{"id":1062,"date":"2022-07-01T10:00:00","date_gmt":"2022-07-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/?p=1062"},"modified":"2022-07-01T11:26:15","modified_gmt":"2022-07-01T09:26:15","slug":"ideologie-statt-wissenschaft-in-ideologie-statt-biologie-im-oerr-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/ideologie-statt-wissenschaft-in-ideologie-statt-biologie-im-oerr-teil-ii\/","title":{"rendered":"Ideologie statt Wissenschaft in \u201eIdeologie statt Biologie im \u00d6RR\u201c (Teil II)"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 1. Juni 2022 wurde auf der Website <a href=\"http:\/\/www.evaengelken.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.evaengelken.de<\/a> ein f\u00fcnfzigseitiges Dossier mit dem Titel \u201eIdeologie statt Biologie im \u00d6RR\u201c ver\u00f6ffentlicht. In <a href=\"http:\/\/ideologie-statt-wissenschaft-in-ideologie-statt-biologie-im-oerr-teil-i\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Teil I<\/a> dieses Blogartikels bin ich auf die Menge an Fehlern des Dossiers eingegangen, derentwegen es eindeutig nicht als \u201ewissenschaftlich\u201c einzustufen ist. In Teil II geht es mir nun besonders um zwei Themen, bei denen die Autor*innen es nicht geschafft haben ein logisches Argument aufzubauen: die Transgender-Debatte und die Debatte um Blutspenden bei Homosexuellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Biologisches versus Soziales Geschlecht<\/h3>\n\n\n\n<p>Der erste Fehler, den die Autor*innen machen, ist zu glauben, sie k\u00f6nnen \u00fcber grundlegende Biologie die gesamte Transdebatte verstehen und widerlegen. Sie stolpern \u00fcber mehrere Quellen, die versuchen ihnen klarzumachen, dass es ein soziales Geschlecht gibt. Im Englischen gibt es bereits eine passende Unterscheidung: \u201eSex\u201c und \u201eGender\u201c. Im Deutschen wird noch immer f\u00fcr beide Worte der Begriff \u201eGeschlecht\u201c verwendet. Wir unterscheiden nur nach \u201esoziologischem\u201c und \u201ebiologischem\u201c. Das sorgt bei manchen Menschen, wie etwa den Autor*innen des Dossiers, f\u00fcr Verwirrung. Sie selbst stellen fest, \u201edass lediglich f\u00fcnf bis 13 Prozent sogenannter Transfrauen eine Genital-OP durchf\u00fchren lassen\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S. 9<\/a>). Sie hinterfragen untereinander jedoch nicht, ob das daran liegen kann, dass nicht nur der K\u00f6rper eine Rolle f\u00fcr Transgender-Menschen spielt. Seltsam ist, dass hier wieder nur eine einzige Perspektive eine Rolle spielt, w\u00e4hrend die kommentierten Beitr\u00e4ge im Dossier aufgrund ihrer vermeintlich unkritischen Perspektiven als Propaganda abgestempelt werden. Was die Autor*innen \u00fcber f\u00fcnfzig Seiten abgeliefert haben, kann jedoch keinesfalls selbst Propaganda sein, nicht wahr?<\/p>\n\n\n\n<p>Kann denn gesellschaftlich bei Geschlechtern wirklich eine klare, logische Trennung erfolgen? Ich w\u00fcrde argumentieren, dass wir alle, gewisse Aspekte unserer Gesellschaft als \u201em\u00e4nnlich<em>er<\/em>\u201c oder \u201eweiblich<em>er<\/em>\u201c ansehen (zum Beispiel <em>Stricken<\/em>, was als klassisch \u201eweiblich\u201c gilt). Der Komparativ impliziert ein Spektrum, auf welchem sich alle Menschen befinden. Ein biologischer Mann k\u00f6nnte alle Eigenschaften erf\u00fcllen, die als \u201em\u00e4nnlich<em>er<\/em>\u201c erachtet werden, w\u00e4hrend ein anderer biologischer Mann bestimmte Hobbys, Wertvorstellungen, Karrierew\u00fcnsche etc. besitzt, die als \u201eweiblich<em>er<\/em>\u201c gelten. Nun <em>kann<\/em> sich f\u00fcr