Nachhaltiges Anlegen (Teil 1): Ethisches Investieren mit eigenem Geld

Recherchierst du noch oder investierst du schon nachhaltig? Diese Frage veranschaulicht, wie unübersichtlich der Markt um nachhaltige Geldanlagen ist. Auch ich musste auf meinem Weg zu meinen ethisch-korrekten Investments lange und mühselig Bücher wälzen, Test-Zeitschriften durchblättern und Online-Datenbanken durchklicken. Um dem einen oder der anderen diese Prozedur zumindest ein wenig zu erleichtern, dachte ich mir, dass ich die ein oder andere Orientierung geben könnte.

Während ich in meinem Artikel Verantwortungsvolles Investieren: Nachhaltige Finanzanlagen für eine bessere Welt aufgezeigt habe, dass ethisches investieren hoffentlich in naher Zukunft ein wenig übersichtlicher und transparenter wird, soll es hier nun ganz konkret darum gehen, wie man sein eigenes Geld verantwortungsbewusst anlegen kann (und sollte). Im ersten Teil des Artikels werde ich auf die unterschiedlichen Möglichkeiten eingehen und nach welchen Kriterien eine Investition in eine nachhaltige Geldanlage Sinn macht. Im zweiten Teil des Artikels wird es dann noch konkreter und ich stelle sogar meine persönliche Positive Watchliste und umfangreiche Negativliste für nachhaltige Investments zur Verfügung.

Was ist (k)eine nachhaltige Geldanlage?

Selbstverständlich könnte man lange streiten was denn eigentlich eine nachhaltige Geldanlage ist. Gemeinhin wird sich an den sog. ESG-Kriterien orientiert, die auch nicht zuletzt mit dem 17-Punkte Plan der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDG) unterfüttert wurde:

  • Environmental: Einhaltung von Umweltstandards und Vermeidung von umweltbelastenden Tätigkeiten
  • Social: Einhaltung von Arbeitnehmer:innenrechte und Sicherstellung von fairen Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung, Einsatz für Vielfalt wie auch soziales und gesellschaftliches Engagement
  • Governance: Vermeidung von Korruption oder wettbewerbswidrigem Verhalten und die interne Förderung von Nachhaltigkeitszielen

Tipp: Du willst wissen, wie gut deine Kommune bei den Sustainble Development Goals dasteht? Über das SDG-Portal kannst du dir einen schnellen Überblick für jede Kommune in Deutschland verschaffen! Auch Direktvergleiche mit anderen Kommunen sind möglich, wie z.B. Nürnberg vs. Erlangen.

An dieser Stelle darf auch die Initiative der sog. Divestmentvorreiterstädte nicht unerwähnt bleiben. Hier verpflichten sich Städte ihr Vermögen nur noch in nachweislich nachhaltig tätige Unternehmen zu investieren. Neben Nürnberg beteiligen sich hier u.a. auch Berlin, Bonn, Köln, Leipzig, Münster und Stuttgart.

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu sehr in die Nachhaltigkeitsdiskussion einsteigen (hier sei auf den Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden verwiesen, der oftmals als Grundlage von ethischen Bewertungen herangezogen wird). Einfach und persönlich gesagt: Wie auch beim Einkaufen von Alltagsdingen möchte ich, dass mein Geld keinem Unternehmen zugutekommt, das umweltschädlich, ausbeuterisch oder unfair agiert. Plakativ und naiv gesagt: Ich möchte, dass mein Geld dabei hilft, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Treffender und konkreter gesagt: Mein privates Kapital soll Wirtschaftsakteure begünstigen, die nach den Grundsätzen der UN-Entwicklungsziele, unter Einhaltung der Menschenrechte und nach klar definierten Kriterien einen ökonomischen, sozial- und ökologisch-verträglichen positiven Outcome liefern.

„Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens“

Henry Ford

Auch könnte man nun länger darüber philosophieren, was denn nun als eine nachhaltige Geldanlage zählt. Wenn auch interessant, aber zu speziell oder zu weit von einer Geldanlage entfernt, um im Detail in diesem Artikel darauf einzugehen:

