durante años por el Instituto: la guerra misma habí­a sido una guerra de exterminio, y el ejército habí­a cometido terribles crí­menes en esa guerra. Una conclusión que, vista la historia de manera racional, no dejaba de ser lógica. La exposición armó sin emabrgo un escándalo como no se habí­a visto en muchos años acerca de un tema del pasado alemán.</p>
<p>En cuatro años vieron la mencionada Exposición, en 33 ciudades de Alemania y Austria, más de 800.000 personas, conmovidas en su mayorí­a por lo visto, pese a la presentación sumamente sobria, sin ninguna clase de sensacionalismo. En todas las ciudades donde se presentaba la exposición, por otro lado, se organizaron también protestas de cí­rculos tradicionalistas – incluyendo el partido socialcristiano (CSU) &#8211; y, por supuesto, de los grupúsculos neonazis. El mensaje de la exposición fue cuestionado por los apologetas de la Wehrmacht, acusándolo de engaño, difamación y falsedad en la documentación.</p>
<p>Nunca en la historia de Alemania el trabajo de investigación de un grupo de historiadores fue sometido a un escrutinio tan meticuloso como éste. El director del Instituto, Jan-Philipp Reemtsma, optó por la convocatoria de una comisión independiente para evaluar el contenido de la exposición. Finalmente se pudo establecer, en base a documentos desconocidos anteriormente, que algunas pocas fotografí­as estaban atribuí­dos a situaciones erradas. Si bien a este tipo de pequeños errores no escapa ninguna investigación, y pese a que los mismos no alteraban en lo más mí­nimo el resultado de la investigación y el mensaje de la exposición, Reemtsma encargó a un nuevo equipo de historiadores que revisara escrupulosamente cada pieza de la exposición y, de paso, le otorgó un diseño nuevo.</p>
<p>Después de varios años de trabajo minucioso del nuevo equipo de historiadores la exposición comenzó a exhibirse nuevamente hace unos meses. Asimismo, el Instituto editó también un nuevo catálogo de 749 págs. en formato grande, ahora titulado “Los crí­menes de las Fuerzas Armadas. Dimensiones de la guerra de exterminio“. Frente a las polémicas desatadas, los pequeños errores encontrados y la reacción prudente del Instituto de Hamburgo toda la historia tuvo finalmente un “desenlace feliz“. La verdad sobre los crí­menes del Wehrmacht es ahora una verdad establecida que ni siquiera dentro del Ejército Federal de Alemania encuentra hoy una oposición articulada.</p>
<p>Cabe preguntarse, sin embargo: ¿qué habrí­a sucedido si la exposición hubiera sido preparada por un equipo con menos respaldo institucional y económico que el que prestó el Sr. Reemtsma? ¿y cómo es posible que una simple verdad histórica tenga que esperar exactamente medio siglo hasta que &#8211; la mayorí­a de &#8211; un pueblo la acepte?</p>
<p>¿Será que cincuenta años, que corresponden a tres generaciones, son necesarios para que el pasado sea aceptado, que las culpas de las generaciones anteriores sean asumidas, que el recuerdo y la memoria obtengan un lugar público no indiscutido, pero al menos aceptado de una manera hegemónica?</p>
<p>Mientras se armaban las disputas – muchas veces violentas– alrededor de la exposición sobre los crí­menes de los victimarios de la Wehrmacht, se generó otra discusión sobre la manera adecuada de conmemorar a las ví­ctimas de los crí­menes del nazismo.</p>
<p>En varias ciudades alemanas existen monumen-tos a los diversos grupos de ví­ctimas del nacionalsocialismo. Con la mudanza del gobierno alemán de Bonn a Berlin, después de la unificación del paí­s en 1990, surgió la idea de que habí­a llegado finalmente el momento de que Alemania como nación recordara de alguna manera oficial a las ví­ctimas, especialmente a los judí­os que eran, de lejos, el grupo más numeroso. No podemos extendernos aquí­ sobre las discusiones, debates y polémicas que se encendieron alrededor de las propuestas. El profesor James E. Young de la Universidad de Amherst (EE.UU.) acaba de presentar, también en la editorial del Instituto de Investigación Social de Hamburgo, un libro que no sólo refleja estos debates sino también las profundas dificultades que presenta la intención – en principio buena – de conmemorar el Holocausto cuando esta es llevadoa a niveles polí­ticos donde, inevitablemente, también se hace polí­tica de la memoria.</p>
<p>Todaví­a no existe el memorial alemán del Holocausto, pero la decisión se tomado a favor de una obra monumental en pleno centro de la nueva capital, al lado del parlamento y otros edificios centrales de la República.</p>
<p>Young describe en el capí­tulo de su libro dedicado a este debate, entre otras cosas, su propia “conversión“ de ser un adversario del monumento a apoyar el modelo ahora en proceso de realización.</p>