diesen Mann daraus die Konsequenz ergeben, dass er sich eher als Frau identifiziert. Ein <em>biologischer<\/em> Mann sieht sich demnach <em>soziologisch<\/em> als Frau. Ein Dossier \u00fcber 50 Seiten, bei dem jede Erw\u00e4hnung von Geschlechterrollen, Gender und einer uneindeutigen Zuordnung zu einem der beiden biologischen Geschlechtern weggeredet wird, ignoriert also einen wichtigen Teil der Thematik. Die vielen Quellen die die Autor*innen angesehen, gelesen oder angeh\u00f6rt haben, machen den soziologischen Blickwinkel im Regelfall eindeutig klar. Es ist demnach unverst\u00e4ndlich, wie die Soziologie hier keinerlei Behandlung findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autor*innen stellen den biologischen Aspekt breit dar. An dieser Stelle werde ich nicht versuchen, die gesamte Spannweite an biologischen Faktoren zur Bildung des biologischen Geschlechts zu verstehen, um die biologischen Aussagen des Dossiers zu hinterfragen. Qualifiziertere Menschen als meine Wenigkeit werden das sicherlich \u00fcbernehmen. Die Autor*innen halten fest, dass Menschen entweder Eizellen oder Spermien produzieren, wodurch das (biologische) Geschlecht definiert wird. Am st\u00e4rksten st\u00f6ren sie sich an der Aussage, dass das biologische Geschlecht ein Spektrum darstellen soll. Als Antwort auf den Beitrag schreiben die Autor*innen: \u201eDas ist falsch. Es gibt kein Geschlechterspektrum, denn Varianten der Geschlechtsentwicklung k\u00f6nnen diagnostiziert und voneinander unterschieden werden\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=27\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S. 27<\/a>). Was hier fehlt: Eine Auseinandersetzung mit diesem Konzept aus der eigentlichen Quelle. <a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/gesundheit\/medizin\/sexualitaet-wie-unser-biologisches-geschlecht-entsteht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Quarks<\/a> denkt sich das nicht einfach aus. In ihrem Beitrag verlinken sie unter anderem auf den Artikel <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/518288a\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eSex redefined\u201c<\/a>. Hier wird wiederum auf weitere Quellen verlinkt. Warum die Autor*innen nicht breiter erkl\u00e4ren, wie andere Biolog*innen zu einer solchen Behauptung kommen, sodass sie diese daraufhin mit ihrem Blickwinkel \u201ewiderlegen\u201c k\u00f6nnen, ist unklar. Das w\u00e4re die eine Gelegenheit gewesen, tats\u00e4chlich ein koh\u00e4rentes Argument aufzubauen. Die Autor*innen schaffen aber auch das nicht. Sollten die Autor*innen jedoch klar das Konzept eines biologischen Geschlechterspektrums widerlegen, so haben sie noch immer den soziologischen Aspekt nicht einmal angekratzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem vorherigen Absatz wird klar, dass unter Biolog*innen Uneinigkeit herrscht. Das ist normal in jeder Wissenschaft. Anderen Wissenschaftler*innen aus dem gleichen Fachgebiet Propaganda und Falschinformation vorzuwerfen, wenn diese auf wissenschaftlicher Basis aufbauend argumentieren, ist selbst unwissenschaftlich und h\u00f6chst fragw\u00fcrdig. Aufgrund eines fehlenden Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr eine fremde Wissenschaft diese als Propaganda abzustempeln ist noch deutlich unwissenschaftlicher. Daraufhin ein f\u00fcnfzigseitiges Dossier zu schreiben ist absolut unverst\u00e4ndlich. Dieses unter dem Vorwand der Wissenschaft zu ver\u00f6ffentlichen ist geradewegs peinlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Man kann jedes Argument plausibel machen, wenn man sich die Fakten einfach ausdenkt<\/h3>\n\n\n\n<p>Es soll an dieser Stelle noch ein Thema angesprochen werden, welches im Dossier nur am Rande Erw\u00e4hnung findet, sich jedoch durch eine sehr einzigartig eigenartige Argumentation auszeichnet. Die Autor*innen fragen sich: \u201eIst es diskriminierend, wenn Homo- oder Transsexuelle bei Blutspenden zur\u00fcckgestellt werden?