  • Spenden: Auch wenn diese Art von Finanzströmen ganz besonders nachhaltig sein können, soll es in diesem Artikel um Anlagen gehen, die eine Rendite erwirtschaften.
  • Grüner Strom: Natürlich gehört zu einem verantwortungsbewussten Lifestyle auch der Wechsel zu einem nachhaltigen Stromanbieter und -erzeuger. Eine gute Übersicht dazu findet man hier.
  • Nachhaltige Versicherungsanbieter: Ähnlich wie bei der benötigten Energie für die eigenen vier Wände, kann man auch bei der Wahl der passenden Versicherung auf Nachhaltigkeit achten. Mehr dazu hier.
  • Nachhaltigkeitsbanken: Insbesondere die Triodos Bank, GLS Bank, EthikBank und die Nürnberger Umweltbank sind hier etablierte Geldinstitute, die auch eigentlich ausschließlich Geldanlagen anbieten, die strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Ideal für Menschen, die nicht zu lange prüfen wollen, ob das Unternehmen XY nun nachhaltig wirtschaftet und auch mit einem eingeschränkten Angebot von Finanzprodukten zufrieden sind. Auch ideal für festverzinsliche Geldanlagen. Ein Wechsel zu einer solchen Bank kann also durchaus sinnvoll sein, wenn auch häufig kostspieliger als konventionelle Banken und auf jeden Fall kostenintensiver als Direktbanken oder Online-Broker. Eine erste Übersicht über die Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland findet man bspw. beim Fair Finance Guide Deutschland.
  • Vergabe von Mikrokrediten oder Mikrokreditfonds: Eine spannende Möglichkeit, um entweder mit etablierten Mikrofinanzinstituten oder selbständig über diverse Plattformen in Einzelpersonen zu investieren.
  • Crowdfunding / Crowdfinancing / Crowdinvesting: Mit Hilfe von Online-Plattformen haben junge Unternehmen und Start-Ups die Möglichkeit innovative und nachhaltige Projekte über die „Crowd“ zu finanzieren. Die materiellen und finanziellen Renditen sind hier mitunter sehr unterschiedlich, wie auch das damit verbundene Risiko! Einige Plattformen hat das Deutsche Kundeninstitut analysiert, über die man diese Studien auch entgeltlich bestellen kann. Eine kostenlose, detaillierte Auswertung der Ergebnisse lassen sich aber auch hier für die Studien aus 2018 und 2019 abrufen. Interessante Plattformen, die Nachhaltigkeit als Grundvoraussetzung oder zumindest als Auswahlkriterium haben, sind: Startnext, GLS Crowd, Ecolingo.Investments, GreenVesting, Crowd4Climate, ecozins.de, ecocrowd, Kickstarter, Indiegogo, GreenRocket, bettervest, Wiwin, econeers, FunderNation, ImpactFunding, OnePlanetCrowd und LeihDeinerUmweltGeld.
  • Waldinvestments: Kann besonders nachhaltig sein, wobei solche Investments häufig großen Geldeinsatz verlangen und auch sehr risikoreich sind, weswegen hier besondere Vorsicht geboten ist! Das Forum Nachhaltig Investieren gibt einen ersten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten von Waldinvestments.
  • Gold: Auch wenn solch ein Investment seinen besonderen Charme hat, ist der Abbau in Goldminen umweltschädlich und auch die Arbeitsbedingungen oftmals katastrophal. Wer hier nachhaltig investieren möchte, muss Sherlock Holmes spielen und besonders sorgfältig prüfen.
  • Eigene Solaranlage: Durch eine eigene Solaranlage oder Solarkollektoren kann man die eigenen Kosten senken und somit eine gute Rendite erwirtschaften. Insbesondere für Wohnungs- und Hauseigentümer lohnt es sich also näher mit dem Thema auseinanderzusetzen.
  • Beteiligung an Windkraft-Anlagen oder ähnliches: Gängige Anlageformen für Windkraft sind geschlossene Fonds und Genussrechte, deren Seriosität und Wirtschaftlichkeit aber genaustens im Vorfeld geprüft werden sollten. Auch denkbar und innovativ, insbesondere für Grundstückseigentümer, ist eine kleine Windenergieanlage im eigenen Garten. Mehr Infos dazu findet man bspw. über die Verbraucherzentrale.

Nachhaltigkeit hat bekanntlich viele Dimensionen und Facetten. Mir geht es an dieser Stelle nun aber ausschließlich um Investments an der Börse, insbesondere das verantwortungsvolle Investieren in einzelne Unternehmen (Aktien) oder in eine Sammlung von Unternehmen (Fonds, ETFs). Wenn du zu anderen Aspekten mehr lesen möchtest, lass es mich gerne in den Kommentaren unten wissen!

Konkrete Ansätze zur Bewertung von Nachhaltigkeit

Um die Art der Nachhaltigkeit zu bewerten, gibt es unterschiedliche Ansätze wie bspw. den Best-in-Class Ansatz. Nach dessen Prinzip soll man in die Unternehmen investieren, die in ihrer jeweiligen Branche am umweltfreundlichsten und fairsten sind. Das Problem hierbei ist offensichtlich: Ich würde somit auch in Unternehmen investieren, die mit umwelt- oder menschenschädlichen Produkten ihr Geld verdienen wie z. B. Erdölförderung, Kohleabbau, Tabak etc. Hier kommt ein weiterer Ansatz ins Spiel: Positiv- bzw. Negativkriterien.