<p>Otro capí­tulo del libro presenta la historia de otro monumento de importancia, realizado también en años recientes en Berlin, el Museo de historia judí­a. El mismo posee ahora una colección impresionante de todas las épocas de la larga y rica historia de los judí­os en Alemania. Recupera, de manera trágica, el vací­o que dejó el Holocausto – representado a través de “vací­os“ en la arquitectura del edificio, y retoma la historia del primer museo judí­o que la misma comunidad judí­a habí­a construí­do en los últimos años antes de la llegada al poder de Hitler. La arquitectura moderna y desafiante que Daniel Libeskind diseñó para este nuevo museo fue tan impresionante que el edificio fue visitado por miles y miles de personas antes de que albergara una sola pieza de exposición. No pocos piensan que en su estado vací­o era un reflejo más impactante y adecuado de la historia de los judí­os en Alemania que la enorme y rica exposición que actualmente está a disposición de los visitantes.</p>
<p>Aunque estos son los temas más relevantes en el contexto de nuestro artí­culo, no queremos dejar de recordarar que el libro de Young tiene otros capí­tulos interesantes que discuten diferentes intentos artí­sticos de conformar una memoria del Holocausto, entre ellos un estudio profundo del famoso comic “Maus“ de Art Spiegelmann.</p>
<p>El autor de estas lí­neas trabaja, entre otras cosas, en proyectos de educación en derechos humanos en un sitio especial: el nuevo museo instalado en noviembre del 2001 en uno de los edificios monumentales que dejaron los arquitectos de Hitler en las afueras de Nuremberg, donde el partido nazi celebraba durante los años treinta sus rituales anuales llamados “Dí­as del partido del Reich“.</p>
<p>La decisión de construir este museo fue otra de aquellas que, al parecer, necesitaban medio siglo para ser tomadas. “Hacer memoria“ en un lugar que funcionó como espacio de propaganda nazi es, obviamente, distinto que conmemorar y honrar a las ví­ctimas. No se puede tratar simplemente de conservar un lugar como los edificios monumentales de la propaganda nazi. La solución que encontró el arquitecto parece convincente: construyó, como eje central del museo, una saeta que atraviesa con materiales transparentes y elegantes el monumentalismo pesado de toneladas de piedra.</p>
<p>El atractivo del nuevo lugar hizo también que se desempolvaran del casi olvido al mercado editorial investi-gaciones históricas escritas hace tiempo, como el trabajo de Yasmin Doosry: “Estudios sobre el sitio de las reuniones del partido nazi en Nuremberg“ que ahora disfrutan de un interés reactualizado. En el mismo, la historiadora del arte describe minuciosamente la planificación, el diseño y la puesta en marcha de la construcción de algunos de los monumentos del sitio, dándonos una idea de la complejidad y el gigantismo de esas obras que finalmente, quedaron sin acabar por esas mismas caracterí­sticas, incompatibles con las exigencias de la guerra, pese a la mano de obra forzada que se usaba.</p>
<p>Hablar de derechos humanos en un sitio como éste, conocido como eje de la propaganda nazi &#8211; p.e. en las pelí­culas de Leni Riefenstahl &#8211; significa contrarrestar la barbarie nazi, la negación absoluta de los derechos humanos, con su afirmación enfática como buscaron hacerlo, pocos meses después del Tribunal de Nuremberg, los redactores de la Declaración Universal de Derechos Humanos. Pero significa también relacionar el pasado nazi con los retos del presente, mucho más cuando el público que visita el lugar y con el que trabajamos, son mayormente jóvenes para quienes el nacionalsocialismo parece cosa de un pasado remoto y cuya información sobre esa época es cada vez más indirecta.</p>
<p>Más de medio siglo después se nota un interés renovado de investigadores y también de la opinión pública en esta época. Pero en la medida en que el carácter criminal del régimen nazi ya no es cuestionado, con excepción de algunos nazis y neo nazis recalcitrantes, el nacionalsocialismo ya no es percibido como algo singular, como irrupción casi extraterrestre en la historia de la humanidad como lo sentimos en las primeras décadas de la posguerra.</p>
<p>Quienes han visto los genocidios de Ruanda en los medios de comunicación, quienes son testigos de la contienda sangrienta entre israelí­es y palestinos, quienes viven con el temor de una guerra nuclear o la catástrofe del clima mundial en el horizonte, para estos jóvenes la percepción del mundo es necesariamente otra. ¿La aceptación de esa percepción diferente de las nuevas generaciones significarí­a traicionar a las ví­ctimas del Holocausto?</p>