\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=40\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S. 40<\/a>) Eine aufmerksame Leser*in wird schnell merken, dass die Frage Transmenschen erw\u00e4hnt. Die Antwort hingegen beinhaltet nur einmal ein Wort mit \u201eTrans\u201c, n\u00e4mlich \u201eTransfusionsempf\u00e4nger\u201c. Es werden demnach Transmenschen entweder implizit mit der gegebenen Antwort abgestempelt (was nicht sein kann, weil sich explizit auf schwule M\u00e4nner bezogen wird) oder die Autor*innen haben vergessen ihre eigene Frage zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der gegebenen Antwort beziehen sich die Autor*innen auf ein <a href=\"https:\/\/www.bundesaerztekammer.de\/fileadmin\/user_upload\/downloads\/pdf-Ordner\/RL\/Blutspende_von_Personen_mit_sexuellem_Risikoverhalten_-_Darstellung_des_aktuellen_Standes_der_medizinischen_Wissenschaft_26.05.2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beratungsergebnis<\/a> des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes\u00e4rztekammer, des Robert Koch-Instituts, des Paul-Ehrlich-Instituts und des Bundesministeriums f\u00fcr Gesundheit mit dem Titel \u201eBlutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten \u2013 Darstellung des aktuellen Standes der medizinischen Wissenschaft\u201c. Hier wird erkl\u00e4rt, welche Menschen ein \u201esexuelles Risikoverhalten\u201c vorweisen und warum empfohlen wird, diese f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum von Blutspenden auszuschlie\u00dfen. Aus dem Bericht ziehen die Autor*innen die folgenden Ergebnisse:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e1. Tests reichen zur Sicherung des Blutes f\u00fcr Transfusionen nicht aus, da diese nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters hinreichend aussagekr\u00e4ftig sind.<\/p><p>2. Daher ist es notwendig, Menschen mit sexuellem Risikoverhalten f\u00fcr eine bestimmte Zeit vom Blutspenden zur\u00fcckzustellen.<\/p><p>3. M\u00e4nner, die mit M\u00e4nnern Sex haben, haben ein 100 (hundert!) mal h\u00f6heres Risiko sich mit HIV anzustecken als heterosexuelle M\u00e4nner (der Unterschied ist noch h\u00f6her zu heterosexuellen Frauen, und mit anderen Geschlechtskrankheiten ist es \u00e4hnlich).<\/p><p>4. Homosexuelle M\u00e4nner f\u00fcllen die Formulare, in denen das Risikoverhalten abgefragt wird, h\u00e4ufiger unwahrhaftig aus als Vergleichsgruppen.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=40\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S. 40<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die ersten drei Ergebnisse entsprechen dem Bericht. Das vierte Ergebnis habe ich jedoch nicht im Bericht finden k\u00f6nnen. Dieser beinhaltet eine Studie \u00fcber Compliance beim Ausf\u00fcllen der pers\u00f6nlichen Angaben. Demzufolge findet der Bericht zwischen M\u00e4nnern und Frauen <em>keinen<\/em> Unterschied bei der Nichtbeantwortung von Fragen zu sexuellen Risikoexpositionen. In einem <a href=\"https:\/\/www.bundesaerztekammer.de\/fileadmin\/user_upload\/downloads\/pdf-Ordner\/RL\/Blutspende_von_Personen_mit_sexuellem_Risikoverhalten_-_Darstellung_des_aktuellen_Standes_der_medizinischen_Wissenschaft_26.05.2021.pdf#page=55\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zwischenfazit<\/a> wird