{"id":820,"date":"2021-03-24T10:00:00","date_gmt":"2021-03-24T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/?p=820"},"modified":"2021-03-23T23:26:33","modified_gmt":"2021-03-23T22:26:33","slug":"wahrheit-ein-menschenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wahrheit-ein-menschenrecht\/","title":{"rendered":"Wahrheit \u2013 ein Menschenrecht!"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor zehn Jahren, im M\u00e4rz 2011, hat die Generalversammlung der UNO den 24. M\u00e4rz zum <em>\u201eInternationalen Tag f\u00fcr das Recht auf Wahrheit\u201c<\/em> <a href=\"https:\/\/documents-dds-ny.un.org\/doc\/UNDOC\/GEN\/NO2\/191\/96\/pdf\/NO219196.pdf?OpenElement\">erkl\u00e4rt<\/a>. Ein Recht auf Wahrheit? Nun, so sch\u00f6n das w\u00e4re, so wenig w\u00fcrde es wohl helfen. Gemeint ist nat\u00fcrlich nicht, dass wir ein Recht h\u00e4tten, immer \u00fcber alles die Wahrheit zu kennen. Woran der 24. M\u00e4rz erinnern soll, ist wesentlich pr\u00e4ziser, aber immer noch ein gewaltiger und oft genug uneingel\u00f6ster Anspruch: <strong>das \u201eRecht auf Wahrheit \u00fcber schwere Menschenrechtsverletzungen und f\u00fcr die W\u00fcrde der Opfer\u201c, so die genaue Bezeichnung dieses Tages. <\/strong>Und warum wird an dieses Recht gerade am 24. M\u00e4rz erinnert? Es kommt nicht oft vor, dass im Rahmen von UN-Resolutionen bestimmte Menschen gew\u00fcrdigt werden. Genau das aber tut die Resolution von 2011.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Grund f\u00fcr die Wahl dieses Gedenktags wird dort angegeben, er sei beschlossen<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201einsbesondere in W\u00fcrdigung der wichtigen und wertvollen Arbeit von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero aus El Salvador, der aktiv f\u00fcr die F\u00f6rderung und den Schutz der Menschenrechte in seinem Land eintrat und dessen Arbeit internationale Beachtung fand, weil er in seinen Botschaften Verletzungen der Menschenrechte der schw\u00e4chsten Bev\u00f6lkerungsgruppen anprangerte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-824\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-1040x780.jpg 1040w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/P1080816-2-1320x990.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Bild von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero n der Kathedrale in El Salvador<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bischof Romero wurde am 24. M\u00e4rz 1980 in einer Kirche von einem Killerkommando der Armee El Salvadors erschossen, ein Ereignis, das im katholisch gepr\u00e4gten Lateinamerika als ein makabrer H\u00f6hepunkt staatsterroristischer Gewalt bis heute im Ged\u00e4chtnis pr\u00e4sent ist. In ihrem Anfang 1993 ver\u00f6ffentlichten Bericht widmete die <a href=\"https:\/\/www.usip.org\/sites\/default\/files\/file\/ElSalvador-Report.pdf\">Wahrheitskommission<\/a> f\u00fcr El Salvador den Todesschwadronen der Armee ein eigenes Kapitel, in dem sie den Mord an Bischof Romero als exemplarisch untersuchte. <strong>Diese Wahrheitskommission war eine von sehr wenigen, die von der UNO selbst eingesetzt wurde, was vielleicht erkl\u00e4rt, warum der Tag des Rechts auf Wahrheit in besonderer Weise mit dem Tod Bischof Romeros verkn\u00fcpft ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch nat\u00fcrlich bezieht sich dieses <em>\u201eRecht auf Wahrheit \u00fcber schwere Menschenrechtsverletzungen und f\u00fcr die W\u00fcrde der Opfer\u201c <\/em>auf alle Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen. <strong>Es ist ein Recht, das man in so ausdr\u00fccklicher Form weder in der <em>Universellen Menschenrechtserkl\u00e4rung<\/em> von 1948 noch z.B. im <em>Internationalen Pakt \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte<\/em> von 1966 findet. <\/strong>Aber auch ohne explizite Niederschrift in einem der gro\u00dfen Menschenrechtsabkommen war dieses Recht schon immer pr\u00e4sent. Vor allem die Familien der vielen Tausend \u201eVerschwundenen\u201c in zahlreichen L\u00e4ndern forderten vor allem seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts immer lauter, die Wahrheit \u00fcber das Schicksal ihrer Angeh\u00f6rigen zu erfahren. Diese Forderung war die logische Antwort darauf, dass die Diktaturen in L\u00e4ndern wie Argentinien und Chile, aber eben auch Guatemala und El Salvador systematisch L\u00fcgen \u00fcber das Schicksal der von ihnen verschleppten Opfer verbreiteten und bewusst diese Ungewissheit als perfide Technik der Repression einsetzten. <strong>In der UNO, aber ebenso im lateinamerikanischen Menschenrechtsschutzsystem erkannte man die Notwendigkeit, dieses Recht auf Wahrheit \u00fcber die schweren Menschenrechtsverbrechen auch f\u00f6rmlich zu verankern<\/strong>, ein langer und spannender <a href=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/de\/2012\/12\/10\/das-recht-auf-wahrheit-im-internationalen-recht\/\">Prozess der Rechtsentwicklung<\/a>, der 2013 schlie\u00dflich zur Verabschiedung einer Resolution (<a href=\"https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/gv-68\/band1\/ar68165.pdf\">A\/RES\/68\/165<\/a>) der Generalversammlung der UNO mit dem schlichten Titel <em>\u201eDas Recht auf Wahrheit\u201c<\/em> f\u00fchrte. Seit 2011 gibt es auch bereits <a href=\"https:\/\/documents-dds-ny.un.org\/doc\/RESOLUTION\/GEN\/G11\/166\/33\/pdf\/G1116633.pdf?OpenElement\">das Mandat<\/a> eines Sonderberichterstatters der UNO \u00fcber die F\u00f6rderung von Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Garantien gegen die Wiederholung der Verbrechen. Die weitere Ausgestaltung des Rechts auf Wahrheit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit dieses Sonderberichterstatters.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"669\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-1024x669.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-825\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-1024x669.jpg 1024w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-768x501.jpg 768w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-1536x1003.jpg 1536w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-2048x1337.jpg 2048w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-640x418.jpg 640w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-1040x679.jpg 1040w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Argentinien034-1320x862.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wandbild der Madres de Plaza de Mayo <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie jedes Menschenrecht, muss das Recht auf Wahrheit, auch wenn es jetzt als offizielles Menschenrecht anerkannt ist, immer wieder neu erk\u00e4mpft werden.<\/strong> Dramatische Beispiele daf\u00fcr, wie schwierig und auch schmerzhaft das sein kann, liefert derzeit Kolumbien. Das dort nach Jahrzehnten von bewaffneten K\u00e4mpfen 2016 geschlossene Friedensabkommen hat drei neue Institutionen geschaffen, die auch das Recht auf Wahrheit bez\u00fcglich der Verbrechen w\u00e4hrend dieses internen Konflikts garantieren sollen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eine Sonderjustiz f\u00fcr die Verfolgung nicht amnestierbarer Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen (JEP in der spanischen Abk\u00fcrzung). Dieses Gericht arbeitet die gro\u00dfen Komplexe von massenhaften Verbrechen auf, die die normale Justiz nicht oder unzureichend untersucht hat. <strong>Erstmals dokumentiert eines dieser Verfahren jetzt auch die Wahrheit \u00fcber die systematische Ermordung von Tausenden (die JEP hat bisher 6402 gez\u00e4hlt) Zivilisten durch Armeeangeh\u00f6rige, die sie als im Kampf gefallene Guerilleros pr\u00e4sentierten, um damit ihre \u201eErfolgsbilanz\u201c aufbessern wollten.