{"id":1033,"date":"2022-03-23T10:24:52","date_gmt":"2022-03-23T09:24:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/?p=1033"},"modified":"2022-03-23T10:26:00","modified_gmt":"2022-03-23T09:26:00","slug":"krieg-in-der-ukraine-und-klimawandel-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/krieg-in-der-ukraine-und-klimawandel-teil-ii\/","title":{"rendered":"Der Krieg in der Ukraine und was das f\u00fcr den Kampf gegen den Klimawandel bedeutet (Teil II)"},"content":{"rendered":"\n<p>Neben den Energie-Abh\u00e4ngigkeiten Deutschlands von Russland und der daraus resultierenden Notwendigkeit eines Energiewende-Boosters (siehe <a href=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/krieg-in-der-ukraine-und-klimawandel-teil-i\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Teil 1<\/a>) hat der Krieg in der Ukraine auch weitere klimapolitische Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der aktuellen Marktsituation klimapolitisch sinnvoll begegnen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die derzeitigen Preisrekorde an den Tankstellen l\u00f6sen Reflexe aus, die eine klimapolitische Gefahr mit sich bringen. So w\u00e4ren der pauschale Tank-Rabatt von Finanzminister Christian Lindner oder eine m\u00f6gliche Steuersenkung das falsche Mittel <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/klingbeil-tankrabatt-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in dieser Situation<\/a>. Das nun angedachte <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/mobilitaet\/2022-03\/mobilitaetsgeld-ampel-koalition-entlastung-energiepreise-tankrabatt?utm_referrer=https%3A%2F%2Fduckduckgo.com%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mobilit\u00e4tsgeld<\/a> seitens des Arbeitsministers Hubertus Heil w\u00e4re hier wohl sozial gerechter (Auszahlung mit dem Gehalt, gestaffelt nach Einkommen). Vor allem aber wirkt es eher indirekt und \u00e4ndert nicht unmittelbar etwas an den Spritpreisen. Dies ist insofern begr\u00fc\u00dfenswert, da der psychologische Effekt (\u201eBenzin-betriebenes Autofahren ist teuer\u201c) erhalten bleibt, doch gleichzeitig finanziell schw\u00e4chere Personenkreise, die zum Teil auch noch auf die Nutzung des Autos angewiesen sind, entlastet werden. Ungeachtet dessen k\u00f6nnte der hohe Spritpreis aber auch nur von kurzer Dauer sein, da das Fracking in den USA und die erh\u00f6hten Liefermengen durch den Iran den Preis f\u00fcr Erd\u00f6l bereits wieder deutlich <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/finanzen\/oel-billiger-sprit-diesel-benzin-heizoel-preis-iran-russland-fracking-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">senken<\/a> konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was es jedoch jetzt vielmehr als kurzfristige politische Ma\u00dfnahmen braucht, ist eine echte Mobilit\u00e4tswende, die den Namen auch verdient hat. Gerade in Zeiten von hohen Spritpreisen k\u00f6nnte ein Umdenken stattfinden, weg vom teuren, klimapolitisch-problematischen Individualverkehr hin zum klimapolitisch-freundlicheren \u00f6ffentlichen Nahverkehr. Daf\u00fcr m\u00fcssten die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel jedoch endlich wesentlich attraktiver ausgestaltet werden: g\u00fcnstiger, bequemer, zuverl\u00e4ssiger, schneller, flexibler, moderner, erreichbarer. Nur mit einem besseren Gesamtangebot k\u00f6nnen wir die Menschen zum Umstieg \u00fcberzeugen. Doch auch weiterhin ist man etwa auf <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/spritpreise-statt-tankrabatt-oepnv-neu-denken,T0jx1l1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Landesebene<\/a> in Bayern nicht gewillt, die Nutzung der \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel zu verg\u00fcnstigen und schiebt die Verantwortung zum Handeln lieber an den Bund ab.