Alle Beiträge dieses Autors

Gewalt gegen Frauen und die staatliche Verpflichtung zum Menschenrechtsschutz

9. Juni 2005 | Von

von Moira Fisher

Im Vergleich zu Männern werden Frauen viel häufiger Opfer von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen durch Privatpersonen, oft innerhalb der Familie. Häusliche Gewalt ist ein Verbrechen, das definitionsgemäß von Privatpersonen und nicht von staatlichen Funktionsträgern begangen wird. In letzter Zeit haben internationale und regionale Organisationen sowie die Regierungen vieler Länder auf das Problem der Gewalt gegen Frauen in seinen verschiedenen Formen, einschließlich häuslicher Gewalt, aufmerksam gemacht. Darüber hinaus wird Gewalt gegen Frauen seit der UN-Weltkonferenz für Menschenrechte im Jahre 1993 als eine Menschenrechtsverletzung anerkannt, die gegen das Recht auf menschenwürdige Behandlung verstößt.

Obwohl inzwischen weithin anerkannt ist, dass Gewalt gegen Frauen eine Menschenrechtsverletzung darstellt, ist noch unklar, inwieweit ein Staat verpflichtet ist, solche Gewalt zu verhindern. Das ursprüngliche Ziel des internationalen Menschenrechtsschutzes hebt darauf ab, das Individuum in erster Linie vor willkürlichen Eingriffen des Staates zu schützen. Nach dem Wortlaut verschiedener Menschenrechtskonventionen sowie der Spruchpraxis ihrer Überwachungsorgane sind Staaten jedoch verpflichtet, nicht nur Eingriffe zu unterlassen, sondern auch die Menschenrechte durch positive Maßnahmen zu schützen. […]



Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte: Die Interpretation ist nicht beliebig!

9. Dezember 2004 | Von

von Michael Krennerich und Priska Stamminger

Soziale Menschenrechte haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Nicht jedem ist freilich klar, was sich hinter diesen Rechten verbirgt. Der Beitrag führt in das Thema der sozialen Menschenrechte ein. Er gibt Antworten auf folgende Fragen: Wo sind die sozialen Menschenrechte niedergelegt? Um welche Art von Rechten handelt es sich? Welche Rechte umfassen die sozialen Menschenrechte im Einzelnen und wie lassen sich diese näher bestimmen? Autoren des Beitrages sind die beiden Politikwissenschaftler/innen Priska Stamminger und Michael Krennerich, die ehrenamtliche Mitarbeiter/innen des Nürnberger Menschenrechtszentrums sind. […]



Tagungsdokumentation zu sozialen Menschenrechten

9. November 2004 | Von

“Vom Stiefkind zum Hoffnungsträger: Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte in Politik und Recht”. So lautete der Titel einer Tagung in der Evangelischen Akademie Hofgeismar, an deren Durchführung sich das Nürnberger Menschenrechtszentrum – im Rahmen der AG Entwicklung und Menschenrechte des Forums Menschenrechte – aktiv beteiligte. Die Tagungsdokumentation ist nun online verfügbar. […]



Menschenrechtsbildung als historisch-politische Bildung – Praxisreflexionen aus der Menschenrechtsarbeit

17. September 2004 | Von

von Otto Böhm

Zu den Verpflichtungen, die der nationalen Politik aus internationalen Verträgen und besonders der deutschen aus der Selbstverpflichtung zur Menschenrechtspolitik als Querschnittsaufgabe erwachsen, gehört auch die Förderung der Menschenrechtsbildung. In der außerschulischen Bildungsarbeit nimmt dieser Bereich zwar an Bedeutung zu; Begründungen, Didaktik und Praxis sind aber noch nicht als konsistent oder konsolidiert zu betrachten. Die folgenden Überlegungen sind Teil eines Reflexionsprozesses verschiedener Nürnberger Einrichtungen und Gruppen, die eine gemeinsame Praxis verbindet, und wollen ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Diskussion sein. […]



Anne Frank

18. Juni 2004 | Von

von Hermann Glaser

Warum war ich nicht derjenige den das Maschinengewehr niedermähte warum nicht diejenige die in dunkler Straße vergewaltigt wurde warum nicht der Hungernde der scheu hinter dem Hotel in einer Abfalltonne nach Essbarem sucht warum nicht das Kind auf einer Wiese spielend morgen schon deportiert umgebracht warum bin ich derjenige der nun beruhigt in Alpträumen versinkt?