<\/strong> Obwohl dieses Verbrechen schon l\u00e4nger aufgedeckt wurde und auch einige niedrigrangige Milit\u00e4rs verurteilt wurden, hat das von der JEP nun bekanntgegebene Ausma\u00df des Verbrechens \u2013 in den fraglichen Jahren war ungef\u00e4hr jeder zweite \u201eim Kampf get\u00f6tete Guerillero\u201c in Wirklich ein unbeteiligter Zivilist \u2013 das Land ersch\u00fcttert.<\/li><li>Eine Beh\u00f6rde zur Suche nach den \u201eVerschwundenen\u201c (UBPD in der spanischen Abk\u00fcrzung),<strong> die erstmals systematisch den Spuren von insgesamt auf 70.000 bis 120.000 gesch\u00e4tzten verschwundenen Menschen nachgehen soll.<\/strong> Die Arbeit st\u00f6\u00dft auf riesige Schwierigkeiten, aber jeder gefundene Leichnam bedeutet f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen, dass sie der Wahrheit ein St\u00fcck n\u00e4her gekommen sind.<\/li><li>Eine eigentliche Wahrheits- und Vers\u00f6hnungskommission (CVR in der spanischen Abk\u00fcrzung), deren Mandat bereits Ende 2021 abl\u00e4uft und die einen umfassenden Bericht \u00fcber die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge und Hintergr\u00fcnde der jahrzehntelangen K\u00e4mpfe vorlegen wird. Auch in Deutschland war diese Wahrheitskommission schon t\u00e4tig, denn auch die Vertreibung ins Exil hat sie als eine der gro\u00dfen Menschenrechtsverletzungen in den Blick genommen. Die CVR kann niemand anklagen, sie konzentriert sich auf Recherche und vor allem aufs Zuh\u00f6ren. Sie hat bereits eine gro\u00dfe Zahl von Aussagen von Opfern gesammelt, aber auch mit den T\u00e4tern sucht sie das Gespr\u00e4ch. F\u00fcr den 21. April ist eine \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung mit zwei der bekanntesten Protagonisten des Krieges angek\u00fcndigt: dem ehemaligen Chef der FARC-Guerilla, Rodrigo Londo\u00f1o (\u201eTimochenko\u201c) und dem m\u00e4chtigen ehemaligen Anf\u00fchrer der Paramilit\u00e4rs, Salvatore Mancuso, der kurz vor dem Ende seiner 15-j\u00e4hrigen Haftstrafe in den USA wegen Drogenhandels steht. <strong>Wie viel Wahrheit beide vor der CVR zu enth\u00fcllen bereit sind, wird sich zeigen.<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zusammen sind diese drei durch das Friedensabkommen geschaffenen Institution auch im internationalen Vergleich zweifellos ein besonders breit angelegter Versuch, dem Recht auf Wahrheit Geltung zu verschaffen. <strong>Aber l\u00e4ngst nicht alle Verbrechen k\u00f6nnen von ihnen erfasst werden.<\/strong> Zudem werden alle drei Institutionen auch immer wieder von der Regierung und den sie tragenden Parteien der Rechten angegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wenig die kolumbianische Regierung von Pr\u00e4sident Duque bereit ist, zur Aufkl\u00e4rung der Wahrheit beizutragen, hat sie Mitte M\u00e4rz auch in einem Verfahren vor dem <em>Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof<\/em> auf skandal\u00f6se Weise deutlich gemacht. <strong>Verhandelt wird dort die Entf\u00fchrung, Folterung und Vergewaltigung der renommierten Journalistin Jineth Bedoya, ein Verbrechen, das im Mai 2000 vor den Toren des ber\u00fcchtigten Bogotaer Gef\u00e4ngnisses \u201eLa Modelo\u201c und unter den Augen zahlreicher Sicherheitskr\u00e4fte stattfand, um die Journalistin einzusch\u00fcchtern. <\/strong>In den zwanzig Jahren seither musste das Opfer zw\u00f6lf mal vor verschiedenen Staatsanw\u00e4lten ihre schmerzende Aussage zu Protokoll geben, doch die Beh\u00f6rden haben lediglich drei der unmittelbaren T\u00e4ter ermittelt, die Hinterm\u00e4nner bleiben bis heute unbehelligt. <strong>Jineth Bedoya hat sich nicht zum Schweigen zwingen lassen und ist trotz der entsetzlichen Gewalt, die sie erlitten hat, ihrem Beruf weiter nachgegangen.