Gemeinsames Statement gegen Abschiebungen nach Afghanistan

10. August 2021 | Von | Kategorie: Aktuelles

Gemeinsam mit 26 Organisationen aus dem Bereich der Menschenrechte, der Entwicklungspolitik, der Wohlfahrt, Flucht und Asyl sowie Rechtsanwält*innen- und Richter*innenvereinigungen hat das NMRZ heute folgendes Statement gegen Abschiebungen nach Afghanistan unterzeichnet:

 

Keine Abschiebungen nach Afghanistan!

In Afghanistan vergeht kaum ein Tag ohne Anschlag. Seit dem Abzug der NATO-Truppen sind die
Taliban auf dem Vormarsch: über die Hälfte der Bezirke in Afghanistan steht schon unter Kontrolle
der Taliban. Die dritte Welle der Covid-19-Pandemie verschärft die humanitäre Situation im Land
zusätzlich. Die Lage am Hindukusch ist dramatisch und wird sich aller Voraussicht nach weiter
verschlechtern.

Ein Stopp aller Abschiebungen nach Afghanistan ist vor diesem Hintergrund dringend geboten.

Die afghanische Regierung hat bereits im Juli die europäischen Staaten aufgefordert, vorläufig keine
Abschiebungen mehr durchzuführen. Norwegen, Finnland und Schweden sind dieser Aufforderung
nachgekommen. Auch die Grenzschutzagentur Frontex hat Anfang August bekanntgegeben, keine
Abschiebungen nach Afghanistan mehr unterstützen zu wollen. Zudem hat der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte in einer Eilentscheidung am 2. August eine Abschiebung aus
Österreich nach Kabul, die ursprünglich gemeinsam mit Deutschland stattfinden sollte, mit Verweis
auf die dortige Sicherheitslage gestoppt.

Auch Deutschland darf die Augen vor der sich immer weiter verschlechternden Lage in Afghanistan
nicht verschließen und muss alle Abschiebungen einstellen.

Rechtsstaat heißt, dass menschenrechtliche Prinzipien eingehalten werden. Sie dürfen auch nicht in
einem Wahlkampf zur Verhandlung gestellt werden. Das völkerrechtliche Nicht-Zurückweisungsgebot,
das aus dem absoluten Folterverbot abgeleitet wird und das Abschiebungen bei zu erwartenden
schwersten Menschenrechtsverletzungen verbietet, gehört hierzu. Dieses Abschiebungsverbot gilt
unabhängig von individuellem Verhalten.

Aufruf unterzeichnet von

AG Migrationsrecht im Deutschen Anwaltverein
Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter (ACAT-Deutschland)
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
Amnesty International
AWO Bundesverband
Brot für die Welt
Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer – BAfF e.V.
Bundesweite Bündnis gegen Abschiebungen nach Afghanistan
Deutscher Caritasverband
Diakonie Deutschland
Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland
KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.
Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
Landesflüchtlingsräte
medica mondiale e.V.
medico international
MISEREOR
Neue Richtervereinigung e.V.
Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V.
Oxfam Deutschland
PRO ASYL
Republikanischer Anwältinnen – und Anwälteverein e.V. (RAV)
Seebrücke
terre des hommes Deutschland e.V.
Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF)
YAAR e.V.

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