Wen das Schicksal begünstigt hat, wer dem Moloch “Geschichte” auf längere Zeit entronnen ist – wie wir glücklich Überlebenden eines furchtbaren 20. Jahrhunderts -, wer Geschichte mit dem Anschein des Sinnlosen einen Sinn zu geben trachtet, wer also Da-sein trotz allem als Möglichkeit für Hoffnungen begreift, der soll und muss Trauer- wie Erinnerungsarbeit leisten – für diejenigen, denen das Lebensglück, das Glück, leben zu dürfen, zerstört wurde. Nicht durch ein unbestimmbares Schicksal, sondern als Folge der unfassbaren Bosheit von Menschen, hier von deutschen Menschen und ihrer wahnhaften Verblendung.

Die von den amerikanischen Autoren Frances Goodrich und Albert Hackett eingerichtete Bühnenfassung des “Tagebuchs der Anne Frank” – weltweit aufgeführt und allein 1957 mit 1420 Vorstellungen in 44 verschiedenen Inszenierungen das meistgespielte Theaterstück der Bundesrepublik – endet mit der Schlusszeile: “Trotz allem glaube ich noch an das Gute im Menschen.” Die Figur des einzig Überlebenden der Familie, des Vaters Otto Frank, dem bei seiner Rückkehr von Auschwitz nach Amsterdam das gerettete Tagebuch übergeben wurde, spricht über seine Tochter den Nachsatz: “Wie sie mich beschämt.” Von dem “Tagebuch” sollte eine positive Botschaft ausgehen; Otto Frank ging es um internationale Zusammenarbeit, wechselseitiges Verständnis, Toleranz, Bekämpfung des Rassenwahns, Versöhnung. Diese Botschaft ist angekommen und wird auch mit der Nürnberger Ausstellung viele, hoffentlich im Besonderen junge Menschen, erreichen, ergreifen, aufrütteln. “Wie dieses Mädchen uns beschämt” – in einer Zeit, Welt und Gesellschaft, die immer noch dem fern steht, was Albrecht Goes im Vorwort der ersten deutschen Ausgabe des “Tagebuchs” feststellte: “Dieses Buch, das ohne jede falsche Zutat die Wahrheit sagt, nichts als die Wahrheit, die ganze Wahrheit.” Wahrlich eine Geschichte für heute! […]



“Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland”

18. Juni 2004 | Von

von Gottfried Kößler

“… weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube.” (Anne Frank, 15. Juli 1944). Diese Formulierung prägt seit 50 Jahren die Rezeption des Tagebuchs, und sie ist die Grundlage seiner weltweiten Aufnahme in den Kanon der Jugendbücher. Otto Frank, Annes Vater und als überlebendes Familienhaupt für ihren Nachlass verantwortlich, hat aus diesem Glaubenssatz ein pädagogisches Programm gemacht. Der Glaube an das Gute im Menschen als Bildungsziel! Wenn das keine Perspektive ist, um die Schrecken des “Jahrhunderts der Genozide” zu überwinden. […]



Sinn und Nutzen eines Individualbeschwerdeverfahrens zum Sozialpakt. Allgemeine Erfahrungen mit den VN-Vertragsorganen

18. Februar 2004 | Von

von Wolfgang S. Heinz (1),

Als eines der wenigen Kernabkommen des universellen Menschenrechtsschutzes sieht der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte – kurz: Sozialpakt – kein Individualbeschwerdeverfahren vor, das es einzelnen Personen oder Gruppen ermöglichen würde, gegen die Verletzung ihrer in dem Pakt verankerten Rechte vor einem Gremium der Vereinten Nationen Beschwerde einzulegen. Dr. Wolfgang Heinz, Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), legt in dem nachstehend abgedruckten Vortrag den Sinn und Nutzen eines solchen Individualbeschwerdeverfahrens dar.