<p>Comparar los campos de concentración nazis con el Gulag, como lo hicieron los autores del “Libro Negro del Comunismo“ en Francia, o colocar el Holocausto en la serie de genocidios que produjo el siglo veinte significa relativizar y quitarle significado al sufrimiento de las ví­ctimas y sobrevivientes? Estas son algunas de las cuestiones que surgen cuando se admite la pregunta acerca de la actualidad del pasado, y son preguntas difí­ciles que requieren mucho cuidado en las respuestas que uno quisiera dar. Entre los muchos libros y artí­culos que se publicaron sobre estos temas, el de Jean-Michel Chaumont: „La competencia de las ví­ctimas. Genocidio, identidad y reconocimiento“ es de los más serios y respetuosos. El filósofo y sociólogo belga se inscribe decididamente en la escuela de los que abogan por el esfuerzo de comparar, es decir, de ver los crí­menes nazis en su contexto. Al mismo tiempo deja muy claro que esto no significa ninguna relativización del carácter sumamente criminal de estos hechos. Comparte con autores como Finkielkraut o Novak la prevención ante el peligro de la instrumentalización del Holocausto, al definirlo como algo absoluto en la historia de la humanidad. Pero también insiste que los debates necesarios sobre la historia y su recuerdo no pueden ser llevados adelante en todas partes y por todos los grupos humanos de manera igual. Desde esta perspectiva, la memoria no puede ni debe ser universal en el sentido de que sea igual en todo el mundo globalizado.</p>
<p>Como humanos compartimos un destino común y la tarea común de defender los derechos humanos donde se violen. Pero como hijos o nietos de perpetradores o ví­ctimas en determinado pueblo o paí­s, como miembros de un grupo étnico, religioso, polí­tico o cultural, tenemos lazos y memorias comunes que nos unen y obligan más que a otros. La memoria, en esta perspectiva de Chaumont, no puede ser comprendida como un deber sino como una oportunidad. La oportunidad de sentir comunidad y asumirla, entre otras cosas a través de asumir nuestra historia.</p>
<p>Asumir nuestra historia significa también, asumirla en su totalidad. Este es un reto por ejemplo, en varios de los paí­ses ocupados durante la guerra mundial por las tropas nazis, y donde hubo resistencia, pero muchas veces también colaboración con los ocupantes por parte de seguidores ideológicos de los nazis o simplemente de oportunistas. Francia es uno de los paí­ses donde el pasado colaboracionista estuvo durante mucho tiempo reprimido en la</p>
<p>conciencia nacional. Cazar un Klaus Barbie no era lo mismo que llevar a juicio a los funcionarios franceses culpables de coadyuvar en la deportación de judí­os y otras ví­ctimas desde Francia a los campos de concentración alemanes.</p>
<p>Francia lleva a cabo actualmente también un debate profundo sobre el pasado y la manera adecuada de hacer memoria. El libro del historiador Henry Rousso: “The Haunting Past. History, Memory, and Justice in Contemporary France“ no es un estudio exhaustivo de los problemas aludidos en el tí­tulo. Pero aún en la entrevista fragmentaria que conforma el libro surgen muchas facetas importantes de la dificultad de la memoria cuando se vuelve objeto de las polí­ticas oficiales. Los resultados pueden ser a veces muy paradójicos, como cuando el presidente Chirac donó la documentación acumulada durante el gobierno de Vichy (la parte de Francia ocupada por Alemania) sobre la población judí­a, al Centre de documentation juive contemporaine, una entidad judí­a privada. Rousso reclama, con razón me parece, que esta aparente generosidad constituye otra manera de excluir de la historia oficial francesa los crí­menes del régimen de Vichy contra los judí­os, en lugar de incorporarlos finalmente a la historia oficial de Francia.</p>
<p>Rousso señala también la diferencia entre los conceptos de “memoria“ e “historia“. La memoria, insiste el autor, es el presente del pasado, pero no representa al pasado como tal. La memoria, podrí­amos agregar, es la ventana a través de la cual buscamos ver la historia y encontrarle significado para el presente. De ahí­ que el tí­tulo de nuestra revista sea “Memoria“.</p>
<p>[1] La “Entnazifisierung&#8221; (denazificación) fue un programa llevado a cabo por las autoridades militares principalmente americanas en la Alemania ocupada después de 1945. Se revisaron los curricula de todas las personas sospechosas de haber colaborado con el nazismo para separarlas de las funciones públicas. Además tení­a un componente de reeducación. El programa fue terminado pronto, por motivos prácticos, pero también porque los americanos perdieron el interés en la persecución de los culpables.</p>
<p>[2] En el número 7 de esta revista presentamos un caso extraordinario de este tipo, el del profesor Schwerdte/Schneider, un ex-SS que seguí­a después de la guerra trabajando como conocido profesor de literatura (Memoria, No. 7, 1995, pp. 2-3)<br />
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