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1035\" width=\"427\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-640x640.jpg 640w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-250x250.jpg 250w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-1040x1040.jpg 1040w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920-1320x1320.jpg 1320w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bundestag-g4bec0697b_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Folgen von Russlands Aggressionen offenbaren die Wichtigkeit der ESG-Kriterien bei Finanzanlagen und Wirtschaftspraktiken<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ausgel\u00f6st durch die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen\u00fcber Russland und dem immensen \u00f6ffentlichen Druck auf globale Unternehmen, sich von ihren Gesch\u00e4ften und Investitionen in Russland zu trennen, verloren zahlreiche Unternehmen und Fonds an Wert, die in dem autokratischen Staat investiert hatten. Dies d\u00fcrfte all diejenigen best\u00e4rken, die sich bei ihren Investments an strenge ESG-Kriterien gehalten haben und somit von Investitionen in Autokratien abgesehen haben. Diese Anforderungen an Finanzanlagen in Bezug auf Umweltaspekte, soziale Komponenten und verantwortliche Unternehmensf\u00fchrung (<strong>E<\/strong>nvironment, <strong>S<\/strong>ocial und <strong>G<\/strong>overnance) k\u00f6nnen dazu beitragen, dass Finanzstr\u00f6me vermehrt in Unternehmen und Projekte geleitet werden, die einen klimapolitischen Mehrwert generieren. So verabschiedete sich beispielsweise auch der gr\u00f6\u00dfte Staatsfonds der Welt, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/anlagestrategie\/trends\/ukraine-krieg-norwegens-staatsfonds-zieht-sich-aus-russland-zurueck\/28114312.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Norwegens Pensionsfonds<\/a>, von russischen Anlagen als Reaktion auf die Invasion in der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anwendung von ESG-Kriterien ist vor allem auf transparente Gesch\u00e4ftspraktiken angewiesen. Nur wenn der Markt transparent genug ist, k\u00f6nnen die Nachhaltigkeitsaspekte glaubw\u00fcrdig genug evaluiert und auch eingehalten werden. Dass jetzt zahlreiche Staaten eingestehen m\u00fcssen, dass sie nur teilweise wissen, welche Investitionen russischen Oligarchen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/task-force-oligarchen-russland-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zuzuordnen<\/a> sind, k\u00f6nnte ein Weckruf sein. Ebenso w\u00e4chst der Druck auf ganze Branchen zu h\u00f6heren Transparenzpflichten und klareren Marktaufsichten, wie beispielsweise in Bezug auf den undurchsichtigen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/geheime-milliardendeals-schweizer-rohstoffhandel-f%C3%BCllt-putins-kriegskasse\/a-61157572?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rohstoffhandel<\/a> in der Schweiz. Unternehmen d\u00fcrften sich in Zukunft zudem genauer \u00fcberlegen, ob sie jeden finanzstarken Sponsor hofieren wollen, wie es beispielsweise der Fu\u00dfballclub 1. FC <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/schalke-gazprom-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schalke<\/a> mit dem problematischen russischen Gaskonzern Gazprom jahrelang praktiziert hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kampf gegen <em>aktuelle<\/em> Hungersn\u00f6te vs. Kampf gegen <em>zuk\u00fcnftige<\/em> Hungersn\u00f6te<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg in der Ukraine hat zu einer massiven Hungerkrise im Land gef\u00fchrt. Insbesondere in den umk\u00e4mpften St\u00e4dten im S\u00fcden und Osten des Landes und in der Hauptstadt spitzt sich die Versorgungslage <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/132716\/EU-Kommission-warnt-vor-Hungersnot-in-der-Ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">erheblich<\/a> zu.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eDie Menschen in den belagerten St\u00e4dten sind apokalyptischen Zust\u00e4nden ausge\u00adsetzt \u2013 keine Nahrung, kein Wasser, keine medizinische Versorgung und kein Ausweg.\u201c<\/em><\/p><cite>Janez Lenarcic, EU-Kommissar f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe und Krisenschutz<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Angriff auf die Ukraine ist aber auch ein Angriff auf globale Nahrungsmittel- und Versorgungslieferketten. Die Ukraine und Russland werden als \u201e<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/ukraine-landwirtschaft-ernaehrung-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kornkammern der Welt<\/a>\u201c bezeichnet, da sie zu den gr\u00f6\u00dften Weizenexporteure der Welt geh\u00f6ren und zusammen f\u00fcr fast ein Drittel des weltweiten Weizenhandels verantwortlich sind. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Krieg sich auch unmittelbar auf den globalen Weizenpreis ausgewirkt hat, der seitdem um rund ein Drittel <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/wirtschaft\/hunger-lebensmittel-russland-ukraine-krieg-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gestiegen<\/a> ist. Auch Mais und Raps sind knapp 20 Prozent teurer geworden, ebenso der Diesel und die D\u00fcnger f\u00fcr die Landwirtschaft. In der Folge versch\u00e4rfen sich die Versorgungszust\u00e4nde in den akuten Krisenregionen wie Syrien oder Jemen weiter erheblich. Aber auch L\u00e4nder wie Bangladesch, \u00c4gypten oder die T\u00fcrkei importierten bisher 60 Prozent ihres Weizens von den Konfliktparteien.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eDas wird den globalen Hunger noch weiter in die H\u00f6he treiben.\u201c<\/em><\/p><cite>Martin Frick, Direktor des UN-Weltern\u00e4hrungsprogramms in Deutschland<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Anbetracht dieser akuten Hungerkrise d\u00fcrfte sich in vielen L\u00e4ndern ein Priorit\u00e4tenwechsel abzeichnen, der die Aufmerksamkeit vom Kampf gegen den Klimawandel hin zum Kampf gegen Hungersn\u00f6te lenkt. Doch auch hier ist es unerl\u00e4sslich, dass wir in der aktuellen Krise nicht die F\u00e4higkeit verlieren, unsere Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Problemfelder und Herausforderungen gleichzeitig zu richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu <a href=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/de\/2022\/02\/17\/klimawandel-und-seine-auswirkungen-auf-die-menschenrechte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bef\u00fcrchten<\/a>, dass aufgrund des Klimawandels bis 2050 weitere 200 Millionen Menschen an Hunger leiden werden, was einen Anstieg um fast 30 Prozent bedeuten w\u00fcrde. Durch verschlechterte Klima- und Umweltbedingungen werden die Ern\u00e4hrungsprobleme durch Wasser- und Nahrungsmittelknappheit somit immer schneller zunehmen. Regionen, die bereits heute hohe Armuts- und Hungerraten aufweisen (z.B. S\u00fcdasien und Afrika s\u00fcdlich der Sahara), leiden infolge des Klimawandels am st\u00e4rksten unter steigenden Hungerrisiken sowie Ern\u00e4hrungsunsicherheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungeachtet dessen ist die nachhaltige Landwirtschaft, die auch einen wichtigen Teil zum Kampf gegen den Klimawandel beitr\u00e4gt, durch den Krieg massiv unter Druck geraten. Einige Bio-Landwirte k\u00f6nnen ihre Tiere nicht mehr vollst\u00e4ndig mit \u00f6kologisch erzeugtem Futter versorgen, da sie bisher das entsprechende Futter aus der Ukraine bezogen hatten. Auch sog. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/ukraine-krieg-landwirte-duerfen-auf-oeko-flaechen-futter-anbauen,SzmLo4W\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00f6kologische Vorrangfl\u00e4chen<\/a>, also Fl\u00e4chen, auf denen die dort wachsenden Pflanzen untergepfl\u00fcgt werden m\u00fcssen, um die Bodenqualit\u00e4t zu verbessern, d\u00fcrfen nun in Deutschland \u2013 zun\u00e4chst beschr\u00e4nkt auf dieses Jahr \u2013 wieder zur Futter-Herstellung bewirtschaftet werden. L\u00e4ngst mehren sich die Stimmen innerhalb der EU, die das eigentlich schon festgelegte Herzst\u00fcck des Europ\u00e4ischen Green Deals \u201eanpassen\u201c wollen: die <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/food\/horizontal-topics\/farm-fork-strategy_en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Farm to Fork Strategie<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1036\" width=\"495\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-1024x724.png 1024w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-300x212.png 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-768x543.png 768w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-640x453.png 640w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280-1040x735.png 1040w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/wheat-g5fc681af0_1280.