klargestellt, dass 2,6 Prozent der heterosexuellen Menschen bestimmte Angaben nicht machten, die sie von einer Spende ausgeschlossen h\u00e4tten, w\u00e4hrend das bei 0,9 Prozent von homosexuellen M\u00e4nnern zutrifft. Wie die Autor*innen das vierte Ergebnis erreichen, ist mir unklar. Es kann nat\u00fcrlich sein, dass ich die korrekte Stelle im Bericht nicht gefunden habe. Es w\u00e4re die Aufgabe der Autor*innen gewesen, auf pr\u00e4zise Seiten zu verweisen, sodass ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar sind. Es handelt sich jedoch, wie bisher gezeigt, nicht um eine wissenschaftliche oder auch nur ernstzunehmende Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend nutzen die Autor*innen die vier Ergebnisse, um daraus weitere Schl\u00fcsse zu ziehen. Zun\u00e4chst werfen sie dem besagten Bericht jedoch vor, dass er aufgrund von politischer Korrektheit nicht die Schl\u00fcsse gezogen hat, die von den Autor*innen gezogen wurden (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=40\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vgl. S. 40<\/a>). Die Autor*innen glauben hier anscheinend eine L\u00fccke in der Logik des Berichts gefunden zu haben: Die Position des Berichtes ist, \u201edass innerhalb einer wechselseitig monogamen\/sexuell exklusiven Partnerschaft nicht von einem sexuellen Risikoverhalten auszugehen ist\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=40\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">s. o.<\/a>). Die Autor*innen betonen jedoch, dass lediglich das Wort der blutspendenden Person vorhanden ist, welche aber l\u00fcgen k\u00f6nne. Zus\u00e4tzlich erw\u00e4hnen die Autor*innen, dass, selbst wenn die spendende Person die Wahrheit sagt, der Partner noch immer fremdgehen k\u00f6nne, was die Person dann nicht wisse. Das ist nach den Autor*innen nur f\u00fcr homosexuelle Paare relevant, nicht f\u00fcr heterosexuelle. Bekanntlich l\u00fcgen heterosexuelle Menschen nicht und gehen auch nicht fremd&#8230; Die Autor*innen basieren diese Aussage auf ihrem vierten Ergebnis, das nicht auf Fakten aufbaut. Lediglich 0,9 Prozent der blutspendenden Schwulen treffen Falschaussagen, die sie disqualifizieren w\u00fcrden. H\u00e4tten die Autor*innen also Zahlen genannt, h\u00e4tten sie klargemacht, wie absurd ihre Schlussfolgerung ist. Warum nur schwule Partner fremdgehen, w\u00e4hrend heterosexuelle Partner das nicht tun, versuchen die Autor*innen wie folgt zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie unterstreichen ihre Meinung mit der Aussage, homosexuelle M\u00e4nner wiesen eine \u201eum Gr\u00f6\u00dfenordnungen h\u00f6heren Promiskuit\u00e4t [auf] (welche ja ein wesentlicher Teil der Erkl\u00e4rung f\u00fcr das 100fach gr\u00f6\u00dfere Ansteckungsrisiko unter Punkt 3 ist)\u201c (<a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Fehldarstellung-Biologie_mit-Inhaltsverzeichnis_Freigegeben-3.pdf#page=40\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">s. o.