Mithilfe von Positivkriterien werden Merkmale festgelegt, denen eine besondere Bedeutung zukommen soll. Nachdem ich die Anlagepolitik von Nachhaltigkeitsbanken und Rating-Agenturen in Deutschland verglichen habe, bin ich zu folgenden Positivkriterien gekommen:

  • Engagement gegen den Klimawandel
  • Sozialökologisch ausgerichtete Unternehmenspolitik
  • Achtung der Menschenrechte
  • Förderung der Gleichberechtigung und Vielfalt
  • Engagement gegen Korruption und Bestechung
  • Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen
  • Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus
  • Soziales Engagement
  • Entwicklungspolitische Ziele
  • Energie- und Ressourceneffizienz
  • Dezentrale und regenerative Energiegewinnung
  • Umweltfreundliches Bauen
  • Ökologische Landwirtschaft und Forstwirtschaft
  • Kreislaufwirtschaft/Recycling

Negativkriterien legen fest, nach welchen Kriterien man davon absieht in ein Unternehmen oder einen Fonds zu investieren. Ein Ausschlusskriterium ist beispielsweise dann begründet, wenn ein Unternehmen in einem oder mehreren der folgenden Bereiche aktiv oder verwickelt ist:

  • Menschenrechtsverletzungen
  • Militärwaffen/Rüstung
  • Atomenergie
  • Kohlekraft
  • Kontroverse und umweltschädliche Chemikalien / Biozide
  • Erdöl
  • Agro-Gentechnik
  • Embryonenforschung
  • Chlororganische Massenprodukte
  • Tierversuche
  • Industrielle Tierhaltung
  • Intensive umweltbelastende Landwirtschaft
  • Bestechungs- und Korruptionsfälle
  • Kontroverses Umweltverhalten
  • Kontroverse Wirtschaftspraktiken
  • Pornografie
  • Glücksspiele
  • Suchtmittelherstellung
  • Pelzindustrie
  • Zusammenarbeit mit Diktaturen / totalitären Regimen
  • Gesetzes- und Vertragsverstöße

Sowohl die Positiv- wie auch die Negativkriterien können (und sollten auch!) nach Belieben ergänzt oder gewichtet werden. Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung, was gar nicht geht oder was eben auch nicht so schlimm ist. Da man jedoch immer gegen einen Mangel an Informationen ankämpfen muss, sollte man hier ruhig etwas strenger vorgehen. Dies hilft zukünftige Skandale oder Betrugsfälle zumindest ein wenig vorzubeugen.

Nur die Kombination der Ansätze ist sinnvoll

Möchte man nun Unternehmen auf deren Nachhaltigkeit bewerten, sollte man zunächst prüfen, ob sie in dubiosen Geschäftspraktiken verwickelt sind (=Ausschlusskriterien). Diese landen dann auf einer schwarzen Liste – auch Negativliste genannt. Erst wenn man sich sicher sein kann, dass dies nicht der Fall ist, prüft man, ob sich das Unternehmen durch ein besonders nachhaltiges Engagement auszeichnet (=Positivkriterien). Und dann kann man von den übrig gebliebenen Unternehmen, die aussuchen, die sich von den anderen in ihrer Branche abheben (=Best-in-Class). Diese werden dann auf einer grünen Liste – sog. Positivliste – vermerkt. Mit diesem Schema kann man zuverlässig sicherstellen, dass das eigene Geld im Sinne einer enkeltauglichen Zukunft angelegt wird. Erst wenn man diesen Nachhaltigkeits-Check durchgeführt hat, prüft man die verbleibenden Werte auf ihre Wirtschaftlichkeit und die zu erwartende Rendite.

Wie du am besten an die Informationen für deinen persönlichen Nachhaltigkeits-Check kommst und was man noch so beachten sollte, erfährst du im Teil 2. Hier stelle ich auch meine persönliche Positive Watchliste, wie auch meine umfangreiche Negativliste zur Verfügung, die dir schon einmal wirklich viel Detektiv-Arbeit abnimmt!

Hinweis: Dieser Artikel ist nicht als Finanzberatung gedacht und dient nicht der Empfehlung oder dem Abraten eines Produktes, eines Unternehmens oder eines Geldinstituts, sondern der Information über entsprechende Vorgehensweisen. Die Entscheidung über den Abschluss oder Aufkündigung eines Vertrags liegt nur bei dir und daher solltest du dich zu den Kosten, den Chancen sowie den Risiken eines Produktes genau und umfassend aus vielen Quellen erkundigen. Solltest du darüber nachdenken, dein Geld nachhaltig(er) anzulegen, wäge bitte sorgfältig die ökonomischen Vor- und Nachteile, insbesondere in Bezug auf Risiken und die Kosten, ab.

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