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Diese EU-Strategie verfolgt unter anderem den Zweck, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent zu senken und D\u00fcnger um 20 Prozent zu reduzieren. Zudem soll der Anteil der \u00f6kologischen Landwirtschaft um 25 Prozent erh\u00f6ht werden. W\u00fcrde es nun tats\u00e4chlich zu einer Aussetzung oder einer Anpassung der Strategie kommen, wie es <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/eu-landwirtschaft-ukraine-krise-klimaschutz-1.5551928\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">viele Stimmen fordern<\/a>, w\u00e4re dies ein Armutszeugnis f\u00fcr alle bisherigen Bem\u00fchungen, die Landwirtschaft \u00f6kologischer auszurichten und damit auch ein weiterer R\u00fcckschlag im Kampf gegen den Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Isolation Russlands und massiver Vertrauensverlust schadet der dringend notwendigen internationalen Zusammenarbeit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das offensichtliche Scheitern der intensiven diplomatischen Bem\u00fchungen und Staatsbesuche westlicher Regierungen, wie bspw. Frankreichs und Deutschlands, die absolute Eskalation des Konflikts in Form des Angriffs auf die Ukraine doch noch zu verhindern, ist ein desastr\u00f6ser Schlag gegen jegliche Form der Diplomatie. Hinzu kommt die Tatsache, dass die russische F\u00fchrung mit dem v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine gezeigt hat, dass Vertr\u00e4ge und Abkommen f\u00fcr sie nicht bindend sind.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies hat zu einer massiven politischen, finanziellen, wirtschaftlichen, moralischen und medialen Isolation Russlands gef\u00fchrt. Doch vor allem ging mit der Entscheidung zur Invasion ein desastr\u00f6ser Vertrauensverlust f\u00fcr das russische Regime einher. Da dies bekanntlich die Grundlage jeglicher Zusammenarbeit und Kooperation ist, liegt es auf der Hand, dass die internationale Zusammenarbeit mit Russland auf allen Kan\u00e4len und Ebenen \u00fcber Jahre hinweg gest\u00f6rt sein wird \u2013 und damit wohl auch in den Verhandlungen zu globalen Klimaschutzma\u00dfnahmen im Rahmen der Vereinten Nationen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eRussland war in Klimafragen nicht die gr\u00f6\u00dfte Blockade, aber auch nicht der st\u00e4rkste Partner. Aber Russland ist eine wichtige Quelle fossiler Brennstoffe und von CO2. Wie k\u00f6nnen wir gemeinsame Anstrengungen in diesen Bereichen angehen, wenn die Grundlage f\u00fcr eine gute Zusammenarbeit fehlt? (\u2026) Es wird schwierig sein, Russland als verl\u00e4sslichen Partner zu betrachten. (\u2026) Und wenn wir ihnen nicht vertrauen k\u00f6nnen, nicht in ein anderes Land einzumarschieren, wie k\u00f6nnen wir dann gemeinsam Klimaziele vereinbaren?\u201c<\/em><\/p><cite>Prof. Dr. Mark Lawrence, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts f\u00fcr transformative Nachhaltigkeitsforschung<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Noch ist nicht abzusehen, wie eine solche weitere <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Ukraine-im-Klima-Labor-Der-Krieg-oeffnet-die-Augen-article23194364.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zusammenarbeit<\/a> f\u00fcr mehr Klimaschutz aussehen kann. Doch es bleibt ungemein wichtig, dass alle Anstrengungen unternommen werden, so konstruktiv und l\u00f6sungsorientiert wie m\u00f6glich an dieser globalen Herausforderung zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Klimaschutz darf nicht geopfert werden<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wir d\u00fcrfen in dieser turbulenten Zeit nicht unsere Prinzipien und bereits gewonnenen Erkenntnisse im Bereich des Klimaschutzes \u00fcber Bord werfen. Im Gegenteil. Wir m\u00fcssen alle politischen, \u00f6kologischen und gesellschaftlichen Themen als direkt mit dem Klimaschutz verbunden betrachten. Wenn nun seitens der Bundesregierung kurzfristig 100 Milliarden Euro und langfristig weitere Milliarden in Aufr\u00fcstung und milit\u00e4rische Wehrhaftigkeit investiert werden sollen, darf dies nicht bedeuten, dass andere Themenfelder hinten anstehen m\u00fcssen. Finanzminister Christian Lindner <a href=\"https:\/\/www.berlinertageszeitung.de\/politik\/112680-lindner-schliet-steuererhoehungen-trotz-staerkung-der-bundeswehr-weiterhin-aus.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">deutete<\/a> dies jedoch bereits an, indem er verk\u00fcndete, dass nicht alles, \u201ewas w\u00fcnschbar\u201c ist, sofort kommen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sanktionen gegen Russland und die Hilfsbereitschaft gegen\u00fcber den Gefl\u00fcchteten d\u00fcrften jedoch nicht durchhaltbar sein, wenn dadurch die \u00c4rmeren in unserer Gesellschaft noch \u00e4rmer werden bzw. eine weitere Verschlechterung ihrer Lebensumst\u00e4nde sehen. Hier ist somit zwingend statt einer K\u00fcrzung eine Erh\u00f6hung der Gelder im sozialen Bereich notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der Tatsache, dass uns nur noch ein kurzes Zeitfenster von wenigen Jahren bleibt, um den Prozess der Erderw\u00e4rmung positiv beeinflussen zu k\u00f6nnen, d\u00fcrfen wir unsere bisherigen Klimaschutz-Bem\u00fchungen nicht kurzfristig opfern, um dies dann langfristig bitter zu bereuen. Der Ende Februar ver\u00f6ffentlichte Teil des sechsten <a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/270.