<\/a>). Bedeutet das, dass schwule M\u00e4nner, die mit wechselnden Partnern Sex haben, im Schnitt mehr Partner als heterosexuelle M\u00e4nner h\u00e4tten? Bedeutet das, dass alle Schwulen, also auch solche, die in einer monogamen Beziehung leben, gerne Sex mit mehr M\u00e4nnern h\u00e4tten? Die erste Aussage w\u00e4re f\u00fcr monogame Beziehungen irrelevant und die zweite w\u00e4re verallgemeinernd, wenn nicht gerade zu homophob. Die Erw\u00e4hnung, dass ein blutspendender Schwuler nicht wisse, ob sein Partner ihn betr\u00fcgt, hat keinerlei Bezug zum Rest des Gesagten oder zur Wirklichkeit. Die Autor*innen bieten auch hier wieder keine Quelle f\u00fcr ihre Aussagen, weshalb ihre \u201estatistische Analyse\u201c \u00fcber die Promiskuit\u00e4t von Schwulen nicht nachvollziehbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt der Teilsatz, den die Autor*innen in einer Klammer verstecken. So sei die unbewiesene h\u00f6here Promiskuit\u00e4t der Grund daf\u00fcr, dass sich Schwule eher mit Krankheiten anstecken. Ich w\u00fcrde gerne die Studien sehen, die die Autor*innen gelesen haben, um zu diesem Schluss zu gelangen. Die Autor*innen behalten diese Studien leider f\u00fcr sich, da sie wahrscheinlich nicht existieren. Die f\u00fcr mich logischere Schlussfolgerung ist die folgende: Beim Geschlechtsverkehr zwischen zwei M\u00e4nnern kann man sich im schlimmsten Fall mit einer Krankheit infizieren. Nehmen beide M\u00e4nner an, sie w\u00e4ren gesund (oder behaupten es), so liegt es nahe, dass sie kein Kondom nutzen (ich sage hier nicht, dass man aus dem Grund keines nutzen sollte). Bei Heteropaaren macht es neben gesundheitlichen Bedenken Sinn ein Kondom zu benutzen, da neben einer Infektion auch eine Schwangerschaft als typische Folge von Geschlechtsverkehr eintreten kann. Ob heterosexuelle Paare h\u00e4ufiger Kondome nutzen, wei\u00df ich nicht, jedoch wei\u00df ich das wohl so sehr wie die Autor*innen \u00fcber die Promiskuit\u00e4t von verschiedenen sexuellen Orientierungen Bescheid wissen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wissenschaft? Eher rechte Propaganda<\/h3>\n\n\n\n<p>Falls das nicht bereits eindeutig klar ist, sage ich hier: Ich schreibe hier keine wissenschaftliche Arbeit. Ich bin ehrlich dar\u00fcber, w\u00e4hrend im Dossier diese Anmerkung fehlt. Und ich habe aktiv danach gesucht. Eine einfache Verteidigung der Autor*innen w\u00e4re an dieser Stelle, dass sie selbst nie behaupten wissenschaftlich zu arbeiten. Doch die Autor*innen berufen sich auf fast jeder Seite des Dossiers darauf, Wissenschaftler*innen zu sein. Ein Twitter-Thread des Accounts <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ClaasGefroi\/status\/1531929888856342528\">@ClaasGefroi<\/a> zeigt etwa, dass die meisten der Autor*innen mit der Thematik <em>Transgender<\/em> nichts zu tun haben. Das sind n\u00e4mlich Menschen, die selbst zu irgendeinem Zeitpunkt studiert haben und jetzt glauben, ihre Meinung habe mehr Wert. Beispielhaft ist Rieke H\u00fcmpel (deren Berufsbezeichnung sich innerhalb des Dossiers mehrfach \u00e4ndert), welche eine Vielzahl der Kommentare verfasst hat und beruflich WELT-Artikel schreibt, in welchen sie erkl\u00e4rt, Gendern mache ihr Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochgeladen wurde das Dossier auf der Website einer Frau namens Eva Engelken. Sie ist Mitglied der Gr\u00fcnen, muss jedoch in mehreren Abs\u00e4tzen ihre geistige N\u00e4he zur AfD abstreiten. Das kennen wir doch alle. Wir werden jeden Tag gefragt, ob wir nicht in der AfD w\u00e4ren, nachdem wir v\u00f6llig akzeptable Meinungen \u00f6ffentlich vertreten&#8230; Ein Blick in die <a href=\"https:\/\/www.evaengelken.de\/dossier-ideologie-statt-biologie-im-oerr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kommentare<\/a> unter dem Dossier wirft jedoch nur weitere Fragen auf. Der oberste Kommentar beispielsweise sieht wie folgt aus: <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"651\" height=\"173\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1065\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-1.png 