Der Vortrag wurde auf einem Parlamentarischen Abend gehalten, den das Forum Menschenrechte (in dem das Nürnberger Menschenrechtszentrum mitarbeitet) gemeinsam mit dem DIMR am 29. Januar 2004 in Berlin veranstaltete. Der Parlamentarische Abend fand in Vorbereitung der ersten Sitzung (Genf, 23. Februar bis 5. März 2004) der sog. Open Ended Working Group statt, die 2003 auf Beschluss der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen gebildet worden war, um über ein mögliches Fakultativprotokoll zum Sozialpakt zu beraten. Bei dem Parlamentarische Abend diskutierten Vertreter verschiedener Nichtregierungsorganisationen (NROs) und der deutschen Regierung über den Nutzen eines Individualbeschwerdeverfahrens zum Sozialpakt. […]



“Erinnerung im Horizont der Menschenrechte”

17. November 2003 | Von

von Hasko Zimmer

Im Dezember 2003 fand in Nürnberg ein Seminar “Menschenrechtsbildung zwischen Erinnerungsarbeit und aktuellen Handlungsperspektiven” statt. Eine wesentliche Fragestellung des Seminars war, die Beziehungen zwischen der Erinnerungsarbeit nach Unrechtsregimen wie dem Nationalsozialismus und der Menschenrechtsbildung zu untersuchen. Einer der Referenten war Dr. Hasko Zimmer, Erziehungswissenschaftler an der Universität Münster. Er hat uns seinen Text “Erinnerung im Horizont der Menschenrechte” zur Verfügung gestellt, der wesentliche Aspekte dieser Diskussion beleuchtet, die uns im Nürnberger Menschenrechtszentrum ein besonderes Anliegen ist. […]



Menschenrechte und Entwicklungspolitik Allgemeine Tendenzen und Sichtweisen

18. Oktober 2003 | Von

von Michael Krennerich

Die Verwirklichung der Menschenrechte ist eine Querschnittsaufgabe der Politik. Dazu bekennt sich – zumindest deklaratorisch – auch die deutsche Bundesregierung. Demnach sind in Bezug auf die Menschenrechte alle Politikbereiche gefordert: von der Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Auswärtigen Kulturpolitik bis hin zu der Innen-, Sozial-, Wirtschafts-, Bildungs- und Umweltpolitik (Auswärtiges Amt 2002: 18). Der vorliegende Beitrag widmet sich der Förderung der Menschenrechte nur in einem dieser Politikfelder, namentlich der Entwicklungspolitik. Ich habe diesen Bereich herausgegriffen, weil sich anhand der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) einige fortschrittliche, vielleicht auch ermutigende Tendenzen der Menschenrechtsentwicklung aufzeigen lassen, die in Zeiten von Krieg und internationaler Terrorismusbekämpfung allzu leicht in den Hintergrund rücken. […]



Menschenrechtspädagogik an einem Erinnerungsort des Nationalsozialismus – Ein Beispiel aus Nürnberg

17. Januar 2003 | Von

von Rainer Huhle
Vortrag auf der 37. Tagung Gedenkstättenpädagogik in Weimar, Mai 2002

In vielen Gedenkstätten an die Opfer des Nationalsozialismus und sonstigen Erinnerungsorten an die NS-Zeit ist „Gegenwartsbezug“ eine drängende Frage geworden angesichts immer größerer Besucheranteile, die den emphatischen antifaschistischen Impuls vieler Angehöriger der ersten Nachkriegsgeneration nicht mehr selbst erleben, weil sie in einer völlig anderen Lebenswelt mit anderen brennenden Fragen aufgewachsen sind. Wie die 37. Gedenkstättentagung in Weimar im Mai 2002 bewies, geben die Mitarbeiter zahlreicher Gedenkstätten eine Vielzahl verschiedener Antworten auf diese Herausforderung, die letztlich die Frage nach dem Sinn historischen Gedenkens aufwirft. […]