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Weltklimaberichts<\/a> legte abermals dar, welche weitreichende Bedrohung der Klimawandel f\u00fcr das Wohlergehen der Menschen und die Gesundheit unserer Erde bedeutet. Nichtsdestotrotz bleiben die nationalen Bem\u00fchungen hinter den notwendigen Anforderungen weit zur\u00fcck. So weit, dass der UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/ipcc-bericht-2022-zur-klimakrise-3-6-milliarden-menschen-schon-heute-hochgradig-gefaehrdet\/28113098.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schlussfolgern<\/a> musste: \u201eDieser Verzicht auf F\u00fchrung ist kriminell!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der zahlreichen negativen klimapolitischen Konsequenzen, die sich nun aus dem Krieg in der Ukraine ergeben, braucht es somit auch im Bereich des Klima- und Umweltschutzes dringend mehr Gelder, anstatt weniger.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>&#8222;Wie auch immer wir die Daten hin und her wenden, wir haben nur ein Jahrzehnt, um die CO2-Wende zu schaffen und die Menschen noch vor den gr\u00f6\u00dften Risiken des Klimawandels zu sch\u00fctzen.&#8220;<\/em><\/p><cite>Johan Rockstr\u00f6m, Direktor des Potsdam-Instituts f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK), 2018<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrfen wir uns nicht aus unseren klimapolitischen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten stehlen. Zur Erinnerung: Nach dem Klima-Gipfel in Glasgow 2021 wurde abermals beschlossen, dass die Industriestaaten nun doch endlich 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr an die Staaten zahlen <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/klima-cop26-entwicklungslaender-umweltschutz-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sollen<\/a>, die nicht prim\u00e4r zum Klimawandel beigetragen haben und gleichzeitig am meisten unter ihnen leiden. Auch wenn die Summe durchaus als mickrig und nicht ausreichend bezeichnet werden d\u00fcrfte (im Vergleich: Deutschland stellte allein f\u00fcr die Flutkatastrophe im Ahrtal 30 Milliarden Euro bereit), wird sie dennoch verfehlt, weil die Industriestaaten nicht gen\u00fcgend Finanzmittel bereitstellen. Neben den hohen Ausgaben wegen der Corona-Pandemie und den Folgen des Krieges in der Ukraine ist auch in den n\u00e4chsten Jahren zu bef\u00fcrchten, dass dieses <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2021\/10\/26\/gebrochene-versprechen-industriestaaten-halten-100-milliarden-dollar-klimazusage-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eklatante Klimagerechtigkeits-Versagen<\/a> der reichen Staaten anhalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund all diesen Aspekten ist es umso wichtiger, nun geschlossen und mit Nachdruck f\u00fcr Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel einzustehen. Auch wenn der aktuelle Anlass noch so traurig und ersch\u00fctternd ist, lasst uns diesen wom\u00f6glich historischen Umbruch nicht verstreichen lassen, ohne weiterhin f\u00fcr eine gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch bessere Welt einzutreten: humaner, solidarischer, weltoffener, ethischer, demokratischer, resilienter, unabh\u00e4ngiger, klimafreundlicher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben den Energie-Abh\u00e4ngigkeiten Deutschlands von Russland und der daraus resultierenden Notwendigkeit eines Energiewende-Boosters (siehe Teil 1) hat der Krieg in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1034,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[145,164,165,142,127,128,91,141,159,158,105],"coauthors":[22],"class_list":["post-1033","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-deutschland","tag-energiewende","tag-erneuerbare-energie","tag-finanzen","tag-klimagerechtigkeit","tag-klimawandel","tag-menschenrechte","tag-nachhaltigkeit","tag-russland","tag-ukraine","tag-wirtschaft","post-archive"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.5 - 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