651w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-1-300x80.png 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-1-640x170.png 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><figcaption>Top-Kommentar unter dem Dossier<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Also sehen die Leser*innen das Dossier als wissenschaftlich an? Kein Wunder, wenn mit nichts als dem Wort \u201eWissenschaftler\u201c propagiert wird. Es w\u00e4re die Aufgabe der Seiteninhaberin hier klarzustellen, dass das Dossier nicht in einem wissenschaftlichen Rahmen ver\u00f6ffentlicht wurde, keinen Bezug zu einem wissenschaftlichen Journal hat, keinen Bezug zu einer Universit\u00e4t hat, nicht peer-reviewt wurde und am wichtigsten: nicht wissenschaftlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle soll noch ein weiterer Kommentar Erw\u00e4hnung finden:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"682\" height=\"308\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1066\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-2.jpg 682w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-2-300x135.jpg 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Kommentar-2-640x289.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><figcaption>Kommentar von HerrPaul unter dem Dossier<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Hier wird unverst\u00e4ndlicherweise die Soziologie kritisiert, nachdem das Dossier diese g\u00e4nzlich ignoriert hat. Hat HerrPaul wohl das Dossier gar nicht gelesen? Wichtiger jedoch: Es wird von einem Reinigungsprozess an den Universit\u00e4ten gesprochen. Warum Frau Engelke diesen Kommentar nicht sofort gel\u00f6scht hat, ist mir v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Sie schreibt in ihrem Profil selbst, die Gr\u00fcnen seien nicht mehr ihre Partei. Hier stimme ich ihr ausdr\u00fccklich zu. Die Gr\u00fcnen w\u00fcrden einen Kommentar wie von HerrPaul wohl keine Minute online oder unkommentiert lassen, geschweige denn l\u00e4nger als eine Woche (das Kommentar ist zum 25.06.2022 noch immer online). Das Wort Reinigung im politischen Kontext w\u00fcrde bei jeder Person au\u00dferhalb des stark rechten Milieus sofort Alarm schlagen. Warum also nicht bei dieser vermeintlich AfD-fernen Bloginhaberin? Zu diesem Zeitpunkt existieren weniger als f\u00fcnfzig Kommentare und Frau Engelke antwortet flei\u00dfig. Sie kann den Kommentar also nicht \u00fcbersehen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich bleiben die Autor*innen den Leser*innen noch immer eine Erkl\u00e4rung schuldig: Was ist die woke-ideologische Transgender-Propaganda? Was sind diese undefinierten politischen Ziele? Wollen etwa Transmenschen die Welt \u00fcbernehmen oder lediglich die exakt selbe Behandlung wie andere Menschen des Geschlechts als welches sie sich identifizieren? Die wichtigste Frage bleibt jedoch: Warum w\u00fcrde jemand unter dem Vorwand der Wissenschaft ein Dossier ver\u00f6ffentlichen, welches die behandelte Kernthematik nicht ausreichend versteht, strukturell voller Probleme steckt, Quellen nicht korrekt behandelt oder gar nicht erst zitiert, keinerlei eigene Aussagen hinterfragt, inhaltlich haupts\u00e4chlich auf Emotionen aufbaut, oftmals logische Fehlschl\u00fcsse zieht und \u00fcber die behandelte Materie l\u00fcgt? Die Antworten sind hier wohl tats\u00e4chlich Ideologie und Propaganda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. 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