<\/strong> Aber ihre Aussage am 15. M\u00e4rz 2021 vor dem <em>Interamerikanischen Gerichtshof<\/em> in Costa Rica (das ganze Verfahren wird wegen Corona <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uG7865Sgo70&amp;feature=emb_imp_woyt\">virtuell verhandelt<\/a> und aufgezeichnet) hat auf dramatische Weise deutlich gemacht, wie sehr auch nach zwanzig Jahren das Ausbleiben der Wahrheit, die fortbestehende Straflosigkeit des Verbrechens und die Gleichg\u00fcltigkeit oder Obstruktion der Beh\u00f6rden das Trauma dieser Erfahrung immer wieder neu beleben. Die Richter haben daf\u00fcr Gesp\u00fcr bewiesen und ihre Befragung von Frau Bedoya r\u00fccksichtsvoll und anteilnehmend durchgef\u00fchrt, so wie es von einem Menschenrechtsgerichtshof erwartet werden muss.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-1024x638.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-823\" width=\"596\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-1024x638.png 1024w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-300x187.png 300w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-768x478.png 768w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-640x398.png 640w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-500x310.png 500w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21-1040x647.png 1040w, https:\/\/www.menschenrechte.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Screenshot-Jineth-Bedoya-15.3.21.png 1081w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><figcaption>Screenshot von Jineth Bedoya w\u00e4hrend der Verhandlung am 15.03.2021<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Und der Staat, gegen den die Verhandlung gef\u00fchrt wird, weil er nicht selbst f\u00fcr Wahrheit, Gerechtigkeit, Schutz und Wiedergutmachung gesorgt hat? Er erkl\u00e4rte die Richter f\u00fcr befangen und verlangte den Ausschluss aller Richter vom Verfahren bis auf zwei, und zugleich, dass das Verfahren f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt werde. Die souver\u00e4n streng nach den Verfahrensregeln die Verhandlung leitende Vorsitzende des Gerichts, Elizabeth Odio, lie\u00df sich davon nicht beeindrucken und beschloss, die Verhandlung nach der Mittagspause fortzuf\u00fchren. Die Vertretung des kolumbianischen Staats verlie\u00df daraufhin unter Protest \u201eden Saal\u201c. Bei Videokonferenzen l\u00e4sst sich das nicht ganz so eindrucksvoll inszenieren, aber es reichte f\u00fcr einen Skandal, den es so in der Geschichte des Gerichts noch nicht gegeben hatte. Die Verhandlung wurde trotzdem fortgesetzt und am n\u00e4chsten Verhandlungstag nahmen, angesichts einer Welle auch internationaler Emp\u00f6rung, die Vertreter des Staates auch wieder teil. <strong>Das Urteil wird im Lauf des Jahres 2021 erwartet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201cJeden Tag, an dem sie dir nicht glauben [\u2026] , wenn man deiner Aussage misstraut, wenn du an hunderten von Anh\u00f6rungen teilnehmen sollst und nichts passiert, geht die Vergewaltigung weiter\u201c<\/p><cite>Jineth Bedoya gegen\u00fcber dem <em>Interamerikanischen Gerichtshof<\/em> in Costa Rica.<\/cite><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zehn Jahren, im M\u00e4rz 2011, hat die Generalversammlung der UNO den 24. 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